20. Juni 2015 vor Panama City! Wohl ein spezieller Tag für mich, aber diesmal mit so was wie "Stunde Null"!?

Samstag, 20. Juni 2015: Ich befinde mich mit der KYORY noch etwa drei weitere Tage im Las Brisas-Ankerfeld vor Panama City! Diesmal liegt aber der Grund bei dieser Verzögerung nicht bei der KYORY, sondern in der von mir selbst verschuldeten und zwingenden Neuanschaffung eines "HP ENVY 15 Notebook PC". Nun sitze ich heute Vormittag im Cockpit zum ersten mal an meinem neuen Notebook - man schenkt sich ja sonst nichts - und erfasse im Word die Texte für diesen weiteren Blog-Reisebericht. Hier vor Anker habe ich übrigens keine Chance auf demm Boot ins WiFi oder gar ins Internet einzusteigen. Aber diese einmal mehr haarsträubende Geschichte, die zu diesem neuen Notebook geführt hat, findet ihr dann gegen das Ende dieses Beitrages! Dazu gehört an dieser Stelle auch meine traurige Anmerkung, dass ich keine meiner geknipsten Fotos aus den vergangenen zwei Wochen bis zum 17. Juni mehr zur Verfügung habe. Somit kann ich leider auch keine Bilder vom Kanal-Transit und den anschliessenden Arbeiten rund um mein Bugstrahlruder zwischen die Text-Blöcke einfügen! Wie ihr aber bemerken werdet, habe ich zwischen den Textblöcken entsprechende Einschübe gesetzt. Dies um etwaig zukünftig doch noch aus den alten Laptop-Harddisks herausgefilterten Fotos abspeichern zu können! 


Hier nun aber vorerst die Zusammenfassung meines ja aus verschiedenen Gründen "spannenden" Panama-Kanal-Transits vom 10. und 11.6.2015:
Mittwoch, 10.6.2015/11:00, nachdem ich mich noch in den Marina- und Repair-Offices verabschiedet hatte, halfen mir Reta&Gerd von der Allegra beim Leinen los und ich tuckerte mit der KYORY zu der am vordersten Fingerdock vertäuten Panamas Star die als Marina-Fillstation im Einsatz steht. Mit total 80 Gallons (300Lit.) befülle ich meine zwei Tanks sowie vier 20Ltr.-Kanister. Weiter acht dieser Kanister fülle ich dann vor der Pacific-Etappe in der Flamenco Marina auf. Gegen 12:00 hole ich - ich machte mir es einfach - die im Marina-Restaurant vorbestellten Verpflegungspakete für meine während dem Transit von 1 auf 6 Mann angewachsene Crew ab. Da ich bei dieser ca. 24 Stunden dauernden Kanal-Passage in den Schleusen und bei Fahrt stets am Steuer zu stehen habe, kann ich mich verständlicherweise in der Pantry nicht noch gross um die Verpflegung meiner Gäste kümmern. Dabei werden aber mit diesen Frässpäckli auch hungrige Mäuler nicht noch die Fischangel auswerfen müssen. Denn als Zwischenmahlzeiten hat es genügend dicke Sandwiches, zum Znacht gibt es  Spiessli mit Baked potatoes, die ich im Backofen nur noch kurz aufwärmen muss und für morgen Zmittag gibt es für jedes Crew-Mitglied noch ein kaltes Plättli. Während ich im Restaurant auf die Fräss-Päckli warte treffen noch meine vier aufgestellten ca. 22jährigen Linehanders Juan, Marco, Felix und Yahir hier im Restaurant ein. Zusammen begeben wir uns zur KYORY um so um 13:00 die Marina in Richtung F-Anker area, direkt vor der Einfahrt zur ersten Gatun Lock, zu verlassen. Da aber gerade ein zünftiges Gewitter mit Blitz und Donner sowie viel Regen mit entsprechend schlechter Sicht über uns hinweg zieht, entscheide ich mich noch etwas zuzuwarten. Um 13:20 ist es soweit, meine Crew löst und zieht die Leinen ein und mit 5kn fahren wir zum vorgegebenen Ankerplatz und ich werfe um 14:20 etwa 50m Ankerkette auf 10m Tiefe. Dann platziere ich mit den Jungs noch gleich 8 Fender auf beiden Bootsseiten und auch die vier dicken Kanalleinen werden vorbereitet. Umgehend melde ich mich über VHF, mit meiner speziellen Ship Identification No. 3015539 für die Kanal-Durchfahrt, bei der Christobal Signal Station und erhalte die Zusage für die Ankunft des Advisors auf 17:30. Während dieser Wartezeit machen es sich die Jungs in der Bugkabine, den Salonsitzkissen und im Cockpit  gemütlich um die ersten Sandwiches mit viel kaltem Wasser zu verschlingen, zu dösen oder va auf ihren iPods, oder was auch immer, rumzudrücken. Zwischenzeitlich hat es ganz aufgehört zu regnen und gegen 16:00 ankert dann seitlich vor uns noch die Sailingyacht Balvenie aus New Zeeland, die heute zusammen im Päckli mit der KYORY den Kanal-Transit vornehmen wird.


Pünktlich treffen um 17:30 mit einem Lotsenboot die beiden Advisor auf unseren beiden Yachten ein und der zu uns auf die KYORY übergestiegene sympathische Felic wünscht, dass ich gleich Anker auf gehe um mich hinter einem herannahenden Cargoship, das vor uns in die Schleuse einfahren wird, einzureihen. Vor der ersten Gatun Lock nähere ich mich sukzessive der Balvenie und das anschliessende "verknüpfen" der beiden Boote geht problemlos vonstatten. Dann entscheiden die beiden Advisor, dass ich mit der KYORY unter Motor den lead übernehme und der Skipper Marc von der Balvenie, hat mich mittels meinen etwaig lauten Zurufen mit entsprechenden Motorschüben seines Diesels zu unterstützen. Dabei sind die verschiedenen Strömungen vor und in der Schleuse (26.3m hoch, 304.5m breit und 304.5m lang) zu berücksichtigen, wobei mich aber auch Felic entsprechend unterstützen wird. Dies va auch während dem nur etwa 8 Minuten dauernden befüllen der Schleusen mit über 90 Mio. Litern Wasser!

Hier für die interessierten Blog-Leser noch einige weitere Zahlen zu diesem 82km langen technischen Wunderwerk: Erbaut wurde der Kanal mit seinen sechs Schleusen, die zwischen dem Atlantic und Pacific eine Höhe von 26m zu überwinden haben, in den Jahren 1904 - 1914 mit damaligen Baukosten von 386 Mio. USD und es waren dabei über 25.000 Tote Arbeiter zu beklagen. Mit dieser nur 82km langen Kanaldurchfahrt konnte nun die alternative und kostenintensive Fahrt ums Kap Horn von Südamerika von 15.000km eingespart werden. Am 8. Juni 1914 durchfuhr die Alicante als erstes Schiff den Kanal und die offizielle Eröffnung erfolgte am 14. August 1914. Die sogenannte PANAMAX-Klasse schreibt vor, dass ein den Kanal passierendes Schiff die Ausmasse mit einer Breite von 32.3m, einer Länge von 294m und einem Tiefgang von 12m nicht überschreiten darf. Je nach Grösse werden die Schiffe von 4 - 8 Loks in die Schleusen gezogen und in der Schleusenmitte gehalten. Saisonabhängig durchqueren täglich 30 - 40 Schiffe den Kanal; bis Ende 2010 waren es seit der Eröffnung über 1 Mio. Handelsschiffe, die diesen Wasserweg passiert haben! Die Durchfahrtsgebühren sind von der transportierten Gütermenge bzw. der geladenen Anzahl von Containern abhängig und betragen im Durchschnitt 50.000 - 180.000 USD für die PANAMAX-Klasse. Demgegenüber haben Fahrgastschiffe einen besonderen Tarif, so musste am 7.10.2007 das Kreuzfahrtschiff Norwegian Pearl die bisher höchste Gebühr von 313.000 USD bezahlen! Der Jahresumsatz des Panama-Kanals beträgt gegen 8 Mia. USD, wobei jeweils wieder 450 Mio. USD pa in den Unterhalt und in die laufenden Kosten investiert werden. In Verwaltung und Betrieb sind gegen 8.000 Mitarbeiter angestellt. Dieser damals von den USA gebaute Kanal befand sich zusammen mit einer Kanalzone bis Ende 1999 in ihren Händen. Er wurde dann am 31.12.1999 an Panama übergeben und wird seit diesem Datum eigenständig und problemlos von der autonomen Kanalbehörde "Autoridad del Canal de Panama" (ACP) verwaltet.

Nun wird der Panama-Kanal seit dem 3.7.2007 mit der Unterstützung von 7.000 Arbeitskräften weiter ausgebaut, damit ihn dann auch Schiffe mit einer maximalen Länge von 366 m, einer Breite von 49 m und einem Tiefgang von 15.2 m befahren können. Bei dieser Erweiterung, die nun gegen 2020 - nicht wie eigentlich geplant 2015 - abgeschlossen sein sollte, wird der bisherige Verlauf beibehalten, und es werden auf der Pazifik- und Atlantikseite je zwei neue Schleusenanlagen gebaut. Neben jeder Schleusenkammer werden drei Wassersparbecken erstellt, die den Wasserverbrauch der Schleusungsvorgänge immens senken werden. Etwa 60 % des bei jeder Schiffsdurchfahrt benötigten Wassers, das übrigens dem Gatun Lake entnommen wird, kann wiederverwendet werden. Jede der beiden neuen Anlagen besteht aus drei Schleusenkammern mit folgenden Abmessungen: Länge 427 m, Breite 55 m und einer Tiefe von 18.3 m. Die wesentlich geringere zugelassene Schiffslänge gegenüber der Schleusenlänge hängt mit wirtschaftlichen Überlegungen zusammen, anstatt den bewährten Loks neu Schlepper einzusetzen. Ergänzend wird der gesamte Kanalverlauf so vertieft und verbreitert, dass er den neuen Schleusenabmessungen angepasst ist. Die Kosten wurden mit 5.25 Mia. USD veranschlagt. Die Finanzierung erfolgt teils durch vorgezogene Erhöhungen der Gebühren für Kanalpassagen und teils durch Kredite. Übrigens hat die Reederei Hyundai Anfang 2008 ein 13.100-Container-Schiff dieser neuen PANAMAX-Klasse mit einer Länge von 366 m und einer Breite von 48.2 m in Auftrag gegeben. Demgegenüber hat Maersk bereits im 2007 ein 12.100-Container-Schiff in Betrieb genommen, das mit einer Länge von 397 m, einer Breite von 56.4 m und einem Tiefgang von 16 m auch den erweiterten Panamakanal nicht wird passieren können. Trotz des erheblich vergrösserten Kanalquerschnitts werden auch zukünftig besonders grosse Schiffe wie Supertanker und Super-Containerschiffe den Panama-Kanal nicht befahren können. Gleichzeitig wird vor den Gatun Locks eine zweite Centennial Bridge gebaut, mit in etwa den gleichen Ausmassen wie die bestehende Brücke über den Gaillard Cut. Diese Brücke wird dann von Colon aus über den Kanal hinüber zur Shelter Bay Marina führen. Dieses die bestehende kleine Drehbrücke vor den Gatun Locks zu ersetzende Bauwerk hinkt aber um mindestens zwei Jahre hinter der Fertigstellung des Kanalausbaus bis 2020 hinterher. Und diese zwei Jahre will man dann mit einem geplanten Ferry-Betrieb überbrücken. Wenn ich aber die grosse Anzahl der Autos und LKW's berücksichtige, die stündlich diese heute schnell zu passierende Drehbrücke befahren, wird das dannzumal einige Probleme ergeben. Inzwischen werden aber auch immer mehr kritische Stimmen zum Kanalausbau laut. So schätzen Fachleute die abschliessenden Baukosten auf gegen 8 Mia. ein, wenn nicht noch deutlich höher. Auch befürchten manche, dass zukünftige Einnahmen auch weiterhin nicht der Mehrheit der Einwohner Panamas zugutekommen werden, sondern eher den reichen Familien und den Banken… Und dann planen ja auch noch die Chinesen einen neuen Schifffahrts-Kanal, natürlich nochmals um einiges grösser als der neue Kanalausbau in Panama, weiter nördlich in Nicaragua! - Schau me mol! 


Nun aber wieder zurück zu meinem Kanal-Transit: Am Mittwoch, 10. Juni 2015 fahren wir um 18:20 in die bereits taghell beleuchtete erste Gatun Schleuse ein. Schnell schliesst sich hinter uns das grosse Tor der ersten Kammer und um 19:30 fahren wir weiter in die gleich angrenzende zweite Schleuse. Gegen 20:15 befinden wir uns bereits in der dritten Schleuse und nach deren verlassen werden, nach einer kurzen Fahrt, um 20:40 unsere beiden Yachten an einer grossen Boje im Gatun Lake festgemacht. Nach einigen Minuten werden die beiden heutigen Advisors wieder von einem Lotsenboot abgeholt und ich wärme die Spiessli mi den Baked Potatoes im Backofen auf und um 21:15 treffen sich die Jungs zum Znacht am Salontisch mit dem einten oder anderen Bier. Natürlich freut es mich dabei zu hören, dass sie bei einem solchen Transit-Job noch selten so gut verpflegt worden seien! Unter lauter Musik, auch auf der Balvenie mit der Crew um Marc und Amanda, gibt es viel zu lachen. Zu vorgerückter Stunde springen diese Panamesen zur Erfrischung mit anschliessender Dusche noch in den Gatun Lake! Hey guys, are you  crazy! Hier hat es doch Krokodile im Wasser!? Da klären mich die Jungs lachend auf, dass seit dem mit dem Kanalausbau einhergehenden Lärm sich die Krokodile schon seit Jahren zurückgezogen hätten. Und wenn halt doch ein paar Croks zurück geblieben sind!? Ich benötige morgen doch wieder alle vier Linehanders! - Schmunzel, schmunzel! So um 23:00 ziehe ich mich in die Koje zurück und auch die Jungs machen es mir bald nach, sollten wir doch morgen früh wieder voll einsatzfähig sein! Gemäss ACP werden die am zweiten Tag uns begleitenden Advisor zwischen 06:00 bis 07:00 auf unseren beiden Booten eintreffen.


Donnerstag, 11. 6.2015, um 05:45 piepst mein Handy, damit ich das Müsli-Zmorge mit Kaffee für die KYORY-Crew vorbereiten kann. Um 06:00 wecke ich die Jungs mit den heissen "Just My Broom"-Gitarrensoli von Elmore James! Unter dem einten oder anderen "nuscheln" treffen die Linehanders am Salontisch ein. Dies mit der Bemerkung, dass die neuen Advisor eh nicht vor 07:00 hier eintreffen würden! - Ha, ha, hätted ihr mir doch gestern Abend erzählen können! Bald herrscht aber am Tisch eine wieder aufgestellte Stimmung und nach dem Zmorge präsentieren die Jungs wieder ihr Sprung-Kunststücke ab der Badeplattform und überzeugen auch mich doch ein wenig zu schwimmen. Okay, bin ja kein Spielverderber, aber nach wenigen Zügen stehe ich wieder auf der Badeplattform und gönne mir eine Dusche. Und wirklich, erst um 07:30 kommt ein Lotsenboot heran gedüst - hat aber nur den Advisor für die Balvenie an Bord! Meine schon viele Dutzend Kanal-Transits absolvierten Linehanders beruhigen mich der Info, dass die Advisor des öfteren getrennt und auch verspätet hier eintreffen. Und verflixt, erst um 08:40 ist es soweit auch unser Advisor steigt von einem Lotsenboot auf die KYORY über. Der Advisor mit dem Namen Robin entschuldigt sich gleich mal als erstes bei mir für die Verspätung aufgrund einer Zeit-Fehlinterpretation der Kanal-Behörde. Auch wenn wir gleich von der Boje ablegen und mit 6kn die Verfolgung der Balvenie aufnehmen, erreichen werden wir diese zur gemeinsamen Durchfahrt der drei Locks auf der Pacific-Seite bestimmt nicht mehr. Auch Robin ist übrigens ein überaus freundlicher Advisor und er ist trotz unserer Verspätung der Überzeugung, dass wir anstatt um 10:00 dann halt so gegen 13:00 als einziges Segelboot in die Pedro Miguel Lock werden einfahren können. Nun, als Advisor muss er es ja wissen, denn ich möchte einfach noch bei Tageslicht vor Panama City ankern können! Auch Robin erfreut sich an meinem Zmorge mit einem für ihn starken schwarzen Kaffee. Nun geht es durch den schmalen Dschungelstreifen bei der engsten Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Wir fahren die 19.4sm lange Strecke über den Gatun Lake, dann durch einen Teil des Rio Chagres nach Gamboa, der  der mich mit seinen vielen kleinen Hügeln und Inseln wieder ein bisschen an die einfach unvergessliche Haiphong Roads im Norden von Vietnam erinnert. Bald durchfahren wir die restlichen 7.5sm des engen Gaillard Cut mit zunehmendem Verkehr an Frachtern, Tankern und Containerschiffen, die je nach Grösse noch mit Tugs begleitet werden. Die Ausbaggerung dieses Gebirgszuges war übrigens vor über Hundert Jahren eine der grossen Herausforderungen während dem Kanalbau, musste doch die Isthmus-Hügelkette an diversen Stellen um teilweise über 80 Metern an Höhe abgetragen werden.
Da ich jeweils die mehrheitlich unübersichtlichen Kurven dieser engen Seestrasse zum Zeitgewinn zu direkt anfahre, gibt mir Robin die Anweisung, mich näher an die roten Bojen der STB-Seite zu halten. Aye, aye, Robin, mache ich doch! Und nun habe ich aber für mich eine neue Herausforderung entdeckt. Ich versuche jeweils diese grossen Bojen auf STB so knapp wie möglich zu passieren. Aber auch das hat der aufmerksame Robin schnell realisiert und meint mit einem Schmunzeln, ich soll dieses Spiel bei dieser starken Strömung mit viel schwimmendem Grünzeug und Holz nicht übertreiben! Okay, ich halte mich dann mit meinem Fahrspass ein bisschen zurück und zusammen führten wir auch über die restlichen Meilen noch das einte oder andere interessante Gespräch. Um 12.20 treffen wir vor der Pedro Miguel Lock ein und schon seit einigen Minuten versucht Robin über sein Funkgerät den Lock-Master zu erreichen. Da aber keine grossen Pötte Einlass begehren, hat man hier vermutlich Lunch-Pause und Robin erhält auf seine diversen Aufrufe keine Antwort! Ich entferne mich nach einem gefahrenen Kreis von der Lock weg und lasse die KYORY ein bisschen im Wasser treiben. Dann um 12:40 hat Robin endlich Funkverbindung und er schildert dem Lock-Mater unsere durch die ACP verschuldete Situation. Nach einigen Diskussionen wird entschieden, dass wir um 13:00 in die bereits gefüllte Schleusenkammer einfahren und vorerst in der Kammer-Mitte festmachen sollen. Kurz darauf werde ein Tug-Schleppper bis ganz nach vorne in die Schleuse einfahren und wir sollen dann die KYORY auf STB an diesem Tug festmachen. Und wirklich, bereits um 13.30 liegen wir fest vertäut am Tug und um 13:40 fährt hinter uns ein RoRo-Autofrachter in die Schleusenkammer ein und wird von sechs Loks mit entsprechendem Abstand hinter der KYORY platziert. Die einstufige Pedro Miguel Lock hat mit 9m die höchste Schleusenhöhe und es sind aufgrund des immensen Wasserdrucks jeweils zwei Tore hintereinander im Einsatz. Wir befinden uns nun auch mit dem Wasserstand von 26 Metern am höchsten Punkt des Kanalsystems. Übrigens geht nun der Schleusenvorgang auf der Pacific-Seite um einiges schneller vor sich, da wir in jeweils gefüllte Kammern einfahren können und die Entleerung natürlich schneller als das befüllen vor sich geht. Zügig werden die beiden Tore geschlossen und um 14:05 wird die Kammer entleert. Um 14:15 lösen wir uns vom Tug und verlassen diese Schleuse und befahren das 1sm kurze Stück durch den Miraflores Lake um zu den beiden Miraflores Locks zu gelangen.


Gegen 14:25 tuckern wir in die erste Schleuse ein, wobei nun die KYORY durch die beiden letzten Schleusen von den vier Linehanders jeweils in der Mitte der Kammern gehalten werden muss. Und schon haben die Linehanders das Festmacherprozedere mit den Leinen abgeschlossen und auch der RoRo-Frachter hinter uns ist von den Lokis wieder in Position gebracht. Das Wasser kann also aus der Schleuse fliessen und in wenigen Minuten geht es in die letzte Miraflores Locks. Ich stehe jeweils in diesen Phasen voll konzentriert am Steuer der KYORY und Robin sitzt beim Niedergang. Dann auf einmal schreit Robin zu mir: "Hey, Frank, do you have smoke in the boat!" Ich stürme runter in den Salon und sehe Rauch in der Bugkabine. Gleich ist für mich klar, es kann nur das Bugstrahlruder sein! Es schmörzelet und riecht gefährlich nach verbranntem! Ich switche den Bugstrahlruder-Schalter in der Naviecke aus und stürze in die Vorpiek, wo der Rauch durch alle Ritzen drückt. Mit Unterstützung eines Handliners leere ich in Sekundenschnelle den Vorpiek-Lagerraum, wobei ich mir an den letzten Sachen fast die Finger verbrenne. Als letztes schmeisse ich den Holzdeckel über dem Bugstrahlruder einfach raus in die Bugkabine! Und es funkt nach allen Seiten und stinkt nach verbrannten Batterie-Kabeln. Die Minus-Kabel von Bugstrahler und Ankerwinsch wie auch das dickere Pluskabel sind so richtig aneinander verschweisst und es funkt weiter. Nicht mal die beiden Sicherungen sind rausgeflogen!? Nun rupfe ich mit aller Kraft die Kabel auseinander und verbrenne mir dabei die linke Wade am einige Hundert Grad heissen Bugstrahlruder-Motor. Da hier wirklich immer noch Strom durch die Kabel fliesst, düse ich in den Salon und räume auch den Lagerkasten über den Batterien um die entsprechenden Kabel abzuhängen. Dann wieder schnell nach vorne, wobei ich versuche schadhafte Kabelstellen mit Klebeband abzudecken, was ein schwieriges Unterfangen ist. Unterdessen hat Robin die Kanalbehörde informiert, dass die KYORY erst mit einer Emergency-Verspätung von etwa zehn Minuten aus der Schleuse fahren kann. Okay, soll kein Problem sein - aber ich halte doch den Kanal-Verkehr auf! Ui, ui, ui! - Endlich lasse ich auch ein *Verdammte Scheisse, das darf doch alles nicht wahr sein!?" los. Bald habe ich die Notmassnahmen abgeschlossen und begebe mich wieder ins Cockpit und ich fahre raus aus der Schleuse in die letzte Miraflores Locks.

Um 14.50 geht es "problemlos" weiter in die zweite Miraflores Schleuse und unter einsetzendem Regen fahren wir um 15:05 aus dieser letzten Kanalschleuse und ich durchpflüge ab jetzt mit der KYORY endlich den Pacific! Infolge anhaltendem Regen weist Robin das sich von hinten nähernde Lotsenboot an, ihn doch erst unter dem "Dach" der Bridge of America aufzunehmen. So verlässt um 15.35 Robin die KYORY und um 15:50 werden auch die vier Linehanders mit den 8 Miet-Fendern und Kanal-Leinen im Balboa Yacht Club von einem Wassertaxi abgeholt. Gerne wäre ich hier an eine Boje gegangen aber leider ist nichts frei und so fahre ich weiter in Richtung SW zur Flamenco Marina, in der übrigens wir Segler nicht unbedingt willkommen sind, um vielleicht dort eine Boje zu ergattern. Um 16:35 nähere ich mich der Flamenco Marine und erkundige mich über Funk nach einer freien Boje. Während ich die KYORY bei 15kn Wind vor der Marina-Einfahrt treiben lasse versucht der Mann am Marina-VHF für mich was zu organisieren. Nach mehrmaligem Funkaufruf teilt mir aber die Marina mit, dass leider um 17:20 kein Marinero mehr zur Verfügung stehe und er mir auch keine freie Boje anbieten könne. Und auf einen von ihm offerierten teuren Platz am Schwimmdock verzichte ich. Also fahre ich schleunigst um die Ecke zum Las Brisas-Ankerplatz vor Panama City. Denn ich will noch vor dem einnachten den Anker in die See schmeissen. Um 18:00 habe ich mich für einen Ankerplatz, unweit der auch hier vor Anker liegenden Balvenie, entschieden und stelle das Beiboot auf Deck an die Reling, da ich die Kette aufgrund meines Vorfalls von Hand ausrauschen lassen muss. Dabei gebe ich bei 4m Wassertiefe 50m Kette raus. Anschliessend klare ich das Deck und den Salon auf und am Schluss kann ich zwei volle Abfallsäcke ins Cockpit stellen. Dabei informier ich noch Marc von der Balvenie über mein technisches Problem. Gegen 19:00 gibt es zum Znacht eines der fünf noch übrig gebliebenen Sandwiches mit einem kühlen Bier! Anschliessend steige ich beim Bugstrahlruder nochmals in die Bilge und verschaffe mir nun in aller Ruhe einen Überblick über den diesmal eingehandelten Schaden. Auch jetzt ist das Bugstrahlruder immer noch mehr als nur warm und ich suche nach einer Lösung, um in einem Notfall den 33kg schweren Rocna-Anker an der 10er-Kette mit der Ankerwinsch wieder raufziehen könnte. Aber so auf die schnelle sehe ich keine Lösung und aufgrund meiner Müdigkeit bin ich um 20:45 bereits in der Koje. Da meine Hirnzellen aber diesmal nicht so einfach ruhig zu stellen sind beginne ich noch einen Clive Cussler zu lesen - bis mir bereits kurz nach 21:00 der Kindle auf den Kopf fällt und ich bald einschlafe!

Am Freitag, 12.6.2015, begutachte ich nochmals im Detail den entstandenen Schaden und suche nach einem Lösungsansatz für das weitere Vorgehen. Und ich lernte nun aus dieser teuren Efahrung, dass die Plus-Batteriekabel unbedingt direkt bei den Batterien abgesichert werden sollten! Dabei verfluchte ich einmal mehr, in diesem Fall die Möchtegern-Elektriker, die während dem Bootsumbau in Kilada/GR auch diese Verkabelung grobfahrlässig eingebaut haben! Nur ein Beispiel: Da sind zB die Kabelschuhe des dicken Plus-Batteriekabels in der Bilge, direkt neben dem Bugstrahlruder, mit einer M8-Schraube zusammen verbunden. Dabei ist diese Verbindung durch nichts geschützt und das Kabel baumelt somit bei entsprechendem Seegang lose in der an dieser Stelle engen Bilge hin und her. Einfach verrückt und das erst noch in einem Stahlboot! Ich entscheide mich als erstes das durchgebrannte und nicht mehr zu reparierende Bugstrahlruder auszubauen und anschliessend beginne ich gleich noch mit dem entfernen der
diversen verbrannten Batteriekabel. Nach dem Lunch konnte ich bereits die ersten nun für die Ankerwinsch getrennten Batteriekabel in der Vorpiek einbauen und bei den Batterien muss ich zwei weitere Kabelstücke zum Ankerwinsch-Kippschalter ersetzen. Dabei hatte ich zum Glück wieder mal gut vorgesorgt und fand entsprechende Batteriekabel in meinem Kabellager. Und ohne meine 4kg schwere Klemmzange wäre es schwierig geworden, die Kabelschuhe fachmännisch anzupressen! Mein immer noch fehlendes Elektro-Fachwissen beim ausführen dieser Arbeiten eignete ich mir zwischendurch beim Studium in den diversen auf dem Boot vorhandenen Elektro-Schemas mit Bedienungsanleitungen und Umbau-Handskizzen sowie auch aus Fachbüchern an. Denn diesmal bin ich wirklich auf mich alleine gestellt und ich will nun solche Probleme, wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, in eigener Regie lösen können. Erwähnen muss ich noch, dass ich bei der hier über 35° vorherrschenden Hitze im Bootsinnern so alle zwei Stunden mein jeweils komplett nasses Shirt wechseln muss und ich 2x am Tag auf der Badeplattform unter der Dusche stehe. Um 20:15 beende ich mein Tagwerk und nach einer letzten verdienten Dusche beisse ich bei einem Bier in ein weiteres Sandwich. Um 21:30 befinde ich mich bereits wieder in der Koje.


Am Samstag, 13.6.2015, schliesse ich zwischen 07:30 - 13:30 den Einbau der neuen Batteriekabel ab. Nach dem Lunch will ich, unter gesteigerter Pulsfrequenz, den 1:1-Test mit der Ankerwinsch angehen. Dabei teste ich auch die drei voneinander getrennten Ankerwinsch-Bedienungseinheiten am Steuerstand, der Kabel-Fernsteuerung an Deck in der Vorpiek sowie der Wireless-Fernsteuerung mit Zählwerk. Wow, alles funktioniert bestens! Ich schreie ein "Super, super!" über die See und gönne mir mal ausnahmsweise bereits tagsüber ein kühles Bier zu einem immer noch vorhandenen Sandwich! Da purzelten wieder mal die Steine nur so von meinen Schultern und ich war in diesem Moment wirklich stolz auf mich! Wie heisst doch einer meiner alten Sprüche: "Das Gefühl gebraucht zu werden, kann Wunder wirken!" Dabei kann ich noch erwähnen, das ich über diese Tage meiner Reparatur von der Sonne mehrheitlich verwöhnt werde.
Aber verflixt nochmal, anlässlich des letzten Checks meiner durchgeführten Arbeiten, musste ich leider feststellen, dass ich noch zwei weitere Problemstellen zu eliminieren habe! Erstens finde ich in der engen Bilge des Bugstrahlruders am Gummimantel des Plus-Kabels, etwa 10cm vor dem Kabelschuh, einen weiteren offenen Schlitz bis auf die Kupferdrähte. Aber in diesem engen Loch das Kabel kürzen und einen neuen Kabelschuh aufsetzen wird sich nicht einfach gestalten! Im weiteren stelle ich fest, dass auch der Ankerwinsch-Kippschalter einen Dauerstrom ausweist und sich nicht mehr schalten lässt. Nun, in diesem Fall muss ich mir morgen bei einem Shipchandler einen neuen Schalter besorgen. Aber schon steht der Zeiger der Uhr wieder vor 20:00 und ich mache Feierabend! Eine Einladung zum heutigen Apéro auf der BALVENIE habe ich bereits beim Lunch auf morgen Sonntagabend verschoben. Und nun verdrücke ich auch noch das letzte der übrig gebliebenen Sandwiches zu einem Balboa Serveza!

Es ist Sonntag, 14.6.2015 und von 07:30 bis 12:30 beschäftigt mich die gestern erwähnte Batteriekabel-Kürzung, wobei ich beim durchtrennen des Kabel die Flex einsetzen werde. Ja und dann passiert mir in diesem wirklich engen Bilgenabteil eine blöde Sache: Beim flexen zwischen meinen nackten Füssen flutscht mir die laufende Flex auf den linken Fuss und das Blut fliesst ziemlich zügig durch den Bugstrahlaufsatz in die Bilge! Scheisse, auch das noch! Nun, aus meiner Jugendzeit weiss ich noch, dass Blut spenden sogar gesund sein soll, also werde ich diesen Blutverlust wohl auch verkraften können. Aber mit solchen Wunden gehe ich jeweils verantwortungsvoll um, denn ich weiss was eine Blutvergiftung auslösen kann und innert Sekunden stehe ich vor meinem Medi-Kasten. Als
erstes reinige ich die Wunde mit 96%-Medi-Alkohol und spraye Merfen nach. Dann lege ich eine Kompresse darüber und binde den Fuss ein. Und schon geht es weiter mit der Arbeit in der Vorpick. Dabei gestaltet sich das festklemmen der Kabelschuhe mittels meiner grossen Klemmzange nicht so einfach. Aber irgendwie schaffe ich auch dies und um 12.30 kann ich auch diese "Operation" erfolgreich abschliessen. Nach dem Mix-Salad-Lunch widme ich mich der Fixierung und Abdeckung aller Batteriekabel-Verbindungen, die ich jeweils mit 2mm dicken Gummistreifen einwickle. Anschliessend beende ich für heute meine Rep-Arbeiten und lasse das Dingi zu Wasser und platziere den Outboarder am Dingi. Gegen 17:00 genehmige ich mir eine Dusche und um 18:20 tuckere bei leichtem Regen rüber zur etwa 100m von mir entfernten 46ft grossen BALVENIE. Herzlich begrüssen mich Marc und Amanda und in ihrem grosszügigen Cockpit und  es gibt es zu Mex-Pitas ein Gals Weisswein. Gleichzeitig müssen wir aber leider feststellen, dass aus SW sehr dunkle Wolken aufziehen und innert Sekunden geht es los: Bei 25kn Wind chlöpft ond tätscht es nur so um uns herum. Die aus den Wolken niederprasselnde Regenmenge ist enorm aber mehr Gedanken machen wir uns zu den um uns herum auf dem Wasser auftreffenden Blitze. Natürlich gefällt es mir gar nicht, dass ich mich bei einem solchen Gewitter nicht auf der KYORY befinde! Aber bei diese Wetterverhältnissen gehe ich keine Risiken ein um etwa mit dem Dingi die KYORY anzusteuern. Über fast zwei langen Stunden lang stehen wir unruhig und ohne grosses chit-chatten im Cockpit und schauen diesem Spektakel zu. Die BALVENIE wird übrigens morgen Mittag Anker auf gehen um in etwa einer Woche die Galapagos anzusteuern. Gegen 20:00 ist das Gewitter endlich vorbei gezogen und ich besteige mein nun halbvoll mit Regenwasser gefülltes Dingi. Also schöpfe ich einige Minuten Wasser in die See und beim zweiten Startversuch dröhnt dann auch mein Aussenborder und ich fahre bei noch leichtem Regen zurück zur KYORY. Um 21.30 liege ich bereits wieder in der Koje und lese noch einige Seiten in meinem Abenteuerroman. 


Montag, 15.6.2015, ab 07:00 baue ich als erstes den defekten Batterie-Kippschalter aus und erstelle mir eine kleine Einkaufsliste was ich so alles in der Stadt erledigen möchte. Ich belade das Dingi mit den Abfallsäcken und dem ca. 30kg schweren kaputten Bugstrahlruder sowie meinen Rucksack mit dem Laptop. Um 10:00 fahre ich bei ruhiger See an Land und mache zum ersten mal Bekanntschaft mit dem "sogenannten" Las Brisas-Dingi-Anleger. Also diese verfallene und verrostete Anlage ist wirklich für uns Segler eine Zumutung! Ich befestige das Dingi aussen an einem der beiden schräg in die Luft schauenden Anlegerponton und balanciere über einen Stahlträger zum zweiten Ponton. Auf das transportieren des Bugstrahlruders verzichtete ich und lasse es mal auf dem ersten Ponton liegen. Dann besteige ich das kleine Plastik-Zubringerböötchen, das über einer Zugleine mit der nur ca. 6 Meter entfernten Ufertreppe verbunden ist. Aber nur eine kleine Unachtsamkeit, das Böötli kippt und ich schwimme im Wasser. Aber alles ging gut und um 11:30 bringt mich Antonio mit seinem Taxi ins nahe Panama City. Antonio klappert nun mit mir bis 14:30 zu 10 USD die Stunde, die von mir gewünschten Geschäfte ab. Bis auf einige Ausnahmen konnte ich mir das gewünschte, inklusive dem Batterie-Schalter, besorgen. Am Schluss fährt er mich zum Rey-Einkaufscenter und wir vereinbaren, dass ich ihn so um 16:00 anrufe, damit er mich wieder zum Las Brisas-Anleger zurück fährt. Das klappt dann auch bestens und bei viel Abendverkehr erreichen wir um 17:00 die Ankerbucht. Antonio hilft mir noch beim umladen ins Plastikböötli, wobei nun infolge Tide bei angestiegenem Wasserstand das ganze Prozedere hier am Anleger nicht gerade vereinfacht wird. Aber nur mit nassen Füssen schaffe ich den ganzen Transport bis in mein Dingi und um 17:45 treffe ich wieder auf der KYORY ein. Gleich versorge ich all meine eingekauften Sachen im Boot und lege mich für einige Minuten in die Koje. Um 18:30 schneide ich mir noch ein Mango und dazu gibt es heute anstatt Bier einen Pfeffermünztee. Eigentlich wollte ich heute noch die Vorpiek, die Bugkabine und den Batterie-Lagerkasten wieder einräumen. Aber ich verschiebe diese Arbeit auf morgen früh, da die auf dem Deck zwischen gelagerten Segel und  Covers seit dem gestrigen Gewitter eh noch nicht ganz ausgetrocknet sind. Also ziehe ich mich um nach 20:00 bereits wieder in die Koje  zurück.  

Am Dienstag, 16.6.2015 widme ich mich um 07:15 bereits dem Austausch
des Batterie-Kippschalters. Anschliessend teste ich nochmals die ganze Ankerwinsch-Anlage und mit dem neuen Schalter funktioniert alles wieder bestens. Nun nehme ich mir genügend Zeit beim einräumen meines im ganzen Bootsinnern grossen Puffs! Das versorgen der drei immer noch leicht feuchten Segel und Bootscovers vom Deck in die Bugkabine verschiebe ich gegen Abend, da ich mir keinen Schimmel im Bootsinnern anschaffen will. Um 14:00 fahre ich mit dem Dingi wieder an Land um endlich wieder mal  ins WiFi einzusteigen und einen Sack voll Wäsche in eine Reinigung zu  bringen. Heute befestige ich mein Dingi neben einem weiteren Dingi direkt bei der Treppe, somit habe ich es dann abends einfacher wieder mein Dingi zu besteigen. Da ich hier nur in einem nahen Hotel zu 30 USD die Wäsche reinigen lassen könnte frage ich im kleinen Supermercado eine Angestellte ob sie mir  bis morgen Mittag die Wäsche erledigen könnte. Gerne übernahm sie meinen Wäschesack und verlangte bescheidene 10 USD. Vor dem Supermercado klinke ich mich auch  gleich ins Gratis-WiFi ein und setze eine Blog-Last News ab und beantworte einige wichtige Mails. Auch setze ich etwa eine Stunde für das Wetterstudium ein, möchte ich doch am Freitag meine Pacific-Etappe zu den Marquesas in Angriff nehmen. Leider muss ich beim tippen feststellen, dass mein noch in Aruba ausgetauschtes Keyboard bereits wieder Macken hat - oder ist es doch der Laptop!? Ich kann nämlich aus der Zahlenreihe nichts mehr abrufen! Nun ich habe ja noch einen zweiten Laptop den ich dann morgen noch mit an Land nehme, um dann einen längeren Blog-Reisebericht zu erfassen. Dazwischen rekognosziere ich noch die in 10 Minuten zu Fuss erreichbare Flamenco Marina um mir ein Bild über die Anlage mit der Zapfsäule zu machen. Nach 17:00 kaufe ich mir in einer Pizzeria noch eine Tak-away-Pizza und begebe mich wieder zum Dingi-Anleger. Ohne Probleme erreiche ich bald die KYORY und geniesse im Salon meine Pizza mit einem ein Bier. Übrigens schliesse ich jeweils so um 17:30 auch hier all meine Luken und den Niedergang mit den Moskitonetzen. Es ist zwar keine Plage, aber diese Dinger sind sehr klein und man hört sich nicht beim rumfliegen. Um 21:15 ziehe ich mich bereits wieder in die Koje zurück.


Es folgt der Mittwoch, 17.6.2015 und ungern erzähle ich euch heute was mir wieder so passiert ist! Bevor ich nun aber mit dieser Geschichte beginne, hier noch eine Aufstellung, was ich heute so alles in meinen Rucksack stopfte und mit an Land nehme: Da sind zB meine beiden Laptops die ich in einem Abfallsack, damit kein Wasser eindringen kann, im Rucksack verstaue. Auch die beiden Mäuse verstaue ich noch zusammen mit dem Logbuch im Rucksack. Im weiteren befinden sich in einer Aussentasche noch die wasserdichte Kamera, das wassergeschützte Samsung-Handy sowie mein Kleingeldbeutel mit einigen Karten und Noten. So, nun erzähle ich wieder unverblümt was um 09:00 heute Morgen auf der KYORY-Badeplattform vorgefallen ist: Auch wenn von der See her ein wenig Schwell in die Bucht hinein floss, bin ich bei solchen Bedingungen sicher schon einige Hundert male von der Badeplattform ins Dingi umgestiegen. Nur heute Morgen klappte es halt nicht wie immer!? Ich kam beim übersteigen ins Dingi kurz aus dem Gleichgewicht und der schwere Rucksack viel ins Wasser! Ich hatte dabei noch Glück im Pech, dass sich einen Armschlaufe des Rucksacks am Hydrovane-Ruder verfing. Auch wenn ich den Rucksack samt Inhalt schnell wieder an Bord hatte, wusste ich natürlich sofort, dass ich hier vermutlich gerade einen Totalschaden an meinen Laptops eingefahren hatte! Umgehend packte ich alles aus, wobei natürlich auch die Laptops, die auch im Abfallsack einiges an Salzwasser abbekam! Alles, wirklich alles war schon triefend nass und inzwischen weiss ich ja nach den Erfahrungen der letzten Tage wie angesengte  Elektronik und Gummi riecht! Nur diesmal kam es nicht vom Bugstrahlruder sonder von den Laptops. Okay ich legte mal alles zum "trocknen" auf das Deck an die Sonne, so die beiden Laptops und auch das verklebte Logbuch, wobei wie es scheint einzig die Kamera und das Handy keinen Schaden erlitten haben. Auch das Portemonnaie habe ich geleert und die USD-Noten mit den Karten und Ausweisen im Salon zum trocknen auf den Tisch gelegt! Trotz allem, was solls: - Schmunzel, schmunzel! Als erstes gingen mir folgende Punkte, teilweise habe ich diese schon eingangs dieses Beitrages erwähnt, durch den Kopf: Da ich seit zwei Wochen auf meinem Kommunikations-Laptop keine Back-up-Sicherung mehr vornahm fehlen mir also bis dato von dden zwei Wochen alle bis heute geknipsten Bilder, dies va vom Kanal-Transit und den anschliessenden Arbeiten rund um mein Bugstrahlruder! Dies gilt natürlich auch für erfasste Texte usw. Auf dem zweiten Laptop, den ich vielleicht vor drei Monaten das letzte mal benützte, befinden sich va Back-up Navigations-Software mit entsprechenden elektronischen Seekarten uä. An dieser Stelle kann ich aber festhalten und euch auch beruhigen, dass ich für das Haupt-Garmin-Navigationssystem einen kompletten Satz aller benötigten elektronischen Seekarten Rund-um-die-Welt auf Chips zur Verfügung habe. Auch habe ich getrennt auf dem Apple-iPad als Back-up das Navionics-Navigationssystem abgespeichert. Zudem habe ich zB für die in etwa von mir geplanten Segel-Etappen im Pacific-Area einen grossen Satz Papier-Seekarten an Bord! Ja Leute, früher hätte ich nach einem solchen mehr oder weniger doch Totalschaden bittere Tränen mit begleitenden Vorwürfen an mich vergossen. Aber mit meinen heute 68 Jahren weiss ich solche Ereignisse schon richtig einzuschätzen, haben sich doch auch meine Wert-Gewichtungen über die vergangen 50 Jahren um einiges verändert! Auch habe ja gar keine Zeit hier gross wegen dieser Geschichte zu trauern, nein, im Gegenteil ich schaue nach vorne und überlege mir was ich für Sofortmassnahmen einzuleiten habe! Und das sind: Als erstes werde ich mit erster Priorität gleich heute Mittag das grosse Shoppingcenter "Albrook Mall" in Panama City aufsuchen und mir bei Multimax (kenne ich noch von einem Besuch von Colon aus) ein neues leistungsstarkes Notebook auszusuchen. Dabei hoffe ich, dass mir deren Techniker meine Back-up-Sicherungs-Harddisk, meine weiteren diversen auf Disk oder noch im Kopf vorhanden Programme auf das neue Notebook übertragen können. Über alles weitere mach ich mir im Moment noch keine Gedanken, aber meine Weiterfahrt werde ich sicher um einige weitere Tage aufschieben müssen!  Aber das ist ja für die KYORY und mich nichts neues! Übrigens geht mir gerade noch durch den Kopf, dass ich eingeplant habe, beim anstehenden einräumen auf das einte oder andere zu verzichten und an Land zu entsorgen. Dabei werde ich auch einiges an Kleidern an Panamesen verschenken. Dies aufgrund des schon hie und da erwähnten mit 19.5t zu grossen Gesamtgewichtes der KYORY. Vielleicht war ja der Auslöser dieser dummen Story - mit den nicht versenkbaren Laptops - eben dieser im  Hinterkopf parkierten Gedankengang von zu viel Gewicht! - Schmunzel, schmunzel!

Inzwischen ist es 11:15 und ich packe die beiden noch nicht voll ausgetrockneten Laptops wieder ein, wie auch das Handy und ein anderes Portemonnaie. Die Überfahrt und das Anlegen am Dingi-Dock gehen ohne Probleme vor sich und um 13:00 erreichte ich bereits mit einem Taxi die Albrook Mall. Kurz darauf betrat ich den Verkaufsladen von Multimax und wählte mir bei einem Rundblick einen Verkäufer aus. Ich ging dann auf diesen zu und er stellte sich mir als Ivo vor. Ich zeigte ihm meine beiden Laptops und er hörte sich mit dem einten oder anderen oh, oh meine Geschichte an und nahm sich über eine Stunde Zeit, mich über die für mich in Frage kommenden Notebooks aus dem HP-Programm zu informieren. Ich entschied mich dann für das Modell  "HP ENVY 15 Notebook PC" mit einem Terabit-Speicher und intel core i7 zu 1.200 USD. Da dieses Notebook bereits mit Windows 8 ausgerüstet ist, wünsche ich einzig, da hier natürlich nur das mit dem spanischen Alphabet ausgestattete Keyboard angeboten wird, dass die Swiss-German-Language runter geladen werden kann. Nach seiner Überzeugung sollten die jeweils nachmittags anwesenden Techniker diesen Sprach-Wunsch wie auch meine restlichen Software- und Disk-Übertragungs-Wünsche erfüllen können. Nur heute sind alle Techniker ausgelastet und wir vereinbaren, dass ich mich morgen um 13:00 wieder hier einfinde um mit den Technikern Feliciano und dann va mit de Software-Spezialisten Joel das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich entschied mich heute vorerst das Notebook noch nicht zu erwerben, sondern erst morgen, wenn ich von der Fachkompetenz der beiden Techniker überzeugt bin. Meine beiden Crash-Laptops konnte ich vorerst bei Ivo einlagern. So schaue ich mich anschliessend noch weiter im Einkaufscenter um, habe ich doch immer noch den einten oder anderen Punkt auf meinem Einkaufs-Spick nicht abgehakt. So ua ein zweite Eieruhr. Ich versuchte es bei wirklich allen in Frage kommenden Geschäften aber alle hörten nur Bahnhof und auch die weiblichen Beraterinnen hatten sowas noch nie in ihren Küchen eingesetzt. Dafür habe ich mir auf diesem Einkaufsrundgang noch was für mich wichtiges angeschafft: Für 70 USD erstand ich mir einen vollkommen wasserdicht abschliessbaren Rucksack um zukünftig bei Dingi-Fahrten mein Notebook usw darin verstauen zu können. Zum Abschluss verdrücke ich bei McDonalds noch einen Hamburger und nach 16:00 bringt mich ein Taxi wieder durch die Rush-hour zurück zu meinem Dingi. Im Supermercado hole ich noch im vorbei gehen meinen Wäschesack ab. Auch das Dingi-Umsteige-Prozedere ging wieder ohne etwaig "zahlende Zuschauer" über die Bühne und um 17:45 konnte ich feststellen, dass die KYORY weiterhin schön brav an ihrem Ankerplatz liegt. Wieder an Bord verfasste ich eine Liste was ich alles so auf dem neuen Notebook abgespeichert haben möchte und holte mir anschliessend aus meiner PC-Box noch die Software-Programme von Microsoft Office Professional 2007 und das neue Bitdefender Internet Security 2015 (als Ersatz für McAfee) sowie die HP Deskjet 2540-Disk raus. Um 21:00 finde ich mich wieder in der Koje ein und lese die letzten Seiten im Cussler-Roman.


Am Donnerstag 18.6.2015 starte ich um 08:00 nach einem Müsli-Zmorge meinen Diesel für etwa zwei Stunden um va die Kühlbox mehr runter zu kühlen und die Batterien mit dem Geni zusätzlich aufzuladen. Dazwischen ergänze ich mit weiteren Fragen und Wünschen meine Liste für die Multimax-Techniker und um 11:15 fahre ich mit dem Dingi und dem neuen wasserdichten Rucksack wieder an Land. Um 12:45 suche ich Multimax auf und Ivo stellt mir Feliciano und Joel vor. Beim diskutieren meiner Wünsche gewinne ich einen sehr guten Eindruck und auch die beiden sind von meinem ausgewählten HP-Notebook überzeugt. Also erstehe ich im ersten Schritt das Notebook und Feliciano wird nach dem Configurieren gleich meine Back-up-Harddisk runterladen. Beim späteren aufstarten dieser Harddisk schmunzelt er und meint, dass das Notebook sicher über die nächsten zwei Stunden ausgelastet sei, va mit dem übertragen der vielen Fotos und auch Dokumenten. Also verabschiede ich mich für diese Zeit und gehe als erstes was essen, dieses mal in ein Chinesen-Restaurant. Als ich um 15:00 wieder im Multimax eintreffe, meint Feliciano nur, dass das übertragen der Daten noch weitere zwei Stunden andauern werde. Zwischenzeitlich hat er mir noch aus den beiden alten Laptops die Harddisks ausgebaut, die ich abends auf der KYORY für einige Tage in Boxen mit Reis einbetten werde, damit sie noch richtig austrocknen können. Wer weiss, vielleicht finde ich irgendwo auf der weiteren Reise doch noch einen PC-Doktor, um zu versuchen meine alten Datein (va die Fotos vom Kanal-Transit und der Batterie-Kabel-Reparatur) wieder hervor zu zaubern. Eine weitere Warterei hat für mich im Multimax keinen Sinn und ich kehre wieder auf die KYORY zurück. Wir vereinbaren, dass ich morgen wieder um 13:00 in den Laden zurück kehre, damit dann Joel meine von mir gewünschten Software-Programme übertragen könne. Also besteige ich wieder ein Taxi zurück zum Dingi-Anleger des Las Brisas-Ankerfeldes. Inzwischen habe ich Übung mit dem unglaublichen Dingi-Anleger und somit geht auch die heutige Rückfahrt zur KYORY problemlos vorbei. Nach meiner Ankunft räume ich die Hundekoje und den darunter liegenden Lagerkasten aus. Nach einer Grund-Reinigung staue ich die Sachen wieder zurück und bereite mir gegen 20:00 zum Znacht noch eine Gemüsesuppe mit Würstchen zu. Auch heute ziehe ich mich nach 21:00 wieder zum Lesen in die Koje zurück und beginne dabei mit einem weiteren Cussler-Roman.

Am Freitag 19.6.2015 entleere und reinige ich nach dem Morgenessen die zwei BB-Backskisten und räume sie später wieder ein. Gegen 11:00 fahre ich mit dem Dingi an Land und gleich geht es weiter mit einem Taxi zum hoffentlich letzten Besuch bei Multimax. Gegen 13:00 treffe ich bei dort ein und Feliciano kann mich als erstes über den gestrigen noch erfolgreichen Abschluss der Back-up-Harddisk-Daten informieren. Dann nimmt sich Joel meiner an und zusammen reaktivieren oder laden wir die diversen Programme runter. Keine Chance haben wir beim reaktivieren der Outlook-Mail-Datei. Bei einer sich wiederholenden Fehlermeldung erscheint immer der Hinweis, dass ich eine falsche IP-Adresse einsetze. Nach Meinung von Joel geht das System vermutlich von der Annahme aus, dass wir Hacker seien. Soweit ist das für mich nicht so schlimm weil ich all diese Mail-Eingänge auch auf dem bluewin-Server abrufen kann. Einzig die mit dem Outlook von mir verschickten Mails habe ich nicht mehr. Übrigens ist es für mich schon auf der ganzen Reise eine nervenaufreibende Sache mit diesem blöden bluewin-Programm der Swisscom zu arbeiten. Darum habe ich nun mit Joel noch eine zusätzliche Mail-Adresse bei einem anderen Anbieter eröffnet. Und endlich um 16:15 haben wir alle Arbeiten abgeschlossen, wobei ich für diese während den beiden vergangenen Tagen von Feliciano und Joel für mich eingesetzten Stunden nur ergänzende 120 USD zu bezahlen habe. Herzlich verabschiedete ich mich von den beiden sowie von Ivo und beim warten vor einem der Allbrock Mall-Zugänge warf ich meine beiden alten Laptops in einen grossen Shredder! Um 17.30 lädt mich ein Taxi bereits wieder vor dem Dingi-Anleger ab und bald finde ich mich wieder auf der KYORY ein. - Diesmal aber mit dem neuen im wasserdichten Rucksack verstauten Notebook! Abendliches Programm wie immer in den vergangenen Tagen.


Gestern Samstag des 20.6.2015 habe ich mit dem texten zu diesem Blog-Beitrag auf der KYORY begonnen und zum weiteren Tagesverlauf , wie auch zum heutigen Sonntag den 21.6.2015 gibt es von hier aus nicht mehr viel neues zu erzählen. Ich freundete mich während diesen zwei Tagen über Stunden mit meinem neuen Notebook an, wobei für mich dieses Windows 8 natürlich noch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Morgen Montag werde ich mit dem Dingi wieder an Land fahren und gleich als erstes über Internet meine über diese zwei Tage ua erfassten Texte, aber eben leider ohne Fotos, im KYORY-Blog ab zuspitzen.
- Ähm, da war doch noch was? Natürlich hatte ich am Samstag keine grossen Stricke mehr zerrissen und zum Candle Night Dinner um 18:00 öffnete ich zu meinen Tagliatelle Alfredo Carbonara noch einen roten Cabernet Sauvignon aus Chile!

Und spätestens am kommenden Mittwoch, 24.6 Juni 2015 möchte ich dann, nach dem auftanken in der nahen Flamenco Marina, endlich in Richtung Westen zu den Marquesas weiterziehen!