Einige Gedanken zum Jahreswechsel 2015/16 im Kreise der Südsee-Langfahrten-Familie in Atuona/Hiva Oa!

In Riesenschritten folgten nach dem Festival die Weihnachts- und Neujahrstage, wobei wir uns fast täglich mit befreundeten Crews auf unseren Booten zum Zmorge oder Znacht trafen. So vergingen die letzten Tage des alten Jahres im Fluge und schon ist ja das 2015 bereits eh wieder Geschichte. Dabei gehen die Jahre für jüngere Menschen immer noch um einiges zu langsam vorbei und für ältere Menschen wie mich ziehen die Monate gefühlsmässig scho es betzeli schnäller as au scho a mer verbi! Ein Jahreswechsel gibt uns jeweils begleitend die Möglichkeit bei einem kurzen Boxenstopp Inne zu halten um das auslaufende Jahr nochmals kurz zu reflektieren. Sicher machen dies viele von euch auch so und somit gehe ich an dieser Stelle nochmals kurz auf einige während meiner Langfahrt auch im 2015 eingeschlagenen Pflöcke ein! Hier aber vorab wieder vielen Dank an meinen Freund Roland, der auch im vergangenen Jahr in der Schweiz für mich zum Rechten schaute. Lieben Dank Roland! Dann bedanke ich mich auch bei den vielen „Mitreisenden“, die mich über den KYORY-Blogs mit dem YB-Tracker sowie einigem Mail-Austausch hautnah begleiteten! 
Den Jahreswechsel 2014/15 verbrachte ich mit der KYORY ja noch in Oranjestad auf Aruba. Es folgten im Januar, nach einer ruppigen Etappe nach Cartagena, die Monate in Kolumbien mit der langwierigen Reparatur des Autopiloten. Mitte Mai ging es endlich wieder weiter über Porvenir zu den Kuna Indios in den San Blas Islands, dann nach Portobello, Panama. Und am 18. Mai erreichte ich die Shelter Bay Marina von Colon, Panama - meinem letzten Port auf der Atlantikseite. Nach letzten Instandhaltungsarbeiten folgte am 10./11. Juni die Panamakanal-Passage mit der unrühmlichen Bugstrahlruder-Panne in der Miraflores-Schleuse. Nach dieser in der Las Brisas-Ankerbay vor Panama City unternommenen Reparatur verbrachte ich am 24. Juni, nach dem Bunkern von viel Diesel und Wasser, eine weitere Nacht in der Flamenco Marina. Ja, und dann folgte die unvergessliche 40tägige Überquerung des Pazifik auf der Direktroute nach Hiva Oa, Marquesas in Französisch Polynesien. So konnte ich am 4. August in Atuona auf Hiva Oa überglücklich den Bug- und Heckanker werfen. Yuppi! Nach dem Atlantik schaffte ich nun also auch, wie vor Jahren geplant, mit dem Pazifik die Überquerung dieser beiden Ozeane als Einhandsegler!
Neben der von der KYORY Ende September, zum Glück ohne gröberen Schaden, überstandenen Tsunami brachte mir Hiva Oa, neben der einfach traumhaften Natur und den unvergleichlich lieblichen Polynesiern auch wieder einiges zu reparieren.

Dann fieberte ich dem 14. Oktober entgegen, dem Tag an dem meine „Junggesellenzeit“ ein abruptes Ende nahm, da meine Tochter Sandra für mindestens ein Jahr die KYORY enterte! In den bereits wieder vergangenen vier Monaten gewöhnten wir uns beide sukzessive an dieses nach 28 Jahren für uns neue Zusammenleben als Vater und Tochter. Und Sandra hat recht mit ihrer Einschätzung, dass ich was das Zuhören betrifft leider emmer no es betzeli Nachholbedarf habe!? Dafür schaue ich dann frühmorgens locker darüber hinweg, wenn sie gerne noch eine Runde schlafen möchte! - Schmunzel, schmunzel! Aber wir beide freuen uns nun einfach auf diese weiteren gemeinsamen Monate und lassen uns überraschen welche Abenteuer wir hier in der Südsee mit der KYORY noch erleben dürfen!
Dabei sind Sandra und ich natürlich mehr als dankbar unseren gemeinsamen Traum leben und va auch erleben zu dürfen!


Und mit Unterstützung der erfahrenen, langjährigen US-Fahrtenseglern David, Chuck und Jeff konnte ich bereits einiges von meiner Boots-Unterhalts/Rep-Liste streichen. Nachdem mir diese Skipper-Freunde auch meine Unsicherheit bezüglich dem Einsatz meines 2000W/Honda-Generator (1/2Ltr.Benzin/h) genommen habe, surrt nun auf der KYORY, wenn Notwendigkeit besteht, statt dem Nanni-Diesel vermehrt der Honda-Geni. Mit den dabei produzierten 230V werden zB über das Batterie-Ladegerät meine sechs Batterien (total 880Ah) aufgeladen, diverse Geräte-Akkus nachgeladen oder auch der 230V-Watermaker in Betrieb genommen. Dies in Ergänzung zur Stromproduktion über meine beiden Solarpanele und dem Windgenerator, mit denen ich eigentlich ziemlich autark ausgerüstet bin. Auch ist dabei Sandra eine jederzeit eine interessierte Zuhörerin und Beobachterin. Mit ihrer schnellen Auffassungsgabe sowie dem um die Ecke mitdenken lernt sie erst noch schnell. Egal ob dies elektrische oder mechanische Probleme betrifft, bleibt mir manchmal nur das Staunen über ihre schnelle Auffassungsgabe übrig. Wer weiss, da wächst eine vielleicht begabte Skipperin heran…!?
Wie auf den anderen Booten ziehen sich auch auf der KYORY die noch offenen Boots-Arbeiten, die nun mal unzertrennlich zum Langfahrtensegeln gehören, weiter in die nächsten Wochen hinein. Also langweilig wird es uns hier, bis zum Ende der Zyklon-Saison gegen Ende April, sicher  nicht.

Natürlich hatte ich mir die einten oder anderen, leider auch letztes Jahr, vereinzelt kostenintensiven Rep-Stopps, so nicht vorgestellt. Aber auch ich habe es einfach zu akzeptieren: Nach über fünf Jahren mit der KYORY auf See, dabei zählen va die an das Boot hohe Anforderungen stellenden Ozean-Überquerungen, zeigen sich erste Abnützungserscheinungen und die Austausch- und Rep-Arbeiten wechseln sich im Wochen- oder gar Tagesrhythmus ab. Wobei übrigens noch diesen Sommer, wegen dem Austausch des äusseren Propeller/Antriebswellen-Lagers sowie dem legen des Mastes, infolge einiger gerissener Kabel über dem Pazifik, ein Marina-Aufenthalt in Raiatea oder Papeete bei Tahiti ansteht. Dabei tauchen für mich bei solchen technischen Problemen immer wieder neue Herausforderungen und Prüfungen auf. Die gilt es jeweils, hier mit Unterstützung durch meine Seglerkollegen mit langjähriger Erfahrung, zu bereinigen oder temporär zu lösen um sie dann bei einem späteren Marina-Besuch definitiv abzuschliessen. Aber eins möchte ich hier ein weiteres Mal festhalten: Noch in keiner Minute, trotz meines fortgeschrittenen Alters, habe ich während dieser Langfahrt daran gedacht dieses einfach unglaubliche Abenteuer mit der KYORY aufzugeben! Dabei sind wir Langfahrtensegler eh einer Meinung: "Wenn es auf dem Boot nur an einem Tag nichts zu reparieren gibt, stimmt irgendwas nicht mehr!" - Schmunzel, schmunzel!


Gegen das Jahresende ist mir übrigens eine von meiner lieben Schweizer Freundin Christine gemachte Bemerkung aus dem Frühjahr 2013, dies vor dem Aufbruch zu meinem grossen Segelabenteuer, durch den Kopf gegangen: „Ich glaube der Franzl wird mal irgendwo auf seiner Langfahrt hängen bleiben und gar nicht mehr zurückkommen!?“ Also ich wäre damals gar nie auf eine solche Idee gekommen und konnte nur darüber lachen, aber inzwischen sehe ich meine aktuelle Lebenssituation aus einem ganz anderen Blickwinkel an - und lasse alles weitere auf mich zukommen ! Aber es ist schon so, vor allem seit meiner Ankunft hier in der bezaubernden Südsee gehen mir hie und da so diverse Gedanken durch den Kopf, wobei ich mir auch eine solch extreme von Christine angesprochene Option ohne weiteres vorstellen könnte. Aber vorerst lebe ich hier mal im Jetzt, dies übrigens ohne ernsthafte langi Zyt nach der Schweiz - denn ich kann mir derzeit einfach kein anderes Leben mehr vorstellen! Wer aber weiss schon, was morgen oder übermorgen ist!? Es ist der „Circle of life“, das „Yin&Yang“ und so lebe ich in diesem Lebensabschnitt weiterhin frei nach Willy Nelson: „My home is - where I am happy!“ 
All dies festgehalten im 1.2016 mit einem wirklich überglücklichen Lächeln und noch viel offener Energie für weitere Segelabenteuer!
Und überhaupt, all unsere Lebensabschnitte haben und hatten doch eh ihre „meistens“ schönen und unvergesslichen Zeiten!