Endlich: Die Autopiloten-Ersatzteile sind da - und bald geht es weiter zu den San Blas Inseln!

Gleich eingangs zu diesem längst versprochenen und überfälligen Blog-Beitrag möchte ich erwähnen, dass ich in diesen Wochen immer wieder mit der Text-Übertragung dieses Beitrages zugewartet habe. Dies in der Hoffnung, dass ich dann auch gleichzeitig vom Abschluss meiner leidigen Autopiloten-Geschichte erzählen könnte. Ergänzend möchte ich noch anfügen, dass ich jeweils so alle paar Tage immer einiges an Text mit dem aktuellen Geschehen im Word vorerfasse. Und zu gegebenem Zeitpunkt führe ich die Textblöcke zusammen und übertrage sie dann mit einigen Fotos in den KYORY-Blog. Aber leider hat sich nun diese AP-Reparatur bis in den Mai hinein verschoben, wobei nun diese never/ever ending story doch langsam dem Ende entgegen steuert. Ich gehe im nachfolgenden Abschnitt dann detaillierter und ein wenig chronologisch auf die entscheidenden AP-Tage ein. So konnte ich am Montagmittag, 27. April, nach dem checken meiner Mail-Eingänge vorerst mal feststellen, dass seitens Garmin USA zwei FedEx-Pakete mit den vereinbarten Ersatzteilen zu mir unterwegs sind. Und nach Auskunft der von mir im gegenüberliegenden Stadtteil Bocagrande aufgesuchten FedEx-Filiale, sollten diese beiden Pakete bis spätestens am Donnerstag, 30. April hier in der Marina eintreffen. Aber einige schon länger hier verweilenden Seglerkollegen schmunzeln bei dieser mir für die Strecke USA-Kolumbien von FedEx mitgeteilten kurzen Transportzeit. Nun, ich kann nicht in diesen Transportweg eingreifen, aber ich sehe es eh positiv und lasse mich halt dabei überraschen!     


Begleitend in dieser Geschichte ist es wie in dem von mir schon einige Male zitierten Yin&Yang: Nach einer langen Nacht muss es ja auch wieder Tag werden! Und ob ich mal auf die von einigen Skipper-Kollegen hier in der Marina geäusserten Idee eingehe und mal ein Büchlein über meine unendliche Geduld schreiben werde? Sicher nicht! Aber ihr könnt bei Lesen meiner aktuellsten Erlebnisse in einem nachfolgenden Abschnitt wieder mal nachvollziehen, wie es um meine Geduld so steht, wenn sie auch doch langsam vermehrt von einigem Fluchen begleitet wird!? Nun, einzig von Interesse für euch, sowie natürlich vor allem auch für mich, kann doch nur das baldige Ende dieser von Garmin einfach nur amateurhaft angegangenen Reparatur sein. Und ebenso wichtig ist es für mich dabei festzuhalten, dass es mir, nach dieser verständlicherweise für mich nicht immer einfachen Zeit, wirklich noch gut geht! Okay, schauen wir mal dabei von meinem es betzeli im Umfang gwachsene Buch ab, aber das wird sich dann auf See schon wieder ergeben!? - Schmunzel, schmunzel!
Per Zufall kann ich hier noch eine bestens dazu passende kleine Geschichte eines anderen Skippers einfügen. Diese Story erzählte mir dieser Tage während einem skype-Gespräch mein Schweizer Seglerkollege Jürg. Es ist eine wirklich ähnliche Autopiloten-Geschichte wie ich sie gerade in diesen Monaten erleben und erdulden musste. Jürg segelt übrigens derzeit mit seiner Melanie in der Karibik von Guadeloupe nach Grenada und lernte bei seinem kürzlichen Aufenthalt in der Ankerbucht der Marigot Bay von St. Lucia einen Seglerkollegen kennen, der, nach dem Jürg ihm von meinem Garmin-Erlebnis hier in Cartagena erzählte, gleich mal einen längeren Lachanfall bekommen habe. Dieser erfahrene und über Jahrzehnte in der Südsee und Karibik auf Langfahrt befindliche Segler hatte nämlich vor Jahren eine fast deckungsgleiche Geschichte erleiden müssen. Denn auch ihm stieg auf einer rauen Überfahrt nach Panama der Autopilot, übrigens auch ein Garmin Produkt, aus und er musste wie ich den Ausweichhafen Cartagena anlaufen. Und auch seine damals ähnlich negativ gespickten Erfahrungen mit Garmin sowie kolumbianischen Technikern und Behörden habe er dabei wie folgt umschrieben: Es sei für ihn einfach ein Riesenpech gewesen, dass er mit diesem Schaden gerade in Cartagena/Kolumbien gestrandet sei - dem letzten Punkt auf der Erde, den er wirklich keinem Segler wünschen würde, um eine verzwickte Autopiloten-Reparatur durchführen zu müssen! - Nun, diese Geschichte hilft mir in meiner Situation auch nicht weiter, aber immerhin kann ich feststellen, dass auch andere Segler in einen solch wirklich sauren Apfel beissen mussten.


So, nun aber ein hoffentlich letztes Mal zurück zu meiner von mir doch standhaft abgesessenen AP-Geschichte. Ich versuche dabei wieder auf allzu viele technische Ausdrücke zu verzichten und halte mich, mit den aber so nebenbei passierten Erlebnissen und Verzögerungen, so kurz wie möglich.
Vor einem Monat wurde auf Wunsch der Schweizer Garmin-Vertretung und im Einverständnis mit Garmin England die Oberaufsicht, auch wegen der geografischen Nähe, an Garmin USA übertragen. Der Mailverkehr nahm deswegen zwar nicht gross ab, es wurde für mich aber doch um einiges einfacher nur noch mit einer Stelle, mit Chris von der USA-Frontdesk, zu kommunizieren. Einige am 22. April von Garmin nochmals gewünschte Anpassungen diverser Geräte-Einstellungen, die ich wieder mit Carlos auf der KYORY durchführte, zeitigten keinen Erfolg. Umgehend entschied ich mich mit Chris, auch auf anraten von Carlos, auf den Austausch der Autopiloten-Hydraulikpumpe mit Encoder sowie des die Steuersignale umsetzenden Computers.
Aufgrund von über Mails geführten Diskussionen um die Kostenübernahme der zu ersetzenden Teile ergab sich nochmals eine weitere Lieferverzögerung. Aber schlussendlich erklärte sich auch Garmin USA einverstanden, aufgrund ihrer einfach lausigen Betreuung meines Falls über die vergangenen Monate, die Hälfte der Teilekosten zu übernehmen. Der Schweizer Garmin-Vertreter hatte mir schon einige Wochen vorher zugesagt die einte Hälfte der Kosten zu übernehmen. Zu meinen Lasten gehen dann aber, neben den Marina-Liegegebühren, auch die Kosten des ITEC-Technikers Carlos, der diesen Komponenten-Austausch mit nachträglichem Sea-Trail (checken und einstellen der Geräte auf See)  auf der KYORY durchführen wird. Das war der Stand am 23. April. Aber all dies wäre ja "zu schön gewesen um wahr zu sein" - denn zu diesem Zeizpunkt wirkten diese Garmin-Zugeständnisse irgendwie so "kitschig" auf mich! Und wirklich, es ist kaum zu glauben, Garmin hatte nochmals eine für mich saftige Überraschung in Reserve. Denn in der am gleichen Tag gegen Abend seitens Chris mir zugestellten Mail, mit separater Kostenaufstellung, musste ich folgendes lesen: Übernahme der „Austausch“-Teilekosten von je zur Hälfte durch Garmin USA und dem Garmin Dealer in der Schweiz. Aber: Dieses Angebot hat nur Gültigkeit, wenn ich die beiden defekten Komponenten in die USA zurückschicke! Ansonsten müsste ich die vollen offerierten Teilekosten übernehmen! - Ja, verdammt nochmal, von dem war nie die Rede! Ich suchte dann am 24. April am frühen Morgen gleich die FedEx-Filiale auf und erkundigte mich vor Ort bezüglich der Transportkosten für ein solches etwa 6kg schweres Paket in die USA. Der mir von FedEx genannte Preis entsprach in etwa der Hälfte der Teilekosten, was mich aber nicht mehr gross aus den Socken hauen konnte! Zurück auf dem Boot schickte ich eine weitere Mail an Chris, dies mit meinem Entscheid, die defekten Teile nicht in die USA zurück zu schicken sondern als mögliche Back-up-Ersatzteile auf der KYORY zu behalten. Und natürlich bestätigte er umgehend, mir in diesem Fall den vollen Betrag dieser zwei Komponenten belasten zu müssen. Da ich nun aber diese Geschichte endlich abschliessen wollte, erklärte ich mich mit diesem für mich einfach fragwürdigen Gebaren seitens Garmin einverstanden! Ich übermittelte ihm dann am Freitag noch meine Lieferadresse der Marina von Cartagena und
auch die Daten für die MC-Belastung.
Und was schrieb ich noch einige Zeilen vorher in diesem Abschnitt? „Zu schön um wahr zu sein“ und wirklich am Montagmorgen, 27. April 2015, öffnete ich eine weitere Mail von Chris: Leider könne FedEx das Paket noch nicht auf die Reise nach Kolumbien scicken, da die Postleitzahl nicht mit Cartagena übereinstimme! Okay, ich übernahm vor einigen Tagen einfach ab der Club Nautico-Visitenkarte die PLZ, wobei es sich nun aber herausstellte, dass dieser ZIP-Code zwischenzeitlich geändert hat! Aber kein Problem mit zwei Internet-klicks hatte ich die richtige PLZ innert Sekunden gefunden und diese ihm gleich zurück gemailt. - Aber verflixt, das hätte doch auch er schnell im Internet überprüfen können! Ach, was solls, auf den einten oder anderen Tag kommt es jetzt auch nicht mehr an!

Unterdessen ist es Mittwochvormittag, 29. April und da mich noch keine FedEx-Anlieferung erreichte entschied ich mich, da telefonisch und per Mail nicht erreichbar, nochmals per Taxi das FedEx Office in Bocagrande aufzusuchen. Da mir Garmin noch keine Tracking-No. übermittelt hatte, musste die FedEx-Mitarbeiterin zuerst eine entsprechende Mail an die Garmin USA schicken. Nach Eingang der No. konnten wir feststellen, dass ein erstes Päckli eigentlich noch heute bei mir ankommen sollte. Okay, das tönt ja gut und ich machte mich auf den Rückweg zur Marina. Übrigens hatte ich bereits vor zwei Tagen das Marina Office und den Marina-Portier über diese Anlieferungen informiert und ihm genügend Pesos für etwaige Tax-Kosten übergeben. Zurück auf der KYORY packte ich den Laptop in die Tasche, füllte noch einen Wäschesack und begab mich in die Marina-Laundry. Dort liess ich zwei Waschmaschinen laufen und stieg auf dem Laundry-Wartesofa über den Laptop ins Internet ein.
Und beim Aufruf meiner FedEx-Tracking-No. sticht mir folgender Text voll ins Auge: “29.4.2015/10:11 am, Delivery exception Cartagena/CO: Held, unable to collect payment!”  Aber verdammt nochmal: Das kann und darf doch nicht wahr sein! Somit ging also die Warterei unter dem Spruch „De hätti ond de wetti!?“ in eine weitere Warteschlaufe. Anschliessend informierte ich noch Carlos per Mail über diesen Status, nicht dass er mir morgen auf dem Boot auftaucht und ihm dabei ohne Ersatzteile die Hände gebunden wären. Denn ich hatte Carlos vorinformiert, dass er mir eventuell heute Mittwoch vorerst mal den Pumpen-Encoder austauschen könnte. Und sollte das AP-System dann bereits mit diesem Austausch-Teil wieder funktionieren, könnten wir gleich noch die notwendigen settings (Geräteeinstellungen, auf einer Liste im Umfang von fast drei A4-Seiten) anpassen. Und morgen Donnerstagvormittag, bei hier im Hafen jeweils wenig Wind, könnten wir dann noch den notwendigen Sea-Trail auf See durchzuführen. - Also wirklich, kann nun diese Geschichte nicht einfach unter normalen Umständen abgeschlossen werden! Und natürlich musste ich auch bei der Shelter Bay Marina in Colon/Panama mein Haul-out ein weiteres Mal auf ca. Mitte Mai verschieben.  

Bei einem meiner vielen Besuche im Marina Office traf ich gestern gegen Mittag noch auf meinen Seglerkollegen Jonas, der hier vor Anker liegend mit seiner kolumbianischen Frau seine Holzyacht renoviert. Dabei sah er gar nicht gut aus und er musste mir mitteilen, dass ihn die Chikungunya erwischt habe! Das ist für ihn natürlich in dieser Situation mit den vielen laufenden Boots-Umbauarbeiten nicht gerade erfreulich. Da es kein entsprechendes Medikament gibt, heisst das auch für ihn, die Fieberschübe mit viel schwitzen und die begleitenden starken Gelenkschmerzen zu akzeptieren - und das erst noch mit dem Verzicht auf Alkoholkonsum! Seit ich übrigens in der Karibik angekommen bin, decke ich jeweils trotz der bis anhin hier in Cartagena nur wenigen Moskito-Besuchen, vor der eintretenden Dämmerung meine Luken wie auch den Niedergang immer mit meinen Moskitonetzen ab. Dies in der Hoffnung, dass ich von dieser wirklich langwierigen und schmerzhaften Tropen-Krankheit verschont bleibe. Leider hat Jonas keine solcher Netze.
Und nach meiner Rückkehr auf der KYORY brutzelte ich mir in der Bratpfanne ein schönes zartes Lachsfilet. - Ui, das war dann erst noch exquisit!

Am 30. April suchte ich wieder frühzeitig mit dem Taxi das etwa 10km entfernte FedEx Office auf. Und siehe da, oh Wonder, oh Wonder, das Paket mit dem mir von Chris geschenkten Encoder ist wirklich hier eingetroffen. Mit diesem Geschenk muss er vermutlich sein schlechtes Gewissen in dieser Sache ein bisschen beruhigen. Aber in den Händen hatte ich dieses von neun Papieren begleitenden Päckli erst, als ich die Tax über 20 USD bezahlt hatte, was etwa  einem Drittel des Warenwertes entsprach! Dies für ein kleines Ersatzteil, das mir ja von Garmin erst noch geschenkt wurde! Auf meine diesbezügliche Reklamation reagierte die jederzeit freundliche, sympathische und hilfsbereite FedEx-Mitarbeiterin wie folgt: Ja wissen sie, wenn in der Zustelladresse „Yacht in Transit“ steht, darf hier in Kolumbien die Adresse nicht mit dem Stadtteil  und dem Strassennamen ergänzt werden! Bei einer Anschrift für eine Yacht in Transit dürfe nur der Name der Marina sowie der Ort mit PLZ stehen! - Ich glaube es einfach nicht, ich kann diesen Scheiss einfach nicht nachvollziehen! Nun bitte ich sie doch gleich noch die Tracking-No meines zweiten etwa 5kg schweren Paketes aufzurufen, um diese Adressen/Tax-Geschichte zu checken. Jawohl, auch bei diesem am kommenden Montag, 4. April hier eintreffenden Paketes hätte ich eine Tax von diesmal aber etwa 200 USD zu bezahlen! - Sorry, denn mit einem weiteren „Verdammte Scheisse!“ bürgert sich im Moment bei mir schon eine gewisse mir sonst in diesem Ausmass unbekannte Flucherei ein! - Aber mängisch haut’s mer Gottfredstotz, bi dere onglaubliche Geschecht wörkli fascht de Noggi use! Auf meine Bitte hin erklärt sie sich immerhin bereit, der FedEx-Zentrale auf dem Airport Bogota gleich eine entsprechende Mailanfrage zu übermitteln, ob vielleicht die Zentrale noch eine Möglichkeit hat, die Zustelladresse entsprechend anzupassen, damit die Tax-Koste für mich  entfallen würden. Natürlich kann sie mir nichts versprechen, aber versuchen muss ich es ja!

Noch vom FedEx Office aus rufe ich Carlos an und vereinbare mit ihm, habe Glück und er befindet sich gerade im Büro, dass er in zwei Stunden um 11:00 in die Marina kommt. Und wirklich um 12:00 trifft er auf der KYORY ein, tauscht den Encoder aus und wir passen anschliessend die notwendigen settings an. Nach genau zwei Stunden, in denen ich uns zwei noch Sandwiches zubereitete, konnte Carlos diesen heutigen Garmin-Einsatz als beendet erklären. Dies erst noch mit der für mich erfreulichen Mitteilung, dass nach seiner Meinung der Autopilot wieder seinen ihm zugewiesenen Dienst ausführen sollte. Nun, ich habe noch so meine gemischten Gefühle und gehe mal von einer 90%tigen Erfolgsquote aus und rechne immer noch damit, auch den ECU Computer und/oder die Hydraulikpumpe austauschen zu müssen. Nun, dieses Wissen haben wir erst nach dem mit ihm auf den Samstag eingeplanten Sea-Trail im erweiterten Hafenareal. Diesen Sea-Trail mussten wir dann aber später auf Montag verschieben, da Carlos auf einen Frachter nach Santa Marta gerufen wurde. Eigentlich wäre für ihn auch der Sonntag eine Alternative gewesen, aber leider habe ich an einem Sonntag für das hier komplizierte Mooringsystem keine Marineros zur Verfügung. Somit hoffe ich nun einfach, diese AP-Geschichte dann halt am Montag abschliessen zu können! - Und wer hofft, ist ja schon mal einen Schritt weiter als jemand, der sich Sorgen macht! - Schmunzel, schmunzel!

Aber
natürlich fand ich in den letzten Wochen neben der stockenden Garmin-Geschichte weiterhin genügend Zeit anstehende Unterhaltsarbeiten auf der KYORY anzugehen und auch zu erledigen. Da ich in diesen Cartagena-Wochen auch einigen Mail-Kontakte mit meinen Freunden hatte, sind einige von euch über die einte oder andere dieser Arbeiten bereits vorinformiert. Dann halt beim weiter Lesen einfach mal einen Abschnitt überspringen. Nachfolgend führe ich einige dieser abgeschlossenen Arbeiten auf, bei denen ich hie und da wieder einiges an Erfindungsgeist abrufen musste:

Nach einem Jahr mussten mal wieder meine acht Fall/Schot-Winschen geputzt und eingefettet werden. Dabei ist es von Vorteil wenn man sie wieder richtig zusammen setzt und auch keine Teile ins Wasser fliegen.
Dann muss ich hier wegen der mehr als nur staubigen Luft mindestens einmal pro Woche das dreckige Deck einseifen und abschruppen. Da immer alle Luken offen sind schreit auch das innere der KYORY hie und da nach dem Putzteufel. Und da ich hier nicht in das dreckige Hafenwasser eintauche, kratzt und schruppt mir der Marinero Alberto alle gut zwei Wochen mal das Unterwasserschiff. Aufgrund von viel seitens der Stadt dem Meer zugeführtem süssem Abwasser gedeiht hier die wuchernde Unterwasserwelt prächtig und setzt sich dabei halt gerne an unseren Unterwasserschiffen fest.
Ale und Stevi reinigten mir während fast einem ganzen Tag die von Salzkrusten überzogene Grossschiene am Mast, alle Wanten und Stagen sowie noch einige Inox-Teile. Bei dieser Weitervergabe von solch kleineren Arbeiten am Einheimische oder auch Fremdarbeiter, die ich eigentlich auch selber aber in doppelt so langer Zeit erledigen könnte, geht es mir vor allem auch darum diesen immer freundlichen und treuen Menschen einen kleinen Zustupf in ihren Geldbeutel zu geben.  
Schon im vergangenen August besserte ich bei den verschraubten und mit Sikaflex abgedichteten Plexiglasscheiben an der Cockpit-Sprayhood einiges an Rostflecken innen und aussen aus. Aber zwischenzeitlich haben sich die Rostflecken zurück gemeldet und diesmal ging ich noch gründlicher und radikaler vor. Ich kratzte diesmal auch noch die Hälfte der Sikaflex-Abdichtungen weg, schmiergelte, legte Primer auf und wo notwendig trug ich noch Watertite-Filler auf und bemalte die ganze Sprayhood neu. Am Schluss zog ich noch die Sikaflex-Abdichtungen auf und nun hoffe ich, dass ich mal für zwei Jahre meine Ruhe habe. Diese Rostspots sind für mich eher ein ästhetisches Problem, denn die Sprayhood deckt nur das Cockpit ab und in diesem Fall kann kein Wasser ins Schiffsinnere gelangen. Diese Aktion zog sich übrigens infolge der vielen Warterei wegen dem einhalten der Farben-Trocknungszeiten über vier Tage dahin.
Und da ich schon am malen war, schmirgelte ich auch gleich die seit Monaten am Lukenaufsatz der Mittelkabine abblätternde Farbe ab. Auch hier wurde geprimert, gefillert und gemalt. Aber wegen dem vielen Staub musste ich anschliessend gleich die Innenräume feucht aufnehmen.    
Bereits afangs April erfolgte eine langwierige über Tage sich hinziehende Aussenborder-„Operation“: Als erstes konnte ich keinen Ersatz für die kleine Zinkanode finden, ist am Getriebeschaft über dem Propeller verschraubt, und sägte mir dann halt aus einem alten Zinkteil ein entsprechendes Anödchen. Dann fand ich hier per Zufall den Aussenborder-Mech Jose, der mir zu meiner Überraschung endlich einen neuen Kühlwasser-Thermostaten organisieren konnte. Denn seit Grenada kurvte ich ohne das alte und defekte Teil herum. Im weiteren erstellte und baute mir Jose zwei neue Bowdenzügen am Gashebel (einer war gerissen) mit den gepressten End-Nippeln ein. Gleichzeitig musste ich dabei auch noch das im Gashebel in zwei Teile gebrochene Kunststoff-Drehteil für die Führung der beiden Bowdenzüge ersetzen. Wobei, da ich für meinen 1979er Yamaha hier in der Pampa eh keine Ersatzteile mehr aufzutreiben konnte, ein neues filigranes Drehteil herstellen lassen musste. Zum Glück kannte Jose einen kolumbianischen Dreher, der mir dann ein neues Aluminiumteil (Durchmesser 15mm) produzieren konnte - und nun düse ich mit meinem neuen AB-Dingi wieder so richtig durch oder über die Wellen! Dem Kreuz zu liebe übertreibe ich es wegen den auftretenden Schlägen der Wellen aber nicht all zu fest! - Schmunzel, schmunzel!

Dann habe ich endlich ein weiteres Problem gelöst, das mich jeweils beim vor Anker gehen heimsuchte. Da ich das Dingi auf Segeletappen immer an Deck hinter dem Bugkorb fest verzurre, kann ich jeweils die Ankerwinsch, liegt dann unter dem Dingi, so nicht in Betrieb nehmen. Oder ich müsste das Dingi schon einige Zeit vorher zu Wasser lassen, was halt nicht immer von Vorteil ist. Nun habe ich mit Unterstützung von Oscar und nach dem auftreiben entsprechender Hölzer ein stabiles 20cm hohes und 100cm breites Holzteil konstruiert, das ich jeweils vor dem Anker-Prozedere hinter der Winsch unter das Dingi stellen kann. Dabei wird das Dingi vorne angehoben und die Ankerkette wird durch einen im Holzteil ausgesägten Ausschnitt geführt.


Auch habe ich bei Temperaturen über 30° und wenig Wind bei einem längeren Aufenthalt in einer Ankerbucht, trotz des nur in Weiss gehaltenem Deck sowie auch sehr dicker Isolierung, im Innern der KYORY schon eine dickere und feuchtere Luft. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass ich wohl genügend Luken habe, aber leider keine Lüftungshutzen eingebaut sind und man so hie und da nachts schon ins Schwitzen kommen kann. Um dem entgegen zu wirken habe ich mir nun vom sympathischen Cover-Spezialisten Renzo einen zweiteiligen Sonnenschutz, der das ganze Boot abdeckt zuschneidern lassen. Der hintere Teil wird über den Grossbaum, bei am Mast zurück gebundenen Lazyjack-Leinen geführt. Den über dem Vorschiff platzierten Cover habe ich zusätzlich an einem Fall fixiert. Erste Versuche mit dem montierten Cover scheint mir schon eine fühlbare Verbesserung unter Deck zu bringen. Einzig muss ich aber anfügen, dass mich dieser komplette Cover nur 600 USD gekostet hat, da es sich nicht um das teure und uns Seglern bekannte Sunbrella-Produkt handelt. Ich gehe nun einfach mal davon aus, dass dieser Cover so gegen drei Jahre der Sonne und dem Wind wird trotzen können.
Dann baute ich noch den Lazyjackbag aus, denn Renzo konnte mir dann auch noch die diversen sich am Bag aufgelösten Fäden übernähen. Auch muss er mir am 8er-Liek des Grosssegels vier Trimmfäden annähen, da sich die alten sukzessive in Luft aufgelöst hatten.
Und auch im normalen Schiffshaushalt gibt es immer wieder das einte oder andere zu erledigen oder zu reparieren, wobei ich das meiste noch vor Antritt des Südseeabenteuers abschliessen möchte:
Da habe ich ua im Word die Lebensmittel-Lagerliste für alle diesbezüglichen Stauräume neu erfasst und nachgetragen. Nun sollte ich auch noch die KYORY- Werkzeug/Material/Ersatzteile-Liste nachführen.
Dann geht der Ein/Aus-Schalter meines Staubsaugers nicht mehr, dh ich sollte ihn mal dieser Tage auseinandernehmen. Und den Wackelkontakt in der 220V-Steckdose der Bugkabine gehört nun auch der Vergangenheit an.
Im weiteren befinden sich auf meiner immer noch A4-seitigen "Südsee"-Pendenzenliste noch andere gewichtige Punkte, wie die Nach-Impfungen (Hep A+B und Typhus) für den Skipper oder das ergänzen der Medis. Dann folgt das auswassern der KYORY in Colon/Panama um das Ruder neu zu grundieren und auf dem Unterwasserschiff nochmals ein neues Antifouling-Kleid aufzutragen. Und von Colon aus werde ich aufgrund des Red Harlekin-Tipps, den Gross-Einkauf für mein Lebensmittellager erledigen. Damit ich bei vielen Wochen auf See auch wirklich nicht verhungere. Aber sollte mir ja wirklich nicht passieren, da ich sicher wieder Vorräte an Bord habe die locker für etwa sechs Monate reichen würden! Doch, doch, da gibt es noch einiges zu tun - und ihr seht uns Skippern wird es auf Langfahrt nie langweilig.


Auch wenn es mir gerade während diesen Nerven aufreibenden Garmin-Tagen nicht immer einfach fällt, versuche ich meine jeweils strukturierten Tagespläne durch zu ziehen um ja keinen Halodri-Betrieb aufkommen zu lassen! - Schmunzel, schmunzel! So stehe ich zB meistens um 06:30 auf widme mich eine gute halbe Stunde meinem Sport-Programm, um mich anschliessend an meinem Müsli-Zmorge mit Kaffee zu erfreuen. Bekochen tue ich mich hier mehrheitlich auf dem Boot und ich gehe selten was auswärts essen. Abwechselnd gehören dabei viel Salat, Früchten, Teigwaren und Reis, hie und da Fleisch und Fisch zum täglichen „Brot“. Dies Lebensmittel kaufe ich meistens im nahen Carulla ein. Dieser Supermarkt ist übrigens jeden Tag von 08:00 - 22:00 offen! Und die Angestellten arbeiten immer sechs Tage in der Woche - und das bei einem Monatslohn von sage und schreibe lausigen 700‘000 Pesos, was etwa 300 USD oder auch CHF entspricht. - Den Mindestlohn in der Schweiz getraue ich mir hier gar nicht anzufügen! Und so alle zwei Tage unternehme ich, das hat sich so eingebürgert, einen abendlichen Spaziergang zur Plaza Trinidad und weiteren Plätzen im Altstadtquartier, wo ich immer wieder auf Seglerkollegen oder Turis treffe und mir auch mal eine Pizza oder einen Hamburger gönne. Dabei ergeben sich dann manchmal interessante und auch tiefer gehende Gespräche mit Sitznachbarn. Auch in der Marina finden weiterhin kleinere und grössere Treffen auf anderen Booten statt, die für entsprechende Abwechslung und auch Spass sorgen! Auch hatte ich mich im vergangenen Monat wieder einer Zahnreinigung und -kontrolle unterzogen. In diesem Bereich der Gesundheitvorsorge möchte ich wirklich keine Überraschungen erleben! 

Dann erreichen mich hier im tiefen Westen aus der alten Heimat nicht immer nur freudige Nachrichten sondern es treffen auch schon mal traurige Mails ein. So musste mich mein ehemaliger Arbeitskollege Kurt, aus meiner unvergesslichen Zürcher Oberland-Zeit, Ende März über den Hinschied unseres lieben und immer aufgestellten Arbeitskollegen Werni informieren. Er wurde nur 65 Jahre alt und verstarb an einem Krebsleiden. Werni war ein jederzeit immer fröhlicher Zeitgenosse. Und als guter Sänger wird er sich da oben sicher bald einen Stammplatz im Haleluja-Chor ergattern! - Auch dir, lieber Werni von hier aus ein herzhaftes schmunzel, schmunzel!
Übrigens hat es in Cartagena vor etwa drei Wochen das erste Mal seit meiner Ankunft geregnet und gestern Freitagmorgen, 1.Mai 2015/07:00, hat es sogar richtig g‘schöttet - also ist die Regenzeit für diese Region auch nicht mehr weit!

Hier für euch wieder ergänzend die aktuellen Positionen meiner diversen Seglerfreunde, auch unterwegs auf Langfahrt auf einem der Ozeane, mit denen ich immer wieder Kontakt habe und mit grosser Freude bei ihren Abenteuern mit fiebere:    
Erwin&Jrmina, Schweizer mit ihrer Red Harlekin unterwegs, haben vor kurzem den Panama-Kanal durchfahren und liegen derzeit in Amistad/Equador an einer Boje. Sie warten nun auf ein einigermassen erfreuliches Wetterfenster um der von der ITCZ (Intertropical Convergence Zone) stetig ausgelösten Flaute in diesen Breiten ein Schnippchen schlagen zu können. Auch die beiden haben nun vor weiter gegen Westen zu segeln um dann als nächstes die Galapagos anzulaufen.
Jürg, ein weiterer Schweizer Segler aus vergangenen Kilada/GR-Jahren, befindet sich in diesen Tagen mit seiner Melanie auf Karibik-Südkurs vor Grenada. Er ist seit Guadeloupe wieder als Einhandsegler unterwegs und wird dann seine Yacht bereits in etwa zwei Wochen bis in den Oktober hinein in der Grenada Marina auf dem Hartplatz fest verzurren. Dann fliegt er zurück in die Schweiz zurück um wieder einiges zu erledigen und auch wird er sich im Herbst wieder einige Monate in seinem geliebten Thailand aufhalten.  
Die zweier Flottilie Rosine und Tiedvertriew (Zeitvertreib), mit meinen deutschen Seglerkollegen Wolfgang und Klaus, ist nach knapp acht Tagen auf See  in Fatu Hiva auf den Marquesas angekommen. Auch auf dieser Segeletappe wurde Mann und Material wieder entsprechend getestet und auf der Tiedvertriew hat es diesmal die Genua zerfetzt. Dies immerhin nur etwa 150sm vor dem Landfall, wo ein solcher Segelschaden wieder repariert respektive genäht werden kann.
Kevin, mein junger Schweizer Seglerfreund, hat seine Backpacker-Reise nach Peru an der Grenze zu Venezuela unterbrochen und kommt dieser Tage nach Cartagena zurück. Dies weil seine engagierten Aufpasser kurzfristig die nicht so 100% sicher an einer Mooring liegende Marianne verlassen werden. Er wird dann selber wieder zum Rechten schauen und darf sich erst noch auf baldigen Besuch freuen, da ihn für einige Wochen seine Eltern hier in Cartagena aufsuchen werden.
Auch Andrea&Kai, meine deutschen Seglerfreunde aus mit unseren Booten gemeinsam verbrachten Karibik-Monaten, durchfahren auch diese Segelsaison mit ihrer Silence nochmals die Karibik und geniessen in diesen Wochen das Segelrevier in den Virgin Islands. 
Sybille&Bo, weitere deutsche Seglerfreunde aus der letztjährigen Karibik-Saison, geniessen ihre letzten Segelmonate auf der SYBO, um dann Ft. Lauderdale in Florida anzusteuern, wo sie ihre Yacht verkaufen möchten.
Und in Kilada hält ua weiterhin Victor, mein deutscher Seglerkollege, seine Flagge auf der Magonia derzeit noch im Hafenbecken im Wind. Die Elektro-Arbeiten sind angeschlossen und nun muss muss nur noch das Stevenrohr wieder dicht werden. Dann kann auch er wieder in die See, vorerst im Mittelmeer, stechen. Noch sind auch die griechischen Götter - nicht die heutigen griechischen Politiker - im Ungewissen, wann auch Victor auf Langfahrt in Richtung Westen aufbrechen wird!?
Und nach dreijähriger Umbauphase in Kilada ist die Summerset, eine wirklich 30m lange Traumyacht der Schweizer Familie von Ruedi&Ute sowie Sohnemann Philipp, diesen Monat ihrem Element Wasser übeegeben worden. Nun stehen erste Testtörns in der Ägäis an bevor dann noch diesen Sommer mit Gästen das weitere Mittelmeer erkundet werden soll. Aber irgendwann wird auch die Summerset gegen Westen in die Karibik und vielleicht sogar in die Südsee aufbrechen.      
Natürlich wünsche ich all meinen Seglerfreunden auf ihren kleinen und grossen Abenteuern weiterhin viel Segelspass und immer genügend Wasser unter dem Kiel! 

Somit wäre ich am Ende dieses letzten Blog-Beitrages aus Cartagena und sollte mein yb-Tracker nächste Woche eine Position in Richtung den San Blas anzeigen - ja dann konnte ich die AP-Reparatur wirklich mit Erfolg abschliessen. Einen weiteren Blog-Beitrag würde ich somit erst wieder in Colon/Panama erfassen!