Die grosse Frage aus Deutschland nach den Weihnachtstagen 2014: "Ja, wo si si denn jetzt, unsere Sybille und Bo mit ihrer SYBO?"             

Jo, wo sind denn Sybille und Bo mit ihrer SYBO?
Das gute Ende aber gleich vorne weg, denn am 5.1.2015 gehen bei ihrer Familie in Deutschland und bei mir auf Aruba zwei ähnlich lautende Mails ein:
„Hallo ihr Lieben! Nun können wir uns endlich bei euch melden und bestätigen, dass es uns beiden auf der SYBO gut geht. Wir erreichten am 18. Dezember Santiago de Cuba/Cuba und klarierten dort ohne Probleme ein. Auf den eigentlich länger geplanten Cuba-Aufenthalt verzichteten wir und segelten, mittels anstrengender aufkreuzerei, bereits am 26. Dezember zu den Bahamas weiter. Über Silvester lagen wir dann vor der äussersten Insel Iguana/Bahamas. Hier war aber absolut nix beeindruckendes und so zogen wir drei Inseln weiter und haben nun inzwischen auf Long Island auch endlich eine Internet-Verbindung gefunden. Wir entschuldigen uns vielmals für dieses verspätete Lebenszeichen! Hoffentlich habt Ihr Euch nicht zu viele Sorgen gemacht, weil wir uns in den vergangenen zwei Wochen nicht melden konnten. Dabei funktionierte leider auf Kuba wie bis anhin auch auf den Bahamas unser Handy auch nicht. Speziell übermitteln wir an dich Franz einen grossen Dank für deine Hilfe bei der „Familienberuhigung“! 
So, bald folgt noch ein detaillierter Reisebericht über unsere vergangenen spannenden Segelwochen von Aruba bis zu den Bahamas.
Seid ganz lieb gegrüsst
Sybille und Bo“


Und hier nun in chronologischer Reihenfolge den Ablauf meiner zwischen dem 29. - 31. Dezember von Aruba aus geführten „Familienberuhigung“!
Wer jeweils meinen KYORY-Blog mit verfolgt weiss, dass wir, Sybille&Bo von der SYBO und ich auf Aruba viel miteinander unternommen hatten. In diesen Monaten von Mitte September bis Mitte Dezember des vergangenen Jahres kam neben dem Seemannschaftsgedanken auch der gemeinsame Spass bei Ausflügen oder Mahi Mahi-Essen nicht zu kurz.
Am 12. Dezember ging die SYBO vor Aruba Anker auf um dann nach einer Segeletappe von etwa sechs Tagen, wie geplant in Santiago de Cuba, liegt in der südöstlichen Ecke von Cuba, einzuklarieren. Dabei war es normal, wie immer bei Etappen von fünf bis sechs Tagen und mehr, dass sich die beiden nach erfolgtem Landfall per Mail oder Handy bei ihrer Familie in Deutschland meldeten. Auch vereinbarten wir, dass sie auch mir diesmal ein „Sind auf Cuba bestens angekommen!“-Mail übermitteln würden. Aber eben, zum einen war es für die beiden schwierig auf Cuba einen Internet-Spot zu finden und auch ihr Handy versagte den Dienst!
Bereits am 16. Dezember schickte ich den beiden eine Mail zu dem in den kommenden Stunden erfolgreichen Anker ab vor Santiago de Cuba und wünschte ihnen einen über die kommenden Wochen sicher spannend werdenden Cuba-Aufenthalt. Da ich in den Folgetagen von den SYBOlern nichts hörte, übermittelte ich ihnen am 22. Dezember eine weitere Mail mit der Frage „Wo si si denn iez?“ und wünschte ihnen „Merry Christmas“. Auch wenn damals bereits 10 Tage seit ihrem Anker auf in Aruba vergangen waren, machte ich mir noch keine grossen Gedanken über ihr verbleiben. Dies im Wissen, dass es sicher nicht einfach sein wird auf Cuba ins Internet zu kommen und auch ihre hie und da auftretenden Handy-Probleme waren mir bekannt. Dazu lernte ich die beiden über die vergangenen Monate gut kennen und wusste, dass es nach einem Landfall nicht unbedingt ihre erste Priorität war, jeweils ihr persönliches Umfeld postwendend mit einem „Hallo, wir sind glücklich gelandet!“ zu informieren. Aber so nach den Weihnachtstagen machte ich mir dann doch langsam ein bisschen Sorgen über ihr Verbleiben. Ich entschied vorerst für mich, noch gegen Silvester zuzuwarten, bevor ich eine etwaige Suchaktion anging. Was sicher in dieser Situation, während dem ich seit bald 18 Tagen nichts von der SYBO gehört hatte, so langsam meine Pflicht wäre. Meine Erschwernis war dabei noch, das ich mich leider nicht mit ihrer Familie in Deutschland in Verbindung setzen konnte, da ich weder eine entsprechende Mail-Adresse noch eine Phone-Nummer hatte!
Aber da erreichte mich am 28. Dezember eine überraschende Kontakt-Mail (Gedankenübertragung?) über meinen KYORY-Blog. Sie kam von Sybilles Tochter Lisa! Sybille hatte ihr mal vor Monaten meinen Blog schmackhaft gemacht, in dem nun Lisa, wie auch Sybilles Eltern, mit Freuden am Abenteuer der KYORY und ihren jeweils begleitenden Freunden teilhaben. Dieses Mail von Lisa bestätigte mir, dass sich also auch ihre Familie immer mehr Sorgen um die SYBO-Crew machen, da sich die beiden seit dem 12. Dezember und nun vor allem auch über die Weihnachtstage nicht gemeldet hatten. Noch ein bisschen schüchtern frägt mich Lisa, wie denn die Wettersituation in den vergangenen zwei Wochen im SYBO-Seegebiet war und ob sie eventuell bei wenig Wind sonst wo noch auf See rumschippern?
In meiner umgehenden Mail-Antwort vom 28. Dezember hielt ich Lisa gegenüber fest, dass auch ich bis dato noch keine Info über ihr verbleiben hätte. Ich versuchte sie dabei mit dem auch ihnen bekannten Hinweis zu beruhigen, dass es vielleicht für die beiden schwierig ist, speziell auf Kuba ins Internet zu kommen. Auch erwähnte ich die Möglichkeit, dass die beiden eher irgendwo abseits der grossen Zivilisation in einer ruhigen Bucht vor Anker liegen. Oder sie aus irgendwelchen Gründen eventuell einen Hafen in Jamaica oder auch Haiti angelaufen sind. Ergänzend ging ich mal davon aus, dass sich die SYBO seit einigen Tagen nicht mehr auf hoher See aufhielt. Auch die Wettersituation war übrigens bei ihrem Anker auf vom 12. Dezember und die Tage danach zwischen Aruba und Kuba soweit normal, dh es waren in ihrem Fahrtengebiet keine nennenswerten Schlechtwetterfronten durchgezogen. Begleitend konnte ich festhalten, dass die NW gelegene Karibik-Ecke mit Jamaica, Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik gerade auch in diesen Tagen soweit doch ruhige Wetterverhältnisse ausweist. Abschliessend wünschte ich Lisa und ihrer Familie noch ein wenig Geduld mit der Bemerkung, dass sich die beiden doch wohl an Silvester/Neujahr melden würden. Sollten wir aber auch bis dann nichts von der SYBO hören, würde ich von Aruba aus umgehend die uns Seglern in solchen Situationen gegebenen Such-Möglichkeiten in die Wege leiten!
Verständlicherweise konnte ich Lisa und ihre Familie mit meinem Mail-Feedback nur für kurze Zeit beruhigen und am 29. Dezember stellte mir Lisa per Mail die Frage, ob es eine Art Zentrale gäbe, die gesendete Notrufsignale speichert und wo man sich auch sonst weiter informieren könnte. Oder ob in einer solchen Zentrale festgestellt werden kann, wo sich die SYBO zur Zeit befindet. Ihr Opa habe sich inzwischen mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt, ohne dabei weitereichende Hilfe oder Tipps zu bekommen. Nun bleibe ihnen nur noch mich zu fragen, an wen sie sich für das weitere Vorgehen wenden sollten. Dieser von Lisa erhaltene Mail-Hilferuf war dann für mich der Auslöser, mich nun doch umgehend auf die Suche der SYBO zu machen!
Als erstes organisierte ich mir am 29. Dezember umgehend, mit Unterstützung der Renaissance Marina, per Fax die Ausklarierungs-Papiere der SYBO von der Aruba-Custom und Immigration, um auf diese Weise an ergänzende Daten zu kommen. Anschliessend bat ich Lisa wieder per Mail, mir nach Möglichkeit noch einige mir unbekannte Daten über Sybille&Bo sowie die die Yacht zu beschaffen. Während einem weiteren Besuch im Marina-Office erfasste Sanders noch eine SYBO-Suchmeldung auf Facebook. Am 30. Dezember entschied ich mich Morgenfrüh per Handy das Schweizer RCC (Leitstelle zur Koordination von Seenotrettungen) der Rettungsflugwacht Zürich zu kontaktieren, um die Tel.-Nr. des deutschen RCC zu erhalten. Und innert Minuten hatte ich das RCC Münster am Telefon die mich an das SAR Bremen weiterleitete, der verantwortlichen Stelle in Deutschland bei EPIRB-Alarmauslösungen. Aufgrund meiner Angaben konnte der Beamte mir umgehend bestätigen, dass die SYBO eine EPIRB (MMSI-Nr. 211601890) an Bord hat - und sie bis anhin keine Notsignale erhalten hatten. Natürlich leitete ich diese erfreuliche Info sofort an Lisa weiter, konnten wir nun doch davon ausgehen, dass der SYBO eigentlich nichts passiert sein sollte. Anschliessend machte ich mir die Mail-Adresse des für die Karibik verantwortlichen RCC auf Puerto Rico ausfindig und übermittelte ihnen eine Mail mit den mir bis zu diesem Zeitpunkt bekanten SYBO- und Crew-Daten mit Fotos. Bereits eine halbe Stunde später erhielt ich einen Tel.-Anruf von Chief Web, des übergeordneten MRCC Miami. Er erwähnte, dass er gleich eine Suche bei den Einklarierungs-Häfen auf Kuba, Jamaica und Haiti in die Wege leiten werde. Auch konnte er mir dann noch während unserem Telefongespräch bestätigen, dass auch bei ihnen keine Aktivität der SYBO-EPIRB (Seenotfunkbake) eingegangen sei. (Diese EPIRB sendet übrigens bei Aktivierung oder Kontakt mit Seewasser umgehend während mindestens 24 Stunden über die COSPAS/SARSAT-Satelliten Notsignale aus. Dabei sollte allerspätestens nach einer Stunde das entsprechende RCC aufgrund einer speziellen MMSI-Nr. die genaue Position eines Bootes ermitteln können.)
Und gegen Abend vom 30. Dezember rief mich nochmals Chief Web an, um die am meisten von der SYBO-Familie und mir gewünschte Info mitzuteilen: Dass nämlich die SYBO am 18. Dezember in Santiago de Cuba einklariert habe - also wohlbehalten auf Cuba angekommen sei - und bereits am 26. Dezember mit dem Ziel Bahamas wieder ausklarierte! Mit grosser Freude bedankte ich mich bei Chief Web und gab diesen Aufsteller des Tages umgehend per Handy an Lisa weiter. Ich konnte fast übers Phone mithören, wie eine grosse Last von ihrem Rücken auf den Boden fiel! Sie bedankte sich ganz herzlich und leitete diese erfreulichen News sofort an ihre Familie weiter! Hier füge ich noch gerne an, dass sich in diesen zwei Tagen zwischen Lisa und mir ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte, wie wenn wir uns schon Jahre kennen würden. Auch hat mich speziell gefreut, dass sich dann auch noch Sybilles Eltern mit einem herzlichen Mail bei mir für meine Hilfe bedankt haben. Aber es gibt unter uns Seefahrern unter dem Aspekt Seemannschaft ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir alle unter grösstem Einsatz, ob auf Wasser oder an Land, uns jederzeit gegenseitig zu Hilfe kommen! Ich informierte dann noch das Renaissance Marina-Office, bedankte mich auch für ihre Hilfe und Sanders löschte auch gleich noch seine am 29. Dezember im Facebook erfasste SYBO-Suchmeldung.
Übrigens ging bei mir am 31. Dezember um 15:00 nochmals ein Anruf des SAR Bremen ein mit der Frage, ob ich ihnen nochmals die SYBO-EPIRB-Nr. sagen könnte, da sie aus der Ost-Karibik ein EPIRB-Signal empfangen haben. Wir stellten aber aufgrund der Nr. und des Seegebietes aus dem das Notsignal stammte schnell fest, dass es sich nicht um die SYBO handelte. Und somit konnte nun am 31. Dezember auch in Deutschland so richtig glücklich Silvester gefeiert werden. Sicher wird auch bald mal ein Mail oder ein Anruf von der SYBO in Deutschland und bei mir eingehen. Dabei sind wir natürlich alle gespannt zu erfahren, was Sybille&Bo uns über diese vergangenen Tage so zu erzählen haben. Und sollten dann die beiden keine uns zufriedenstellende Geschichte erzählen können, muss dann halt zB Sybilles Vater sie wieder mal übers Knie legen und sie die Pfitze spüren lassen, auch wenn der Samichlaus-Tag schon lange vorbei ist!? - Ein: Schmunzel, schmunzel! zum Abschluss dieser sicher für alle Beteiligten lehrreichen SYBO-Aktion!
Mein Resümee mit „Lehren und Empfehlungen daraus“:
1. Mit gut befreundeten Yachten werde ich in Zukunft vor längeren
     Segeletappen entsprechende Boots-, Kommunikations- und
     Crew/Familien-Daten austauschen.
2. Auch werde ich mit der jeweiligen Crew klar absprechen, innert welchem
     Zeitfaktor nach erfolgtem Landfall eine diesbezügliche Ankunfts-Message
     - über welchen Kanal auch immer - zu erwarten ist.
3. Im Weiteren werde ich mir bei solchen Vereinbarungen zukünftig bereits
     zum Voraus die Mail-Adresse und die Tel.-Nr. der verantwortlichen RCC
     organisieren.
4. Langfahrtenseglern mit Ozean-Überquerungen würde ich empfehlen,
     entweder ein Satelliten-Telefon zu mieten oder zu kaufen. Dabei ist man an
     jedem Ort der Erde und eigentlich zu jedem Zeitpunkt (je nach Satelliten-
     Konstellation) telefonisch erreichbar. Auf meiner vor einem Jahr durch den
     Ruderschaden an der KYORY eingeleitete Hilsaktion, auf der Etappe von 
     Gibraltar nach L
anzarote, war mir das Satelliten-Telefon eine wirklich
     riesengrosse Hilfe.

     Auch ist in einer solchen Gefahrensituation nicht zu unterschätzen, wie gut
     das der Seele und dem Körper tut von Zeit zu Zeit eine beruhigende Stimme
     eines RCC-Mitarbeiters zu hören! Und auch das Kommunikations-Bindeglied
     zu Hause kann so umgehend informiert werden.
5. Auch schätzen zB meine Familie und Freunde zu Hause, wie auch die vielen
     anderen Blog-Leser, dass sie jeweils alle 12 Stunden über meine jeweilige
     Boots-Position Bescheid wissen. Auch ist es doch spannend und bereitet
     ihnen Freude, auf diese Weise die Segeletappen der KYORY auf der
     Weltkarte fast metergenau mit verfolgen zu können. Dies möglich macht der
     an der KYORY-Reling befestigte YB-Tracker, der über die Iridium-Satelliten
     entsprechenden Funksignale übermittelt. Auch dieses Gerät kann übrigens
     gekauft oder gemietet werden.
6. Und vor allem machte es mir Freude bei dieser Geschichte den Gedanken
     der Seemannschaft vorzuleben. Dabei mit mir bis anhin unbekannten,
     hilfsbereiten und verständnisvollen Menschen in Kontakt gekommen zu sein.
     Was gibt es schöneres, wenn dann zum Schluss alle Beteiligten auch noch
     auf ein Happy End und erst noch am Silvester anstossen können!
     - Happy New Year!