Tahiti Teil 1: Yin- und Yang-Erlebnisse aus dem für uns Langfahrtensegler wichtigsten Verkehrs-Knotenpunk von Papeete auf Tahiti!

Die KYORY dümpelt nun seit unserer Ankunft vom 12. Juni 2017 in Papeete, ruhig an einer der etwa 200 Mooring Bojen der etwa 6sm südlich von Papeete liegenden Marina Taina. Die Marina Taina und die City Marina in Papeete sind dabei die zwei grössten Marinas in Französisch Polynesien. Gegen 13:00 lassen wir umgehend unser Dingi ins Wasser, holen Andreas auf der nebenan liegenden KAMA ab und steuern den nahen Pier der Marina an. Und einmal mehr kommt es hier in der Südsee zu einem unverhofften Wiedersehen! Denn kaum setzen wir unsere Füsse auf festen Boden, da stehen doch vor dem Yacht Office, es ist kaum zu glauben, unsere Bekannten Gilles&Claudia vor uns!? Mit ein einem Schmunzeln denke ich gleich als erstes, ja sind denn die beiden nun wieder beisammen, nachdem sie sich doch vor ein paar Wochen auf Rangiroa - mal wieder getrennt hatten! Aber klar doch, auch Langfahrtensegler sind ganz normale Menschen und so bahnt sich da schon die einte oder andere spannende Lovestory mit oder ohne Tränen an! Somit freuen sich Sandra und ich in diesem Moment vor allem auf das Wiedersehen mit der uns nahestehenden Claudia. Dies seit ihren unter Mobbing verbrachten Wochen auf der Shipyard von Atuona, wobei Sandra und ich sie damals vor noch grösserem Ungemach beschützen konnten. Aber Sandra und mir kommt Claudia nicht gerade überglücklich vor und sie hat nach unserer Einschätzung auch noch etwas ihres eh nicht so grossen Körpergewichts verloren. Natürlich werden gleich die aktuellen Facts ausgetauscht und so erfahren wir, dass die beiden schon morgen Papeete verlassen werden. Gilles wird dann seinen Catamaran Siloe Bone in einer kleinen Marina, im E von Raiatea, an einer Mooring parkieren um anschliessend für einen Aufenthalt von zwei Monaten nach Hause nach Frankreich zu fliegen. Claudia wird dann während dieser Zeit einmal mehr die Siloe Bone hüten. Da nun Sandra in der nächste Woche ihren 3Monats-Heimaturlaub in die Schweiz antritt, musste ich Claudia versprechen, dass ich nach dem Heiva-Festival von Papeete sie gegen Ende Juli in Raiatea aufsuchen werde. Okay, ihr zu liebe werde ich das einplanen, da ich dann nach Moorea eh auch Raiatea anlaufen werde.
Beim anschliessenden Besuch des Marina Offices betreute uns die sehr sympathische junge Tahitianerin Maru, die nach einem Blick auf unseren Flaggenschein mit unserem aufgeführten Heimathafen Basilea/Suisse schmunzelnd erwähnt, dass sie mit einem Genfer befreundet sei! Und ich konnte wieder mal nicht anders und musste dieser jungen Strahle-Frau - mit „You must be the sunshine of the marina!“ einfach ein KompIiment machen! Natürlich erfolgt gleich der mit einem Schmunzeln begleitende Kommentar von Sandra: Er kann‘s nicht lassen, einfach typisch Papi! Aber zu meiner Freude erwidert Maru, ob wir‘s glaube oder nicht, ihr tahitischer Name bedeute übersetzt wirklich „sunshine“! Wow, da habe ich ja doch einen Volltreffer gelandet! Aber trotzdem musste auch ich schön brav unsere Mooring, vorerst bis zum 12. Juli, bezahlen. Sie erwähnt dann noch so nebenbei, dass die von uns besetzten Moorings eigentlich Jahresaufenthaltern fest zu stehen. Vermutlich seien aber diese Segelboote gerade auf längeren Segeltörns und wir sollen erstmal so liegen bleiben. Sollte aber einer dieser Mooring-Mieter zwischenzeitlich zurückkehren, müssten wir halt an andere freie Mooring‘s wechseln. Ich werde nach dem Heiva-Festival eh entscheiden, ob ich um all meine hier eingeplanten Arbeiten abzuschliessen, noch eine oder auch zwei Wochen verlängern muss. Andreas, der in neun Tagen für einige Wochen nach Deutschland zurück fliegt, bezahlte seine Mooring gleich bis Ende August. Ergänzend gibt uns Maru noch einige Infos über die Marina weiter und erwähnt, dass es auf dem Gelände zwei Restaurants gibt. Dies mit den Namen Pink Coconut und Casa Bianca, wobei sie uns zum Essen das letztere empfehlen würde. Und zu guter Letzt muss sie uns leider noch mitteilen, dass die Marina ihren Kunden keinen WiFi-Anschluss zur Verfügung stellen könne. Dies da infolge der über 200 sich hier konzentrierten Yachten die Verbindung unweigerlich abstürzen würde! Somit müsse sie uns an die zwei kleinen Restaurants im nahen Carrefour oder gar an die besseren Möglichkeiten in Papeete verweisen, das mit dem Linien-Bus in etwa 30 Minuten erreicht werden könne! Anschliessend unternahmen wir gleich mal zusammen einen Rundgang durch die sich wirklich einladende Marina und bestaunten einige der hier liegenden Superyachten. Auch erblickten wir an einem Schwimmsteg die Scallywag der Schweizer Roland&Angela, von denen wir uns im Mai in Taiohae auf Nuku Hiva verabschiedet hatten. Die beiden sind mit dem ARC unterwegs und hatten sich vor kurzem entschieden, hier im unvergleichlichen Segelparadies von Polynesien eine 1jährige Unterbrechung ihrer Weltumseglung vorzunehmen. Die beiden sind derzeit noch auf Schweizer Heimaturlaub und werden im August wieder auf die Scallywag zurückkehren um dann wieder weiter durch FP zu cruisen.
Wir drei kehren aber bald im Casa Bianca ein und da es bereits auf 17:30 zugeht, entscheiden wir uns hier zusammen Pizzas zu essen. So geniessen Andreas und ich vorher zum Apéro unsere kühlen Hinano’s, während dem sich Sandra an einem Maitai Tahiti, ist irgend so ein Longdrink, erfreut. Und auf einmal erspähe ich durch die tief hängenden Palmenzweige wieder einige uns bekannte Gesichter! So kommt es heute zu einem weiteren überraschenden Wiedersehen, diesmal mit unserer lieben Schweizer Maya-Crew, der Familie mit Herbert&Asma sowie ihren Buben Adam und Sämi! Während einem kurzen small talk, sie werden hier gleich anschliessend ein befreundetes Segler-Paar zum Abendessen treffen, erfahren wir, dass sie in der City Marina von Papeete an einem Schwimmsteg liegen. Und da morgen Herbert seinen Geburi feiert, vereinbaren wir uns gegen 11:00 zu einem kleinen Umtrunk bei ihnen auf der Maya zu treffen. Ja, verflixt nochmal, wer trudelt denn hier wohl noch als nächstes ein!? - Schmunzel, schmunzel! Bald werden uns die gut aussehenden und uns dann auch bestens schmeckenden Pizzas serviert. So um 21:00, nachdem auch ich mir wieder mal einen Margherita genehmigte, verliessen wir das Casa Bianca und machten uns auf den Weg zurück zum Dingi. So bestieg Andreas bald wieder seine KAMA und Sandra und ich tuckerten noch zur KYORY hinüber und platzierten das Dingi, wie immer nachtsüber, an der STB-Reling und nach wenigen Minuten suchten wir nach einer kurzen Katzenwäsche unsere Kojen auf!

Am Dienstag, 13.Juni holen wir um 10:00 Andreas bei der KAMA ab und fahren mit dem Dingi wieder hinüber zur Marina-Pier. Dann geht es quer durch die Marina zur gleich angrenzenden Küstenstrasse hinauf, wo wir bei der Haltestation auf den nächsten Bus warten. Zum Tahiti-Bussfahrplan halte ich nachfolgend die wichtigsten Punkte fest:  1. Es gibt keinen Fahrplan mit Zeitangaben. Manchmal wartet man 10 Minuten oder auch mal 30 Minuten bei einer Haltestation. 2. Der Bus verkehrt nur vom Montagmorgen bis Samstagmittag, dies von 06:00 bis gegen 19.00 und samstags nur bis 12:00. Abends sowie auch an Sonntagen oder Feiertagen - und von denen gibt es hier viele - fährt kein Bus. 3. Ein Ticket „Allez et retour“ nach Papeete kostet 3.40USD und ein „simple“ 2USD. Und da zB ein Taxi für den Weg nach Papeete tagsüber 20USD und nachts 30USD kostet, überlegt man es sich schon zweimal ob ein Stadt-Besuch an einem Weekend wirklich notwendig ist. Aber heute ist es zum Glück Mittwoch und bereits nach 15Minuten Wartezeit erreicht ein Bus unsere Haltestelle und los geht’s auf Papeete zu!

Hier schiebe ich nachfolgend meine inzwischen auf den Strassen von Tahiti persönlich gemachten Erlebnissen mit ergänzenden Infos ein. Zuerst zum öffentlichen Verkehr: Wie überall sonst auf der Welt, benötigen die Busse auch hier einen Chauffeur und das sind ohne Ausnahme wirklich alles freundliche und hilfsbereite Tahitianer - sogar eine Frau habe ich dieser Tage, hinter dem Steuer eines dieser meistens überalterten und klapprigen Ungetüme entdeckt! Hier führt zwischen der Marina und der Busstation eine 4spurige viel befahrene Strasse vorbei, über die erst noch zwei mit einer Lichtanlage  ausgestatteten Fussgängerstreifen führen. Und will man nun den bereits auf der gegenüberliegenden Strassenseite stehende Bus noch erreichen, kann man davon ausgehen, dass wenn der Fahrer einem gesehen hat, er sicher wartet bis man die Strasse überquert und in seinen Bus einsteigen kann. Wobei dies bei viel Verkehr jeweils etwas dauern kann! Und will man mal vor oder nach der nächsten Busstation aussteigen, egal was gerade für Verkehr vorherrscht, macht der Fahrer noch so gerne einen ausserplanmässigen Stopp und lässt einem bei der eh stets offenen Fahrertür aussteigen - oder umgekehrt auch unweit einer Haltestation auf Handzeichen einsteigen. Gleich noch ein weiteres Beispiel zu diesen einfach liebenswerten Chauffeuren: Ich hatte dieser Tage bereits über eine halbe Stunde an der Marina-Haltestation gewartet und als dann endlich ein Bus auf die Haltestelle zufuhr, hatte er mich doch der Chauffeur glatt übersehen und fuhr vorbei! Aber wenige Meter später stoppte der Bus - sicher hatten den Chauffeur Passagiere auf mich aufmerksam gemacht - gleich auf der Fahrbahn und ich konnte, ohne ein Hupkonzert der hinter dem Bus wartenden Autofahrer, beim lächelnden Fahrer noch einsteigen und bei ihm ein Ticket lösen! Und auch Jugendliche sind hier wohlerzogenen Bus-Passagiere wie folgendes Erlebnis aufzeigt: Bei einer Rückfahrt aus der Stadt zur Marina steige ich wie immer aus dem Bus aus und will gleich durch das gegenüber liegende Tor auf das Marina-Gelände eintreten. Da bemerke ich, dass der Bus nochmals angehalten hat und ein etwa 10jähriger Junge auf mich zu sprintet um mir fast verlegen mein von mir im Bus vergessenes Käppi zu überreichen! Ich kann mich nicht mal richtig bei ihm bedanken, denn schon rennt er zurück zum Bus, der auf ihn gewartet hat um gleich weiterzufahren! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich diese Situation auch in unserer Wegwerf-Gesellschaft Schweiz so abgespielt hätte!?        
Und wenn ich schon von den tahitischen Rittern der Strasse erzähle, muss ich an dieser Stelle unbedingt auch noch die hier am Verkehr teilnehmenden Autofahrer loben. Denn wenn ich zB bei wenig oder auch viel Verkehr vor einem Fussgängerstreifen stehe, kann ich mit Garantie zu 100% davon ausgehen, dass der erste sich nähernde Autofahrer seine Warnblinkanlage einschaltet und das Auto abstoppt. Auch die gleich hinter oder neben ihm fahrenden Autofahrer schalten automatisch ihre Blinkanlagen ein und ich kann Gefahrlos die Strasse überqueren. Dies passiert des Öfteren sogar bei mit Blinklichtanlagen ausgestatten Fussgängerstreifen, auch wenn dabei die Leuchtanzeige für uns Fussgänger auf Rot steht! Dabei haben die tahitischen Autofahrer einfach eine unglaublich stoische Ruhe weg. Denn ich habe seit den vier Wochen, die ich mich nun schon in Papeete aufhalte, noch nie eine Autohupe gehört oder einen nervösen oder gestressten Autofahrer erlebt! Der Verkehr fliesst einfach ruhig dahin und man hört auch nie, das in Europa meistens unter jungen Fahrern beliebte und laut röhrende und pfeifende Stop-and-go Macho-Gehabe! Ergänzend erwähnen muss ich noch die hier den Verkehrsteilnehmern vorgegebenen und auch strikte eigehaltenen Geschwindigkeitsbeschränkungen von 50km/h innerhalb und 60km/h ausserhalb von Ortschaften sowie 90km/h auf der Schnellstrasse. Diese doch tief angesetzten Geschwindigkeitslimiten, mit begleitend hohen Geldbussen bei etwaiger Übertretung, sind sicher mit ein Grund, dass ich bei diesen hier wirklich disziplinierten Autofahrern bis anhin  noch nie einen Unfall miterlebt habe.
Aber leider ist das allzu schnelle Wachstum über die vergangenen Jahre in Französisch Polynesien nicht spurlos an den etwa 270.000 Bewohnern auf den 118 Inseln vorbeigegangen. Wobei der Grossteil, rund 140.000 dieser Einwohner auf Tahiti leben. Dabei kommt vor allem in dem über die letzten Jahrzehnte explosionsartig gewachsenen Papeete der Wohlstand zu Tage. Es verkehren neben zu grossen 4Wheeler-Pickups, sogar US-Hummer sind dabei, auch einige brummelnde Harleys auf den eigentlich nur wenigen Kilometern befestigten  Hartbelagstrassen. So ist verständlich, dass früh morgens und am späten Nachmittag, die Geschäfte schliesse hier bereits um 16:00, kilometerlange Staus entstehen. Denn die meisten Leute die in der Stadt arbeiten, wohnen ausserhalb und pendeln über beträchtliche Entfernungen. - Aber so oder ähnlich präsentiert sich ja die gleiche Problematik auch bei uns zu Hause um die grösseren Städte!

So, nun aber wieder zurück zu unserem ersten am 13. Juni gemeinsam mit Andreas verbrachten Tag in Papeete. Die weitere Busfahrt geht gemächlich der Küste entlang und nach der Vorbeifahrt oberhalb des internationalen Airports erreichen wir um 10:45 die City von Papeete. Diese Haltestelle liegt nahe der City Marina und etwas unterhalb der Markthalle an der Seestrasse. Für heute haben wir uns nach dem Besuch auf der Maya vorgenommen, das kleine Städtchen mal näher kennenzulernen und gewisse Shipchandler und Werkstätten aufzusuchen. Dabei haben wir bereits im Vorfeld in einschlägigen Internet-Foren von Seglerkollegen entsprechende Adressen ausfindig gemacht. So zB im bestens recherchierten Jacaranda-Blog unter Chucks Papeete Guide „tahiticruisersguide.com“.  - Lieber Chuck, auf diesem Wege einfach ein grosses Dankeschön für alle deine für uns Langfahrtensegler erarbeiteten und sehr hilfreichen Beiträgen in deinem Blog!
Als erstes führt uns jetzt der Weg zur City Marina, wobei wir aber uns unterwegs noch bei zwei kleinen Shops ein wenig umschauen und es so bald auf 12:00 zugeht. Also ziehen wir Trödler nun zügig los zur City Marina, wo wir von der Gittertüre des abgeschlossenen Zugangsbereiches stehend, bereits die an einem Schwimmsteg liegende Maya ausmachen können. Und bevor wir überhaupt dazu kommen übers Handy bei den Maya's Zutritt zu wünschen, wurden auch wir bereits entdeckt und schon düsten die Maya-Jungs Adam und Sämi auf uns zu, um für uns mit ihrer Chipkarte die Gittertüre zu öffnen! Und nach wenigen Schritten entern wir wieder die Maya, wobei wir herzlich von der wie immer aufgestellten Asma empfangen werden und wir auch gleich Herbert zu seinem heutigen Geburi herzlich gratulieren können! Dies im Wissen, dass die Maya-Familie eine Einladung auf 13:00 bei einem befreundeten Skipper-Ehepaar hat. Und am Abend feiert die Maya-Familie dann im schönen etwas Ausserhalb gelegenen Hotel Tahiti Nui und lassen sich dort, wieder mal in einem richtigen Bett schlafend, zwei Tage verwöhnen. Aber uns genügt heute Mittag diese eine Stunde, um mit Herbert und seiner Crew ein bisschen vor zu feiern und auch aktuellste News auszutauschen. Sie werden sich übrigens noch etwa zwei Wochen hier in der City Marina aufhalten, damit Herbert am Boot noch das einte oder andere Bobochen erledigen kann. Bereits hat er eine neue Druck-Wasserpumpe eingebaut und er konnte mir somit unsere ihm in Taiohae ausgeliehene Pumpe wieder mitgeben. Im Weiteren haben sie noch vor, um va auch die zwei kleinen Jungs zusätzlich zu fordern, vielleicht noch mit der ganzen Familie im Norden der Insel einen Surfkurs zu besuchen. Aber schnell ist natürlich eine Stunde vorbei und wir lassen die Maya-Familie weiter ihr Geburtstagkind feiern. Alsbald verlassen Andreas, Sandra und ich die Marina und begeben uns wieder über den Schwimmsteg zurück an Land.

So, nun suchen wir diesen Nachmittag erstmal den Schiffszubehörladen Nautisport auf, über den wir während unseren KYORY-Instandhaltungsarbeiten auf der Shipyard von Atuona viel Material, wie zB Farben usw bezogen hatten. Nach 20 Gehminuten erreichten wir diesen Shipchandler und wir lernten nun auch die sympathische Stimme des Nautisport-Mitarbeiters Jonas persönlich kennen, der uns im letzten Jahr, über Mail oder Telefon, immer so hilfsbereit bediente. Nachdem wir ein paar Kleinigkeiten eingekauft hatten, konnte er mir drei wichtige Adressen mit deren Kennzeichnung auf einer Citymap bekannt geben: Das ist ua die Servicestelle für mein Plastimo-Liferaft (arbeitet sogar mit Nautisport zusammen), der Yamaha-Werkstatt, um bei meinen Outboarder neue Gaskabel einzuziehen sowie der Sopom, die hoffentlich meinen Anlasser reparieren kann, damit ich auf der KYORY wieder einen in Reserve habe. Aufgrund dieser von Jonas erhaltenen Infos entscheide ich, Morgen übers Handy mit der Plastimo-Servicestelle einen Termin zu vereinbaren und heute erstmal die nahen Läden der Sopom und Yamaha aufzusuchen. So verweist uns kurz darauf Bruno von der Sopom weiter an die Enipac, die hier in Papeete als einzige Werkstatt Anlasser repariert. Sollte aber mein Anlasser nicht mehr zu reparieren sein, offeriert mir Bruno einen neuen Anlasser zu 950USD, wobei er mir bereits die Tax über 350USD abgezogen hat! Verrückt diese Preise hier, denn in der Schweiz würde ich sicher nicht mehr als 500USD für einen solchen Anlasser bezahlen. Ich werde dann Morgen bei unserem zweiten Aufenthalt in der Stadt mit dem Anlasser bei Enipac vorbeischauen. Nun suchen wir noch den Yamaha-Laden auf um die Reparatur meines 38jährigen (!) - und still going strong laufenden Yamaha-2Takt-Outboarders zu organisieren. Im Ersatzteil-Büro kann ich dann aufatmen, denn Yamaha Japan kann für meinen doch ins Alter gekommenen Outboarder noch die kompletten zwei Bowdenzüge mit Gashebelstange/Quadranten ausliefern! Dabei überrascht mich, dass für diese Ersatzteile nur Kosten von 35USD anfallen. Leider wird diese Lieferung aber erst in etwa zwei Wochen hier eintreffen und man wird mich dann nach Ankunft der Ersatzteile per Mail informieren. Wenn es soweit ist, muss ich dann halt per Taxi meinen ca. 30kg schweren Outboarder hier bei Yamaha vorbei bringen. Am Tag drauf werde ich auch über Mail eine Offerte erhalten, was mich dann die Reparatur inklusive einem Service mit Austausch des Wasserpumpen-Impellers Kosten würde.
So, das wär‘s dann mal für Heute und zum Abschluss suchen wir gegen 17:30 das Bora Bora Lounge-Restaurant auf und gönnen uns hier ein Hamburger-z’Nacht, wobei sich speziell Andreas und Sandra gleich noch über die eingeläutete Happy hour erfreuen können! Aber bereits gegen 19:00 kehren wir mit dem letzten Bus in die Taina Marina zurück! Und eine Stunde später steigen wir wieder auf unsere Boote und vereinbaren auch morgen Vormittag erneut nach Papeete aufzubrechen!


Die Tage vom 14. - 16. Juni verbrachten wir drei dann mehrheitlich zusammen in Papeete. Am frühen Morgen des 14. Juni vereinbarte ich noch vom Boot aus übers Handy die Überbringung meines Liferafts auf den 20. Juni bei der Plastimo-Servicestelle in Arue, das etwas nordwestlich von Papeete liegt. Im Weiteren packte ich noch vor dem Verlassen der KYORY, den defekten Anlasser in meinen Rucksack, den wir nach unserer Ankunft in Papeete umgehend bei der Enipac-Werkstatt zur Reparatur vorbeibrachten. Der Anlasser wird nun dort zerlegt um nach der Fehlerquelle zu suchen. Man wird mich zu gegebener Zeit telefonisch informieren, welche Teile zu welchen Kosten über Sopom eingekauft und dann ausgetauscht werden müssen.
Am Nachmittag verbrachten wir fast zwei Stunden in einem Optikergeschäft, um für mich endlich wieder eine Variolux-Brille und eine Lesebrille auszusuchen. Dies war für mich eine langsam dringende Angelegenheit, da ich meine erst vor drei Jahren noch in Lanzarote gekaufte Brille aus Unachtsamkeit in der Bucht von Atuona versenkte. Und seit diesem Tage trage ich eine vor Jahren ausgemusterte alte Variolux-Brille, die aber verständlicherweise nicht mehr meiner aktuellen Sehstärke entspricht. Dadurch wird es mir schon hie und da es betzeli „Sturm“ vor den Augen oder ich bekomme Kopfweh! Wir suchten uns das nach unserer Meinung sich sehr gut präsentierende Optikergeschäft AlainAfflelou auf, um mir Brillengestelle auszusuchen. Dabei wurden wir von der sympathischen Marail, einer wirklich kundenorientierten Verkäuferin mit asiatischem Einschlag, bestens betreut. Sie erzählte uns dann, dass sie während dem grausamen Krieg in Kambodscha als Boat People mit ihrer Familie nach Frankreich geflohen waren und sie über 20 Jahre in Paris gelebt hatte. Dieser Optiker-Aufenthalt zog sich dann aber immer mehr in die Länge, weil Sandra oder auch ich bei dieser Anprobe vielfach ein Gestell in den verschiedensten Farben und Formen mit einem „au nei“ kommentierten. Dabei meldete sich aber auch Andreas schon mal unter Kopf schütteln oder nicken mit einem begleitenden Räuspern dazu! Nun irgendwann hatten wir es geschafft. Aber zu unserer Überraschung erwähnte Marail, das ich noch aus einer speziellen Gestell-Serie, ohne Kostenfolge, ein weiteres Gestell aussuchen könne, wobei dann auch gratis Variolux-Gläser eingebaut würden. Wow, die ist eine wirkliche Überraschung und Sandra überzeugt mich, nun doch mal ein etwas poppigeres Gestell auszusuchen. So kam ich dann noch, neben den schon ausgewählten Seh- und Lesebrillen, zu einer weiteren schwarz/roten Brille! Abschliessend empfahl Marail  mir noch, für das Erstellen des Sehschärfe-Rezeptes, den nur eine Querstrasse von hier entfernte Augenarzt Dr. Fallevoz, sei die Kapazität in Tahiti, aufzusuchen. Das von ihm ausgestellte Rezept könne ich ihr dann nach diesem Besuch vorbeibringen. So suchten wir zusammen die Praxis von Dr. Fallevoz auf und ich konnte am Empfang einen Termin auf morgen Vormittag vereinbaren.
Gleich danach steuerten wir noch das auch hier im Zentrum befindliche Medizin-Labor an, die mir für einen Gesundheits-check-up umgehend einige Ampullen Blut abzapften! Und bereits in zwei Tagen kann ich die ausführlichen Resultate abholen und auch besprechen.
Bei unserem zweiten Papeete-Besuch vom 15. Juni suchten wir als erstes den Augenarzt Dr. Fallevoz auf und nach kurzer Wartezeit war ich dran. Bevor er aber mit den diversen Tests zur Sehschärfen-Beurteilung anfing, untersuchte er noch im Detail mein rechtes Auge, denn schon über ein Jahr kratzt mich was unter dem Augenlied. Wohl untersuchte dies noch in Atuona bei zwei Besuchen der Allgemein-Mediziner Dr. Chiu, aber er entschied dann doch, mich an einen Augenarzt in Papeete zu überweisen. Dr. Fallevoz findet nun eine kleine Vernarbung auf dem Augapfel und er empfiehlt mir während den kommenden drei Monaten meine Augen mit einer speziellen Flüssigkeit 2x täglich auszuspülen. Nach seiner Einschätzung sollte dann diese Vernarbung sukzessive wieder verschwinden. Er verschreibt mir dazu ein entsprechendes Rezept und ich werde gleich morgen mit dieser Behandlung beginnen. Dann händigt er mir nach den Sehtests auch noch das Brillenglas-Rezept aus. Dies mit Korrekturen von R +1.00 und L +1.75. Dabei wünscht er aber, dass ich noch bei Dr. Lerosier, einem Spezialisten bei Sehstörungen vorbeischaue, da er bei meiner Weitsichtigkeit irgend eine Pupillen-Überlagerung oder was auch immer festgestellt habe. Beim Verlassen der Praxis schreibt mir die Dame am Empfang noch die Tel.-Nr. von Dr. Lerosier auf.  
Umgehend überbringe ich das von Dr. Fallevoz erhaltene Rezept für die Brillengläser an Marail im AlainAfflelou-Optikergeschäft. Auf ihren Wunsch hin, setzte ich mich nochmals kurz hin, denn sie kennzeichnet aufgrund des Rezeptes gleich noch die Variolux-Grenzen ab. Will heissen, dass der obere Brillenglasteil für die Ferne bestimmt ist, der mittlere Teil auf die Laptop-Distanz und der untere Drittel für die Lese-Distanz eingesetzt wird. Nun weist mich Marail noch darauf hin, dass, da die Gläser in Frankreich geschliffen werden, sie mich dann in etwa drei Wochen kontaktieren werde, wenn die Brillen bei ihr zur Abholung bereit wären. Ich bedanke mich bei ihr nochmals ganz herzlich für ihre wirklich zuvorkommende Beratung und besorge mir in der Apotheke nebenan gleich noch die mir von Dr. Fallevoz verschriebenen  Ampullen mit der Augenspülflüssigkeit.  
Da Sandra ja am 18. Juni und Andreas dann am 21. Juni für ihre „Heimaturlaube“ in die Schweiz, respektive nach Deutschland fliegen, haben die beiden eingeplant, nun über die nächsten Tage hier in Papeete in aller Ruhe auf Einkaufstour zu gehen. Dabei wollen sie vor allem Geschenke für ihre Familien und Freunde zu Hause aussuchen. Ich bekam dann dabei schnell mit, dass die beiden eine sehr genaue Vorstellung hatten, was sie wem schenken wollen. Und da ja in diesem Inselreich die schwarzen Perlen gezüchtet werden, ist es nachvollziehbar, dass auch meine „Einkaufssüchtigen“ aus diesem riesigen Angebot sicher was um den Hals, die Ohren oder um das Handgelenk aussuchen werden.
Nachfolgend einige interessante und spannende Infos zu diesen „Juwelen aus dem Meer!“ Diese Perlen sind rund, oval, tropfen- oder zapfenförmig und im Durchschnitt 8 bis 18mm gross. Sie schillern in Farbnuancen, die mit cherry, sky, ocean, water green, aubergine, gold oder champagner beschrieben werden. Dann nennen die Experten ihre Oberflächenreflexion „Lüster“ und ihren aus der Tiefe dringenden Glanz „Orient“. Wir sprechen hier also von diesen schwarzen Perlen, die aber in Wirklichkeiten eben selten wirklich schwarz sind! Und diese wohl schönsten „Schätze der Südsee“ wachsen vor allem in den Gambier Islands, im SE des Tuamotu Archipels heran. Vor rund 100 Jahren gelang es dem Japaner Kichimatso Mikimoto, die erste erfolgreiche Methode zur Perlenzucht zu entwickeln. So wurde mittlerweile aus dem einst äusserst seltenen Naturprodukt ein sehr gut florierender und ertragreicher Produktionszweig. Dieser über die Jahre verfeinerte, komplizierte und im Detail arbeits- und zeitintensive Aufwand präsentiert sich in etwa wie folgt:
Die krustige Schale einer Perlauster wird mit einer Metallzange einen Zentimeter weit geöffnet, danach wird mit einem Skalpell das Lippengewebe aufgeschnitten und ein kleiner Fremdkörper, die Perlmuttkugel einer Süsswasser-Muschel, wird in den „Perlensack“ implantiert. Als Farbgeber setzt zuletzt der sogenannte Veredler noch ein Stück Fleisch einer anderen Auster ein. Um nun den Fremdkörper unschädlich zu machen, ummantelt ihn die Auster über die nächsten Jahre mit einem Perlmuttsekret - und so entsteht dann eine Perle! Aber, nur etwa 30% der so behandelten Austern liefern dann schlussendlich auch eine Perle und ca. 5% davon sind von höchster Qualität! Dagegen entsteht auf natürlichem Weg nur bei jeder 15.000sten Auster eine Perle! Dabei ist die Grundlage für die Bildung eines solchen „Juwels aus dem Meer“ reinstes Meerwasser und reichlich Plankton. Und das finden die Austern hier Mitten im Südpazifik von Französisch Polynesien eben mehr als genug.

Wenn man hier im südpazifischen Raum von Perlen spricht fällt immer wieder gleichzeitig der Name von Robert Wan - dem „Perlenkönig von Tahiti“. Und seine Lebensgeschichte gehört in Kurzform an dieser Stelle einfach dazu. Denn es ist die polynesische Antwort auf alle jene amerikanischen Tellerwäsche, die es zum Millionär geschafft haben. Und auch Robert Wan hat dies erreicht! Als siebtes von 13 Kindern einer armen chinesischen Einwandererfamilie beginnt er zunächst als Gelegenheitsarbeiter, verkauft später Autos und betreibt Nachtclubs. 1974 trifft er den japanischen Enkel von Mikimotos und danach geht alles sehr schnell. Robert Wan steigt unter grossem Risiko, mit all seinem Geld das er hat, ins Perlengeschäft ein. Und er baut mit „Tahiti Perles“ ein Imperium auf das seinesgleichen sucht. Heute ist er der „Perlenkönig von Tahiti“, besitzt mehrere Inseln, Luxus-Hotels, lukrative Immobilien, eine Fluggesellschaft, Schmuckboutiquen, Weinberge in Übersee…ja, die Perlen haben ihm Glück gebracht und er ist dadurch sehr, sehr reich geworden! Natürlich steht in Papeete auch ein Perlenmuseum und das gehört logischerweise wiederum…! 

So, nun wieder - mit vereinzelten „Schmunzel, schmunzel“ - zurück zu unseren „Perlen-Einkäufern“ Sandra und Andreas. Dabei kennt sich Andreas, da er schon vor einem Jahr als Gast auf einem Boot durch FP segelte, bei der Einschätzung der Perlen-Qualität verblüffend gut aus. Ob da vielleicht in ihm ein kleiner Robert Wan heran wächst? - Schmunzel, schmunzel! Dadurch konnte Andreas auch die Preise der angebotenen Perlen gut einschätzen und entsprechend verhandeln. So zogen die beiden über Stunden von Geschäft zu Geschäft oder hielten bei Händlern an der Strasse an und suchten vor oder in der grossen Markthalle die verschiedensten Verkaufsstände auf! Nein ich hatte damit keine Probleme, im Gegenteil fand ich es faszinierend, die beiden und die jeweiligen Verkäuferinnen (meistens, sicher aus Verkaufspsychologischen Gründen) zu beobachten, unter welcher Charme-Offensive und von welcher Seite auch immer, dann vereinzelt auch Geschäfte zum Abschluss kamen. - Schmunzel, schmunzel! Und ohne mich bei dieser Perlen-Geschichte gross auszukennen, finde ich, dass die beiden schon beim einten oder anderen Einkauf zu einem Schnäppchen kamen! Aber die zwei hatten nicht etwa vor, ihr Geld mehrheitlich für Perlen und weiteren Halsschmuck, auch aus Müschelis etc., auszugeben. Nein, es wurden auch aus dem vielseitig knallig farbigen Angebot von Pareos und Stoffen kritisch nach speziellen Einzelstücken gesucht und ausgewählt. Dazwischen legten wir auch hie und da zur Erfrischung eine kleine Pause ein und besuchten noch den offiziellen Hinano-Einkaufsladen „Brasserie de Tahiti“. Übrigens beschenkte auch ich mich, auf speziellen Wunsch von Sandra, mit einer an einer Lederschnur befestigten Perle, die nun um mein rechtes Handgelenk gewickelt ist! Und im Vergleich mit den von Andreas und Sandra eingekauften Perlen-Geschenken zu was auch immer für Preisen, musste ich für meine Geschenk sage und schreibe nur 5USD ausgeben! Aber das wichtigste dabei ist, Andreas und Sandra hatten es während diesen vergangenen Shopping-Tagen geschafft, alle von ihnen gewünschten Geschenke nun beisammen zu haben! - Uf und danke, danke, ich bin erlöst! - Ha, ha!
Somit setzten wir uns am Abend des 15. Juni verdientermassen auf dem Vaieta-Platz, direkt im Zentrum von Papeete am Wasser gelegen, an den Tisch von einem der etwa 20 hier stehenden Roulottes, der fahrbaren Essensstände. Dabei offerieren diese mobilen Garküchen schmackhafte Gerichte zu günstigen Preisen und das erst noch in einer Umgebung mit viel Atmosphäre. Nur gibt es bei den Roulottes leider keinen Alkoholausschank und so mussten wir uns wieder mal zum Essen mit Cola und Wasser zufrieden geben! - Schmunzel, schmunzel! Aber während wir uns genügend Zeit für unsere feinen Menüs nahmen, ich hatte Shrimps an einer sweet-sour sauce mit kantonesischem Reis, wurde ich wieder mal an meine „Rund-um-die-Welt Frachterreise 2008“ erinnert. Denn als ein junges Touristen-Paar aus Japan an unserem Tisch Platz nahm, musste ich als Japan-Liebhaber natürlich gleich mit den beiden zu quatschen anfangen. Das einte gab das andere und ein grosser Wunsch der beiden ist in Zukunft einmal die Schweiz zu bereisen. Und als dann die junge Japanerin erwähnte, dass sie in der alten Kaiserstadt Kyoto zu Hause sei, war das für mich das Stichwort. Nun musste ich ihr einfach von meinen im 10.2008 unvergesslichen in Kyoto verbrachten Tagen erzählen. Aber auch von meiner Langfahrt mit der KYORY, wobei ja dieser Bootsname eng mit meiner Lieblingsstadt Kyoto und dem dortigen Tempel Ryoan-chi verbunden ist. Verständlich, dass ihr bei einem von Sandra geknipsten Foto vor Rührung fast die Tränen kamen! - Ach, ich liebe einfach solch völkerverbindende Zufalls-Bekanntschaften!

Aber am 16. Juni erwartet uns abends nach unserer Rückkehr aus Papeete noch ein bisschen Knatsch! Aber nicht nur das, sondern mir als KYORY-Skipper passierte noch eine Unachtsamkeit, die böse Folgen hätte haben können! Und auch solche für mich unerfreuliche Erlebnisse unterschlage ich natürlich unseren Blog-Leserinnen und Lesern nicht! Ja, was ist den vorgefallen?
Nun der Auslöser dieser für mich wirklich blöden Geschichte ist, dass die von Maru vor vier Tagen mir gegenüber erwähnte Sache mit dem Mooring-Jahresmieter nun halt doch eingetroffen ist! Denn der Jahresmieter, dieser von uns mit der KYORY besetzten Mooring, ist heute Nachmittag frühzeitig von seinem Segeltörn zurückgekehrt. Und da seine Mooring von uns besetzt war legte er sich zwischenzeitlich mit knirschenden Zähnen an die Nachbar-Mooring, die auch einem Jahresmieter gehört. Natürlich war nach unserem Eintreffen erst mit ihm nicht gut Kirschen essen, aber bald beruhigte sich die Lage. Sandra und ich bereiteten natürlich die KYORY umgehend zum Verlassen dieser Mooring Boje vor, während dem Andreas mit seinem Dingi das langgezogene Mooring Feld absuchte, um für uns irgendwo eine unbesetzte Mooring zu finden. Ich verliess also diese sogenannte Jahres-Mooring und schlich mit der KYORY langsam zwischen den vielen hier an weitern Moorings liegenden Yachten vorbei, wobei Sandra auf dem Vordeck nach etwaigen Motus voraus Ausschau halten sollte. Als dann auf einmal Andreas, auf einer Distanz von etwas über 100m vor uns, mit fuchtelnden Armen auf uns zufuhr, dachte ich, dass er dort vorne eine freie Mooring gefunden hätte und konzentriert hielt ich über das Deck hinweg Ausschau nach eben dieser Mooring! Zum gleichen Zeitpunkt ordnete Sandra, neben ihren Ausguck-Pflichten, auf dem Vordeck die Festmacherleinen für das anstehende Mooring-Manöver. Und in diesem Augenblick knirschten und krachte es unter der KYORY! Verdammte Scheisse, das darf doch nicht passieren, ich bin wirklich auf ein Motu aufgefahren! Okay, passiert ist passiert! Unter zügiger Rückwärtsfahrt komme ich gleich wieder weg vom Motu und ich steuere dann mit einem kleinen Umweg auf eine von Andreas gefunden Mooring Boje zu. Natürlich möchte ich in diesem Moment gleich ins Wasser springen um zu checken ob der Kiel was abbekommen hat! Aber zuerst folgt nun das Mooring-Manöver, wobei wenigstens dies dann auch bestens klappt. So, die KYORY liegt sicher an der Mooring und Andreas ist schon zu uns ins Cockpit gestiegen. Ich kontrolliere gleich mal die Bilgen, um zu sehen ob eventuell irgendwo Seewasser eindringt. Ich kann zum Glück nichts entdecken und bevor ich zum Unterwasserschiff abtauche, reflektieren wir vorher doch noch kurz das Geschehene der vergangenen Minuten! Nun, zu diskutieren gibt es in einem solchen Fall eigentlich nichts, denn ich als Käpten trage auch bei einem solchen Vorfall die alleinige Verantwortung! Denn ich steuerte das Boot und hätte diesen auf der Chart des Plotters klar eingezeichneten Motu sehen müssen! Aber ich liess mich für einem Moment ablenken - und das genügte in diesem Fall - als Andreas mit fuchtelnden Armen auf dem Dingi auf mich zufuhr! Ich in der Annahme, dass er eine freie Mooring gefunden hätte - aber Andreas wollte mir nur „signalisieren“, dass ich verflixt nochmal abdrehen solle, um das von ihm schon vorher entdeckte Motu zu umfahren! Und Sandra kann ich auch keinen Vorwurf machen, denn auch wenn sie sich noch zusätzlich mit den Festmacherleinen beschäftigte, hätte sie vielleicht den Motu auch so nicht entdeckt, da ich die KYORY kurz vorher, beim Ausweichen einer auch an einer Mooring liegenden Yacht, auf einem grenznahen Kurs in den Sonnenuntergang hinein steuerte. So, aber nun tauchte ich endlich ins Wasser, um das Unterwasserschiff, dabei vor allem den Kiel, nach Schäden abzusuchen. Nach eingehender Kontrolle der möglichen Schadenstellen, dabei fuhr ich mit der Hand vor allem langsam den Schweissnähten des Kiels entlang, konnte ich aufatmen. Den Kiel habe ich darum genau kontrolliert, da ich ja damals in Griechenland den Original-Schwenkkiel abflexte und - im Einverständnis mit dem Bootsbau-Architekten in Frankeich - einen Kurzkiel anschweissen liess! Und nach dem Auftauchen konnte ich auch an Sandra und Andreas Entwarnung geben, denn ausser ein paar Kratzern am Kiel konnte ich wirklich keine Schäden feststellen! Somit hat die sehr robuste aus Stahl gefertigte KYORY, nach dem Tsunami-Abenteuer in der Bay von Atuona, auch diesen blöden Crash soweit unbeschadet überstanden! Als ich dann doch noch mit einem Hinano Andreas zuprostete meinte er: „Glaube mir, jedem Skipper ist bei der Fahrt in diesen Gewässern das gleiche auch schon passiert!“ Dies ist zwar kein Trost für mich, aber passieren darf mir sowas wirklich kein zweites Mal!  

Den 17. Juni verbrachten wir auf unseren Booten, wobei Sandra natürlich ua ihre Reisetasche packte und dabei entscheiden musste, was sie denn so für Kleider in die hoffentlich sommerliche Schweiz mitnehmen sollte. Nebenbei organisierte sie mir noch auf den 12. Juli einen Termin zur Zahnreinigung bei Dr. Brison in Papeete. Ich suchte dazwischen mal mit dem Dingi und drei leeren 20Ltr.-Kanistern die Marina-Tankstelle auf um etwas Diesel und Gasoline abzuholen. Anschliessend füllte ich den STB-Tank nach und mixte für den 2-Takt-Outboarder das Öl/Gasoline-Gemisch von 1:100. Auch liess ich am Nachmittag noch den Honda-Geni laufen, um unsere zwei Batterie-Bänke aufzuladen, wobei ich auch gleich noch den Watermaker mitlaufen liess. Dazwischen fanden wir noch Zeit um ein bisschen auf der KYORY zu relaxen, wobei Sandra einige Seiten im Kindle las und ich am Blog-Text weiter schrieb. Auf abends 17:00 hatte uns Andreas zu einem Apéro auf die KAMA eingeladen um noch zusammen unseren für drei Monate letzten gemeinsamen Südsee-Tag ausklingeln zu lassen. Dies ein bisschen früher als sonst, da Sandra und ich morgen früh um 05:30 aufstehen müssen, um auf den Airport zu fahren. Und Andreas wird ja dann auch bald, am 21. Juni, nach Deutschland fliegen. So verabschiedet sich Sandra ganz herzlich von unserem Freund Andreas und um 21:00 befinden wir uns schon in unseren Kojen. Und Sandra träumt dann sicher diese Nacht von den einten oder anderen herzerweichenden Wiedersehen in der Schweiz! - Schmunzel, schmunzel!
Am frühen Morgen des 18. Juni 2017 tuckern Sandra und ich bereits um 06:00, und erst noch ohne z’Morge, zur Marina-Pier, wo uns Liana mit ihrem von uns gestern Abend noch per Handy reservierten Taxi bereits vor dem Pink Coconut erwartet. Diese Fahrt zum Airport dauert zwar nur etwas über 10 Minuten, aber schnell kommen sich beim Quatschen Sandra und Liane näher und nachdem, warum auch immer, noch unser Alter ein Thema ist, bekommt Liana mit, dass ich in zwei Tagen was zu feiern habe. Somit verabschieden wir uns nach der Ankunft auf dem Flughafen Faa’a herzlich von Liana und bald stehen wir in der langen Schlange vor den Eincheck-Schaltern. Um 07:30 haben wir es geschafft und gönnen uns noch ein kleines Frühstück in einem der Restaurants. Ja und dann herzen auch wir uns zum Abschied auf Zeit und Sandra entschwindet nach wenigen Schritten durch die Türe der Passkontrolle! Somit erhält unser gemeinsames Segelabenteuer hier in Tahiti eine 3monatige Pause und ich freue mich bereits darauf, wenn sie am 16. September für unsere weitere Langfahrt wieder die KYORY entert! - Tschüs Sandra, ech wünsch dir en guete Flog i d’Schwiiz ond dänn au di’hei veli chlini Abentür!
Gleich anschliessend fahre ich mit einem anderen Taxi zurück zur Marine und tuckere mit dem Dingi wieder auf die KYORY zu - und ja, es ist an Bord ein bisschen ruhiger als sonst! - Schmunzel, schmunzel!
Okay, ich gebe es hier gerne zu und es ist sicher auch für Aussenstehende nachvollziehbar, wenn ich an dieser Stelle festhalte, dass das Bootsleben vor allem bei einem längeren Aufenthalt, wie hier über einige Wochen vor Papeete, zu zweit mit meiner Tochter Sandra schon mehr Spass machen würde! Aber auf der anderen Seite war ich schon über Jahre alleine mit der unverwüstlichen KYORY unterwegs und habe dabei um mich herum immer ein soziales Umfeld aufrecht halten können. Und so wird es auch wieder über die kommenden Monate auf Tahiti sein!
Dabei habe ich mir schon die vergangenen Tage einige Sachen im Kopf notiert, die ich in den vergangenen Monaten nicht immer meinen Vorstellungen entsprechend umsetzen konnte. So zB mich in der Freizeit endlich vermehrt dem Studium von Französisch und Englisch zu widmen sowie die von mir nicht immer vorbildlich durchgeführte Morgengymnastik und das abendliche Mental-Training nun wieder täglich abzuwickeln. Auch sollte ich in den nächsten Tagen endlich das zeitintensive und immer wieder aufgeschobene erfassen der restlichen Textblöcke für meinem KYORY-Blog abschliessen und diese dann mit ausgewählten Bildern auch freigeben. An dieser Stelle möchte ich einmal mehr festhalten, dass dieser Blog nicht nur den Ablauf und die Beschreibung meiner Langfahrt beinhaltet, sondern ich darin auch immer wieder meine persönlichen Empfindungen und Erfahrungen festhalte. Damit ist dieser KYORY-Blog für mich zusätzlich etwas mehr, als nur ein detailliertes Logbuch. Und dadurch verzichte ich auch auf das vor Jahren mal eingeplante spätere schreiben eines zusätzlichen Reisebuches mit Erlebnissen aus diesem Langfahrt-Abenteuer!

Wie schon an anderer Stelle in diesem Blog erwähnt, ist es bei längeren Aufenthalten auf der KYORY für mich wichtig, dass ich mich tagtäglich nach einem strukturierten Tagesablauf - vermutlich machen das viele Menschen so - richten kann. Das geht von gewissen Fix-Zeiten mit dem aufstehen, über die täglichen Essenspausen und dem sich abends spätestens ins Bett gehen. Auch halte ich jeweils abends noch auf einem Spickzettel fest, welche Arbeiten ich am Folgetag angehen und auch erledigen möchte. Natürlich bin ich aber schon genug flexibel und kann je nach Ereignis einen solchen Plan jederzeit umkrempeln. Wie, wenn zu meiner grossen Freude auch unangemeldet Seglerfreunde für einen Kurzbesuch an die Aussenwand KYORY klopfen oder ich realisiere, dass ich mal wieder eine kleine Schaffenspause einlegen sollte!
Demgegenüber lassen sich dann natürlich Segeletappen, die über einige Tage und Nächte führen, nicht mehr so klar voraussehen und planen. Wie zB erst vor einem Monat in Bora Bora passiert, als wir nachts vor dem Auslaufen noch den kaputten Anlasser austauschen mussten. Aber trotzdem versuchen wir auch auf See schon eine gewisse Ablaufstruktur aufrecht zu erhalten. Dies bei den Wache-Zeiten, bei Essenpausen oder Bootskontrollen usw.. Aber leider lassen uns Seglern dann die äusseren Umstände, wie die nicht immer den prognostizierten Wetterinfos entsprechend hohe Wellen und der Wind mit starken Böen oder auch nassen Squalls - mit den dann vielen notwendigen Segelwechsel - solche vordefinierten Pläne nicht mehr zu. Aber dass uns solche Ereignisse auf See nicht auf dem linken Fuss erwischen, umfasst unsere vor jedem auslaufen abgerufene Checkliste auch den folgenden Punkt: Die KYORY ist vor jedem Anker auf so herzurichten, dass sie auch eine unvorhergesehene Schlechtwetterzone jederzeit abwettern könnte.
Aber vor allem auch das Unvorhersehbare macht ja eine Langfahrt mit dem segeln durch die verschiedensten Klimazonen doch erst so spannend und Lebenswert! Und zu guter Letzt ist Hochseesegeln immer noch eine wirklich sportliche Angelegenheit mit vielen Entbehrungen, aber keine wiegt das Positive eines solchen Abenteuers auf See auf: In steter Umgebung von salzhaltiger Luft, stetiger körperlicher Betätigung und der Bewältigung von eigentlich nur positivem Stress treten bei uns selten bis nie gröbere Krankheiten auf. Und das nicht übertriebene zulassen von süssen Genüssen - Alkohol ist auf Segeletappen bei uns eh kein Thema - tut auch noch das seine dazu! Dafür erfreut sich der Geist und das Herz an der auf einer solchen Langfahrt einfach traumhaften und unvergleichlichen Natur sowie die vielen unvergesslichen Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung bei Ausflügen an Land! Und nicht vergessen kann ich natürlich an dieser Stelle auch die vielen geknüpften Freundschaften mit gleichgesinnten Langfahrtenseglern von überall unseres Planeten! Nein, um nichts in der Welt möchte ich derzeit dieses Leben mit der KYORY auf See - auch unter Berücksichtigung von jeweils so nicht immer eingeplanten und teuren Aufenthalten wegen technischen Problemen - aufgeben! Nun, solange es meine gesundheitliche und finanzielle Situation noch zulässt, möchte ich dieses von mir „Grufti“, mir selbst geschenktem Leben noch einige Jahre aktiv auf See verbringen! Und begleitend ist für mich nun auf diesem KYORY-Abenteuer eh das grösste Geschenk, dass meine Tochter Sandra mit mir auf noch unbestimmte Zeit durch die Wellen der Ozane ziehen wird!

<Den nun nachfolgenden Zeilen hatte ich eigentlich so gar nicht eingeplant und wollte diesen zum heutigen Zeitpunkt in dieser Form auch so nicht festhalten. Aber ich überliess dann meinen Gehirnzellen die Freiheit, mal einfach so weiter zu schreiben! Denn ich könnte ja jederzeit eingetippte Zeilen durch ein kurzes drücken der delete-Taste wieder löschen! - Schmunzel, schmunzel! Und so kam also dieser nachstehende Abschnitt, wobei ich schon früher mal Gedanken in dieser Richtung andeutete, nun konkret zustande und ich entschied mich ihn so im Blog zu belassen!>

Also sollte ich dann später auf dieser Langfahrt gar mal noch einen Bonus von mir zusätzlich zugestandenen Lebensjährchen erhalten, könnte ich mir einen mehr als nur glücklichen Lebensabschlussabend hier in der vielfältigen Natur, auf einer der unbeschreiblich schönen Inseln des Südpazifiks gut vorstellen! - Ups, spielt da etwa beim Abfassen dieser für mich einschneidenden Gedankengängen der nahende „Runde“ ein wenig mit!? Nein, denn daran habe ich beim niederschreiben dieser Zeilen wirklich nicht gedacht! Und die Überlegungen die mich zu diesem Entscheid führten sind nicht von heute auf morgen gefallen. Nein, denn schon gegen zwei Jahre, seit ich mich in Französisch Polynesien aufhalte, liessen mich diese Gedankengänge nicht mehr los und kamen immer wieder zu Tage! Dies aber unter Berücksichtigung der stetigen Ungewissheit, wohin mich denn diese Langfahrt mit der KYORY überhaupt noch hin führen wird! Mit dieser aber nun hier an dieser Stelle, von mir auf diese Weise erstmals so klar festgehaltenen Aussage, beantwortet auch die mir über die letzten Monate immer wieder gestellte Frage: „Ja, Franz, wie geht es denn in den kommenden Jahren weiter und wie hast du dir dann deinen Lebensabend eigentlich mal vorgestellt!“ Meine Familie und meine Freunde, die mich gut kennen, können meine hier so festgehaltenen Entscheide soweit sicher nachvollziehen und hoffentlich auch akzeptieren. Dies im Wissen, dass ihr Kommentar unisono in etwa mit den gleichen zwei Worten ausfällt: „Typisch Franz!“ Und diese lieben Menschen werden sicher auch verstehen, dass ich, wenn irgendwas Unvorhergesehenes hier oder zu Hause passiert, ich je nach Koordinaten meines jeweiligen Aufenthaltsortes dann nicht einfach so nach Hause fliegen kann!
- So, nun habe ich dieses, vor allem für meine Familie und nahestehenden Freunde, sensible Thema mal klar festgehalten! Meiner lieben Tochter Sandra gegenüber, habe ich bei längeren über die letzten Monate zwischen uns auf der KYORY geführten Diskussionen erwähnt, dass ich diese Zukunfts-Thematik bei nächstens sich bietender Gelegenheit im Blog so auch festhalten werde! - Uff!

Jetzt aber wieder zurück auf die KYORY und meinem aktuellen Leben vor Papeete auf Tahiti. Dabei haben einige Segler vor Wochen uns gegenüber bemerkt, dass auch wir uns beide oder ich dann alleine, sicher nicht lange vor Papeete aufhalten würden. Dies mit Bemerkungen, die Stadt ist zu beschäftigt, zu nervös, zu laut und entspreche uns Seglern so nicht den Vorstellungen einer Südseeinsel! Dem können wir mit vielen weiteren hier anwesenden Seglern nur widersprechen. Denn uns gefällt zur Abwechslung das pulsierende Leben dieser kleinen Stadt, die sich extrem sauber präsentiert, viele schöne Parks mit Grünflächen und geschichtsträchtigen Gebäuden und Plätzen ausweist. Und wenn die Tahitianer jeweils immer an einem Freitagabend nach Arbeitsschluss ab 16:00 auf „Friday night party“ machen, sieht man auch hier schon mal einen betrunkenen Insulaner!
Im Zusammenhang mit der KYORY verbrachte ich mit dem aufsuchen von diversen Shipchandlern und Werkstätten nun bereits einige Tage in Papeete. Aber auch Besuche in einer Druckerei, einem Schuhladen, einer Apotheke sowie bei Ärzten in einem Medizin-Labor, beim Augenarzt - ein Zahnarzt-Besuch folgt noch nach - und in einem Optikergeschäft waren dabei. Und meistens bei diesen Papeete-Aufenthalten loggte ich mich jeweils nach Möglichkeit in den Restaurants Le 3 Brasseurs oder der Bora Bora Lounge ins Internet ein. Und nebenbei versuchte ich auf der KYORY meine you have to do-Liste sukzessive abzubauen und schrieb viele weitere Blog-Texte über Word im Laptop. Nachfolgend nun hier einige in diesen vergangenen Wochen erlebten Geschichten und Erlebnissen in Papeete auf Tahiti!

So kam zB dieser Tage in Riesenschritten der ominöse Dienstag, 20. Juni 2017 auf mich zu! Denn es ergab sich aufgrund dessen, dass ich anno Domini am 20.6.1947 in Luzern das Licht der Welt erblickte, halt dieses Jahr einen Runden zu feiern habe. Und noch so gerne hätten nicht wenig meiner Seglerfreunde diesen 70zigsten mit mir gefeiert! Da ich aber inzwischen auf grössere solcher Feiern verzichte und sich die meisten meiner nahe stehenden Seglerfreunde nicht gerade in unmittelbarer Nähe aufhielten, feierte ich auf meinen Wunsch hin diesen Runden zusammen mit der 4köpfign Schweizer Familien-Crew der Maya und Andreas von der KAMA in der Bora Bora Loung von Papeete. Meine Tochter Sandra hat übrigens damals beim buchen ihres Fluges per 18. Juni in die Schweiz nicht realisiert was sie da verpasst! Und als ihr Abflugdatum so dann feststand, konnten wir beide darüber einfach nur schmunzeln! Aber ich konnte es dann doch nicht verkneifen, ihren von mir viel gehörten Spruch mal umzudrehen in: „Typisch Sandra!“  - Ha, ha! 
Aber bevor ich nun etwas von diesem Abend erzähle, halte ich mal einfach diesen heutigen mit einigen Terminen befrachteten Tagesablauf fest, der nun halt zufälligerweise auch mein Geburtstag ist.
Um 09:00 traf ich mich mit Andreas auf der KAMA, der mir natürlich als erstes zum Geburi gratulierte. Aber das war nicht der Grund meines Besuches, sondern wir hatten gestern vereinbart, dass ich ihm beim Ausmessen der neuen Wanten behilflich sein werde. So sicherte ich ihn zusätzlich mit einem Fall bei seinem Aufstieg in den Masttop. Unsere Ausmesserei war noch nicht ganz zu Ende, da tauchten in einem Dingi die Schweizer Thomas&Anja von der Robusta, in Begleitung eines weiteren Schweizers auf - und was ja zu erwarten war, sangen sie mir ein Happy Birthday! Die Robusta liegt übrigens seit einigen Tagen im NW vor dem Yacht Club vor Arue. Natürlich luden wir sie, nachdem wir unseren Mess-Job beendet hatten, auf die KAMA ein und wir prosteten uns zu - dies mit Wasser oder was es auch immer zu so früher Morgenstunde war! Kurz vor 10:00 tuckerte ich dann mit Thomas im Dingi zur KYORY und er half mir, das gut 40kg schwere in einem Hartschalenkoffer verpackte Plastimo-Liferaft ins Dingi zu hieven. Bevor wir mit dem Dingi zum Marina-Pier hinüber tuckerten, bestellte ich noch übers Handy auf 10:30 Liana mit ihrem Taxi zum Pink Coconut. Als wir dort ankamen wartete bereits Andreas auf uns und bald kam auch Anja dazu. Und pünktlich fuhr Liana vor dem Restaurant vor, aber bevor wir das Liferaft ins Taxi verladen konnten herzte sie mich und gratulierte mir zum heutigen Geburi! Da bin ich aber Paff, erinnere mich aber als Liana vor zwei Tagen Sandra und mich frühmorgens zum Airport transportierte, wir uns so nebenbei auch über unser Alter unterhalten hatten! Und sie hat dies wirklich nicht vergessen, denn sie wusste ja auch nicht, dass ich sie heute für eine Taxifahrt anrufen würde! Dies ist einfach wieder eine kleine Geschichte mehr von diesen einfach liebenswerten Tahitianern! So, nun ging es aber mit vollem Wagen gleich los nach Papeete hinein. Im Zentrum verliess dann Anja das Taxi um einige Besorgungen zu erledigen. Auf halbem nach Arue besorgte sich Thomas bei einem Kühlschrankladen noch einen neuen Kühlbox-Thermostaten. Und um 11:15 erreichten wir das Plastimo-Servicecenter wo wir vom Chef Aldo herzlich begrüsst werden. Er erfüllte mir dann meinen schon seit Jahren gehegten Wunsch mal bei der Öffnungs-Auslösung eines Liferafts dabei sein zu können. Und kaum zog einer seiner Mitarbeiter an der Auslöseleine, dies geschieht in einem Ernstfall sobald das Liferaft sich im Wasser befindet, entfaltete sich das Liferaft zu seiner vollen Grösse, wobei nun nur noch die mit Reisverschlüssen versehenen Dachteile geschlossen werden müssten. Aber nun mal im Ernst, dieses vor uns liegende doch kleine Liferaft ist für die Aufnahme von sechs Personen (!) konzipiert und auch bewilligt. Jetzt stelle ich mir mal die Insel mit sechs Personen vor, wo nach meiner Einschätzung die Platzverhältnisse nur schon bei zwei Personen sehr eng sind! Nun, in der heutigen Zeit geht man davon aus, dass im Normalfall aufgrund der elektronischen Alarmmöglichkeiten, sich dann so gerettete Personen nicht mehr länger als vielleicht eine Woche in einer solchen Rettungsinsel würden aufhalten müssen. Interessant ist noch zu sehen, welch zusätzliche Ausrüstung solche Hochsee-Liferafts standardmässig noch beinalten, die ich hier gleich mal aufführe:                   
Notausrüstung:
1 Treibanker
1 Wurfring mit Leine
1 schwimmfähiges Messer
1 Ösfass
2 Schwämme
2 Paddel
1 Reparaturkit
1 Gebrauchsanweisung
1 Überlebenshandbuch
1 Blasbalg
Signalausrüstung:
1 wasserdichte Taschenlampe
2 Ersatzbatterien dazu
1 Ersatzglühlampe dazu
2 Fallschirmraketen
3 Handfackeln
2 Leuchtstäbe
1 Signalpfeife
1 Signalspiegel
Arzneimittel:
36 Tabletten gegen Seekrankheit
1 Kotztüte
Notverpflegung:
1 Regenwasser-Sammeleinrichtung

Neben dieser standardmässigen Liferaft-Ausrüstung sind in der vorderen  BB-Backskiste der KYORY noch zusätzliche Gegenstände gelagert, die bei einem etwaigen übersteigen ins Liferaft, von uns in einem wasserdichten 50Ltr.-Aufbewahrungsbehälter, einem Signalkoffer und vier Trinkwasserbehältnissen ergänzend mitgenommen würden. Darin enthalten sind unter anderem:
50Ltr.-Aufbewahrungsbehälter:
1 Satelliten-Telefon
1 mein persönliches Mobile Phone
1 Sandras persönlicher iPod
2 GPS-Geräte
1 iPad mit Navionics Charts
1 Universal-Solargerät zum beladen
   oben erwähnter elektronischer Geräte
1 LED-Taschenlampe bis 800m
- diverse Ersatzbatterien
1 Erste-Hilfe-Kasten
2 Kälteschutzdecken
- diverse persönliche Arzneimittel
- diverse Verpflegungsrationen
Signalkoffer:
1 schwimmender Rauchsignaltopf
6 Leuchtstäbe
12 verschiedene Handfackeln und
      Fallschirm-Signalraketen
Wasserbehältnisse:
4  5Ltr.-Wasserkanister
Da staunen doch sicher die Nicht-Segler unter den Blog-Leserinnen und Lesern, was da in einem Notfall so alles in einer Rettungsinsel noch zusätzlich mitgeführt wird!

Leider muss mir dann aber Aldo, der Inhaber Liferaft-Servicestelle, noch mitteilen, dass neben dem 3Jahres-Service, der etwa 600USD kosten würde, nun diesmal auch die nach 10 Jahren (Produktionsjahr des Liferafts) fällige Kontrolle der 6.5kh schweren CO2-Patrone vorgenommen werden muss. Somit werde sich dann dieser Service auf etwas über 1‘000USD belaufen! Einfach verrückt diese Kosten, aber ich habe ja wohl oder übel in den sauren Apfel zu beissen. Denn im Oktober muss ich beim erneuern des Schweizer Flaggenscheins (Bootsausweis) nachweisen, dass dieser Liferaft-Service ausgeführt wurde! Aldo teilt mir dann noch mit, dass ich das gewartete Liferaft in etwa zwei Wochen bei Nautisport abholen kann.

So besteigen wir um 11:30, ohne Thomas, da seine Robusta hier vor Anker liegt, wieder das Taxi und Liana fährt uns noch bis zur Zollbehörde, die etwas entfernt vom Zentrum auf der mit einer Brücke verbundenen Motu Uta liegt. Also frage ich Liana nach dem Betrag für diese gut 2stündige Taxifahrt, die sicher über 20Km führte. Liana meinte dann, dass sich diese Fahrt wohl auf 80USD belaufen würde, ich aber heute ihren speziellen Geburi-Bonus erhalte und ihr nur 40USd bezahlen müsse! D’Liana esch eifach en Schatz und so erhält sie von mir auch einen Bonus von nochmals drei Wangenküssen! Andreas und ich betreten dann die Zollbehörde und können uns ohne Probleme das für 6 Monate gültige Papier für „Zollbefreites betanken von Yachten auf Transit“ unentgeltlich besorgen. Beim vorzeigen dieses Papiers können wir Segler an den Marina-Tankstellen, wie auch an einigen Auto-Tankstellen, den Diesel um etwa 40% günstiger einkaufen!
Gleich anschliessend suchen wir die im Gebäude gegenüber domizilierte Sailtech auf, wo sich Andreas über das reparieren seiner Genua informiert. Auf meine Frage ob sie auch meinen Dingi-Cover und den Lazyjack-Bags neu vernähen würden, erhalte ich eine negative Antwort, da sie nur im Segelbereich tätig seien. So schlendern Andreas und ich wieder auf die Verbindungsbrücke in die City zu und machen auf dem Weg dorthin um etwa 13:00 noch einen „Boxen-Stopp“ bei einem parkähnlichen Platz mit vier Roullotes! Leider sind die Fische schon ausverkauft und ich bestelle mir ausnahmsweise wieder mal ein Steak mit Pommes. Aber eben, ich sollte hier einfach, auch wenn ich keine Zahnprobleme habe, auf solche dünnen und zähen Steaks verzichten. Immerhin waren dann die Pommes wirklich frisch und mein Hunger war mit zusätzlich eingesetztem Ketchup gestillt! - Schmunzel, schmunzel! Dann telefonierte ich noch gleich dem Nähshop „Couture-Sellerie“ von Isabelle+Veronique, wobei Isabelle am 23. Juni auf der Marina vorbeikommt und mir nach dem begutachten meines defekten Dingi-Covers und Lazyjacks in etwa den Preis für eine Reparatur nennen wird. Und schon marschieren wir zurück in Richtung Zentrum und schauen bei der am Weg liegenden Enipac vorbei, um nach dem Zwischenstand meines mit neuem Relay auszurüstenden  Anlassers nachfragen. Aber der uns bekannte Mechaniker zuckt mit den Achseln und meint ich solle gegen Ende Woche nochmal nachfragen. Weiter geht es dem Boulevard Pomare (Seestrasse) entlang und ich suche kurz die Bora Bora Lounge auf und reserviere auf heute Abend 18:00 bei Tiare, der Tochter des Inhabers, einen Tisch für sechs Personen und bestelle gleich für uns alle das Tagesmenue „Rindsvoressen mit Gemüse, Reis“. Umgehend schlendern wir weiter auf der Seestrasse und betreten noch eines der Uhrengeschäfte mit dem Namen Michel, wo ich meine fünf im Rucksack mitgebrachten kaputten Uhren gerne überprüfen lassen möchte. Meine teure Citizen-Taucheruhr musste ich übrigens Sandra mit in die Schweiz geben, da es in Papeete verständlicherweise keine Citizen-Servicestelle hat. Auf einem Boot ist übrigens das Risiko gross, dass bei den verschieden Handarbeit-Jobs eine Uhr schnell mal wegfliegt oder man sich sogar damit verletzen kann. Somit habe auch ich, wie die meisten anderen Segler auch, über die vergangenen Jahre keine Uhren mehr getragen. Nun überlasse ich es dem aufgestellten spanischen Uhrenmacher, ein gebürtiger Madrilene, ob er die einte oder andere Uhr überhaupt wieder zum Ticken bringen kann. Zusammen, es kam noch eine einheimische Verkäuferin dazu, hatten wir auch in diesem Uhrengeschäft wieder einigen Spass und bald wussten auch sie, dass ich heute noch was zu feiern habe. Nach einer halben Stunde hatte der spanische Torero all meine Uhren durchgecheckt und er klärte mich wie folgt auf: Eine Billiguhr und eine Junghans könne ich gleich entsorgen. Wieder zum Laufen brachte er eine spezielle Sportuhr mit Pulsmesser sowie zwei noch schöne Maurice Lacroix-Uhren. Das alles kostet mich für drei Batterien, zwei Mini-Schräubchen und seine Arbeitszeit 40USD. Aber - richtig geraten - auch diese Verkäuferin gewährt mir doch glatt auch einen Geburi-Bonus und ich muss nur 20USD bezahlen! Noch so gerne verschenke ich auch ihr drei meiner heute gut ankommenden Wangenküsse! Ja, so langsam bin ich aber, wie auch Andreas, wirklich sprachlos! Da sehen mich diese beiden Angestellten heute zum ersten Mal und gleich profitiere ich auch hier von deren Liebenswürdigkeit! Wir schlendern dann noch etwas weiter der Strasse entlang und als Andreas einen Ukulelen-Spieler entdeckt, der auch Ukulelen zu 150USD verkauft, kommt ihm in den Sinn, dass er einer Seglerkollegin zu Hause versprochen  hat, ein solches tahitianisches National-Instrument mitzubringen. Wir lassen uns von ihm alle fünf zum Verkauf dargebotenen Ukulelen von Ihm vorspielen. Und nachdem wir „ehemaligen Mitglieder der Wiener Philharmonie“ auch noch ein bisschen an den Saiten zupfen, sind wir überzeugt die richtige Ukulele ausgewählt zu haben. Was mich dann aber scho es betzeli nervt ist, dass Andreas - ohne heute Geburtstag zu haben - von diesem Strassenmusikanten nun auch noch einen Bonus von zwar nur 10USD erhält! - Schmunzel, schmunzel!

Nun zeigt mir eine nun an der Hand getragenen Uhr an, dass es auf 17:30 zugeht und so kehren wir die etwa 100 Meter zurück ins BBL-Restaurant. Dort angekommen beschenke ich uns erstmal mit einer Stange Hinaio Blond. Beim dann mit Andreas kurzen resümieren des heutigen Tages stelle ich mit Genugtuung und ein bisschen Müdigkeit fest, dass ich heute sieben Besuche/Termine wahrnahm - und das erst noch an meinen Geburtstag!
Aber das ist Vergangenheit, denn mit dem baldigen Eintreffen der Maya-Crew wollen wir diesen Abend hier noch ein wenig Spass haben! Und um Punkt 18:00 trudeln Herbert&Asma mit Adam und Sämi in der BBL ein und wir begeben uns an den reservierten Tisch in den hinteren Teil des Restaurants. Gerne nehme ich auch von ihnen die Gratulationen entgegen und Asma beschenkt mich mit einem selbst zubereiteten Geburi-Kuchen! Aber auch Adam und Sämi erfreuen mich mit ihren von Gauguin oder doch eher von Picasso inspiriert gemalten Bildern! Bald wir unser Dinner serviert, ein guter französischer Roten gehört auch dazu und es entwickelt sich ein wirklich aufgestellter Abend! Zum Abschluss präsentiert eine Angestellte Asmas immer noch feuchten - sie weiss, dass ich darauf achte - feinen Geburi-Kuchen. Nun werden noch drei Kerzchen drauf gesteckt, die ich wirklich Problemlos in einem Anlauf auspusten kann! - Ha, ha! Alle miteinander hatten wir weiterhin viel Spass aber gegen 22:00 zog sich Asma mit ihren langsam müden Jungs auf die Maya zurück. Und meine letzten zwei Begleiter Herbert und Andreas meinten dann, so jetzt hauen wir drei Männer zum Abschluss des Abends noch auf den Putz! Dabei war auch ich vor allem aufgrund des heutigen mit Terminen reich befrachteten Tages ziemlich müde und könnte gleich hier einschlafen. Aber noch will ich meine Kumpels nicht enttäuschen und so landeten wir einiges später, nach einem Drink im LE RETRO, hier verstarb übrigen im 1980 der Chanconier Jo Dassin, noch in einer Karaoke-Bar. Nein singen musste ich zum Glück nicht, wurde aber von einer Tahitianerin zu einem Geburi-Tänzchen auf die Bühne geholt. Dabei erinnere ich mich gar nicht mehr, wann ich wohl das letzte Mal mein Tanzbein geschwungen hatte. Aber da es gegen Mitternacht zuging waren zum Glück nicht mehr grosse Verrenkungen gefragt sondern es ging schon eher, wie in längst vergangenen Jugendjahren, in Richtung „Schwofen auf der Tanzfläche“ zu! - Schmunzel, schmunzel! Nun, wir drei hatten unseren Spass und bald kehrten Andreas und ich per Taxi zur Marina zurück. Auch Herbert nahm dann gleich den kurzen Weg zu seiner Maya unter die Füsse! Und kurz nach 24:00 schlummerte ich bereits in der Koje der KYORY und dachte noch - so, nun ist auch dieser „Runde“ nur noch Geschichte!

Am 21. Juni war es dann für Andreas soweit, denn auch er startete heute Vormittag mit einem Jet für einen etwa 2monatigen „Heimaturlaub“ nach Deutschland. Wie vereinbart fuhr ich um 08:00 mit dem Dingi zur KAMA hinüber. Bereits hat Andreas fertig gepackt und er zeigt mir  vor dem Verlassen des Bootes noch den einten und anderen Kontrollpunkt, da ich während seiner Abwesenheit auch ein bisschen zur KAMA schaue und sie alle paar Wochen mal durchlüfte. So schloss er bald den Niedergang ab und übergab mir den Schlüssel. Gleich anschliessend fuhr ich ihn mit meinem Dingi zur Marina-Pier hinüber, wo bereits das kurz vorher von mir bestellte Liana-Taxi vor dem Pink Coconut auf uns wartete. Herzlich verabschiedeten wir uns voneinander und ich wünschte ihm einige schöne Wochen bei seiner grossen Patchwork-Familie zu Hause in Deutschland! - Ond Tschüss Andreas, bis bald wieder in alter Frische in Papeete!
Am Nachmittag montierte ich auch an meiner Mooring Boje noch eine zweite dickere Festmacherleine, da über die nächsten zwei Tage starke Winde von über 30kn mit begleitend höherem swell angesagt sind! Und so wurde es dann vom 22. bis und mit 23. Juni so richtig bockig und ich verbrachte beide Tage auf der KYORY.
Gegen Mittag des 24.Juni ging der swell immer mehr zurück und bei der Dingifahrt rüber zur Marina unternahm ich einen Stopp bei der KAMA und konnte während dem Belüften der Innenräume feststellen, dass alles soweit okay ist. Die teilte ich ihm dann später auch per Mail mit. In Papeete musste ich mir noch ein paar neue offene Riemenschuhe besorgen, da ich nicht gerne in Flipflops unterwegs bin. Leider hatten sich an meinen alten Laufschuhen, wie vor Monaten schon bei meinen Wanderschuhen in Taiohae, infolge der hohen Salz/Luftfeuchtigkeit und den begleiten hohen Temperaturen, viele vulkanisierte Klebestellen aufgelöst und konnten nicht mehr verleimt werden.
Auf der Marina traf ich dann noch Isabelle, die mir bis Ende Juni den Dingi-Cover und an gewissen Stellen auch den Lazyjack vernäht haben will. Sie machte dann innert vier Tagen eine soweit gute Arbeit musste aber den Lazyjack nochmals mit in ihr Nähatelier nehmen, das sie eine Schadstelle übersehen hatte. Aber am Tag drauf war dies zu meiner Zufriedenheit erledigt und ich konnte auch den Lazyjack wieder am Grossbaum montieren. Dazwischen trafen noch unsere italienischen Bekannten Lorenzo&Rosella mit ihrem Segelboot hier ein, von denen wir uns damals in Taiohae auch auf unbestimmte Zeit verabschiedet hatten. Nun lagen auch sie, zwei Boote entfernt von uns, an einer Mooring Boje der Marina Taina. Ich lud sie dann auf den morgigen Tag zu einem Apéro rich mit heissen Poulet-Sticks und Reis zu mir auf die KYORY ein.

Und der Juli startet dann gleich mit ein bisschen Action in meinem näheren Mooring-Umfeld! Dazu mehr ein bisschen weiter unten. Am 4. Juli fahre ich mit dem Dingi bereits um 09.00 in Richtung Pier und erblicke während der Fahrt, vier Boote vor mir, nun auch die Freevol von Bernhard&Regine an einer Mooring. Da mache ich doch gleich einen Schwenker und sage Hallo. Vielleicht erinnern sich meine Blog-Leser noch an meinen Blog-Beitrag aus Bora Bora, als dort die Freevol ausgeraubt wurde. Ich tuckere dann weiter zur Marina-Pier und besteige wenig später den Bus nach Papeete. Heute knipse ich mal bei diesem Stadt-Besuch ab der Wegfahrt bei der KYORY einige Bilder. Angefangen am Mooring Platz, beim durch queren der Marina Taina, während der Busfahrt sowie dann von den Restaurants 3Brasseur und der Bora Bora Lounge. Diese beiden Restaurants suche ich abwechselnd bei meinen Papeete-Besuchen auf. Das Essen dort ist gut und erschwinglich und ich habe auch jederzeit gratis WiFi-Verbindung.

Auf 16:00 begebe ich mich noch in die Praxis von Dr. Lerosier, mit dem ich gestern diesen Termin wegen meiner eventuellen Sehstörung vereinbaren konnte. Da er gerade noch eine Patientin betreut muss ich draussen vor der Türe auf einer Bank Platz nehmen. Aber nach wenigen Minuten ist es soweit und er führt mich in seine Praxis. Ähm, Praxis!? Es handelt sich um nur einen völlig düsteren mit schwarzen Tüchern vor den Fenstern abgedunkelten Raum mit schwachem Deckenlicht. So langsam gewöhnen sich meine Augen an dieses diffuse Licht und meine Geschmacksnerven versuchen die einzuatmende alte abgestandene Luft auszublenden. Dr. Lerosier, ein ca. 60jähriger Franzose, setzt sich hinter seinen überfüllten Schreibtisch und ich nehme auf einem alten und knarrenden Holzstuhl vor ihm Platz. Er zieht aus den vielen auf seiner Tischplatte rum liegenden Papieren ein A5-Blatt und findet auf der Rückseite noch Platz genug um von mir, als seinen neuen Patienten, entsprechende  Notizen festzuhalten. So als erstes meine Personalien, dann meine Krankheitsgeschichten, Medikamente etc.. Aber irgendwie kann ich mich einfach nicht auf Dr. Lerosier konzentrieren, auch wenn ich ihn weit weg von mir erzählen höre, was er nun für Tests mit mir durchführen möchte. Denn meine Aufmerksamkeit und vor allem meine Augen schweifen einfach immer wieder auf die beeindruckende Einrichtung dieses Raumes. Es kommt mir vor wie wenn ich beim durchtreten der Türe eine Zeitreise in die Vergangenheit angetreten hätte! Ich habe keine Ahnung wie vor hundert Jahren eine solche Praxis ausgesehen hätte oder wie sie eingerichtet gewesen wäre. Aber genau dieses Bild einer solch 100jährigen Praxis, eines Spezialisten für Sehstörungen, habe ich wirklich vor mir! An elektronischen Geräten fällt mir einzig ein uralter, sicher  noch aus den 1980ziger Jahren stammenden Computer auf. Ob der wohl noch läuft? Nun bin ich eigentlich überrascht, dass mich Dr. Fallevoz mit seinem langen Fachausweis und seiner wirklich Supermodernen Praxis an Dr. Lerosier überwiesen hat. Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er beim Anblick dieser Praxis seine Patienten bei gutem Gewissen auch weiterhin an Dr. Lerosier vermitteln würde! Am liebsten würde ich meine Kamera hervor holen und diese unglaublichen vor meinen Augen auftauchenden Bilder einfach festhalten, aber ich glaube das würde wiederum mein Gegenüber nicht richtig einschätzen können. Aber hallo jetzt, nun volle Konzentration auf die nachfolgenden Tests, mit was auch immer für „Foltergeräten“ dies geschehen wird. Dabei wäre es übrigens sicher für einen Aussenstehenden Zuhörer noch lustig gewesen unsere Kommunikation in einem Kauderwelsch aus Französisch und Englisch mit zu verfolgen! - Schmunzel, schmunzel! So, nun geht’s aber los, als erstes muss ich durch kleine Löcher eines Kartons gucken, um die verschiedenen Farben der an die entfernte Wand geklebten hoppelnden Hasen zu erkennen. Okay, warum nicht, aber solch farbige Feldhasen habe ich noch nie gesehen! Dann hält er mir einen Kunststoffstab mit versetzten aufgebauten Teilchen vor meine Augen, und muss im dann mitteilen wenn ein unscharfes Bild vor meinen Augen auftaucht. So folgen in dieser Art noch zwei weitere rustikale Tests. Und diese beiden vorhin eingesetzten Hilfsmittel hat er nicht etwa vor ihm unter all dem mit altem Krimskrams überschwemmten Schreibtisch gefunden. Nein er muss auf zwei weiteren Schränken stöbern bis er das gesuchte Teil jeweils dann irgendwo auch findet! Dazwischen macht er auf seinem „A5-Patientenfomular“ immer wieder Notizen zu den vorgenommenen Tests. Bei einem letzten abschliessenden Test muss ich auf einen Hocker vor eine Wand setzen. Nun sollte ich strikte gerade aus blicken und die jeweils von ihm, mittels einer Taschenlampe mit dünnem Lichtstrahl - wohl eher  ein Laserpointer der ersten Generation - an der Wand in Vierecken angestrahlte Zahlen von 1-12 erkennen! Leider fiel nun dieser Test ins Wasser, da die Taschenlampe den Geist aufgegeben hat. Nun entschuldigt er sich für diesen Lapsus und bittet mich in den kommenden Tagen doch nochmal für 10 Minuten für diesen wichtigen Test bei ihm reinzuschauen. Auch wenn ich mich innerlich dagegen wehre, vereinbaren wir einen weiteren Termin auf den 7. Juli um 14:00! Bevor ich seine Praxis abschliessend verlasse, hält er ein kurzes Resümee fest. Er meint dabei, dass meine beiden Augen, meinem Alter entsprechend, eine soweit gute Sehschärfe hätten. Einzig die Muskeln um den rechten Augapfel seien verkrampft. Er könne mir aber erst nach dem letzten Test einen Vorschlag machen wie dieses Problem behoben werden könnte! - So, nun sind bereits 45 Minuten vergangenen und ich warte immer noch auf das plötzlich  durch die Tür auftauchende TV-Team der „Versteckten Kamera!“ Aber nichts dergleichen passiert, also ist dieser Besuch bei Dr. Lerosier wirklich bitterer Ernst! Sorry, Ich musste diesen Arzt-Besuch, der genauso wie hier festgehalten abgelaufen ist, einfach hier festhalten! Ob ich dann übrigens nach dem noch folgenden Termin bei Dr. Lerosier, an Dr. Fallevoz ein persönliches Feedback dieser Erlebnisse gebe, lasse ich vorerst noch offen!               
     
Gleich geht es mit dem Bus zurück zur Marina Taina und ich hier treffe ich wieder auf alte Bekannte aus Atuona-Zeiten. Es isind österreichische mit ihrer Modesta, die hier auch einen Zwischenstopp einlegen bevor es weiter gegen Westen geht. Nach dem besteigen des Dingis schalte ich vor dem ansteuern der KYORY noch einen kurzen Stopp beim Boot von Lorenzo&Rosella ein, die nun ja mit der Freevol einen neuen Nachbarlieger haben. Und nun kommt auch die Antwort zu meiner anfangs dieses Abschnitts erwähnten Action in meinem näheren Mooring-Umfeld. Denn die beiden erzählen mir gleich eine Story im Zusammenhang mit der Freevol, die für mich unschwer nachzuvollziehen ist. Denn gestern Abend gegen 23:00 seien sie durch ein Schlag gegen ihre Yacht, die mit eingeschaltetem Ankerlicht hier an der Mooring liegt, bei etwas unruhiger See aus dem Schlaf geschreckt worden. Umgehend sei Lorenzo als erster ins Cockpit gerannt und ungläubig starrte er in die Nacht hinaus und erkennt direkt neben sich ein „unbeleuchtetes“ unter Motor laufendes Segelboot. Und diese Yacht hatte grad eben auf der BB-Seite ihr Boot gerammt, dabei zwei Relingstützen verbogen, wovon eine aus dem Deck gerissen und das dicke Süllbord eingedrückt! Auch Rosella kam dazu und sie sahen auf dem Boot den Namen Freevol und schrien aus Leibeskräften hinüber, sie sollen mal endlich den Rückwärtsgang einlegen und an der nebenanliegenden Mooring festmachen. Lorenzo stieg dann noch ins immer an ihrem Heck festgelatschte Dingi und fuhr zwischen die beiden Boote wobei ihn die Freevol doch noch beinahe erdrückt hätte. Nach verschiedenen Anläufen schafften sie es die Freevol an der Mooring festzumachen. Natürlich habe dann Lorenzo noch eine Weile auf Italienisch geflucht, aber vom Freevol-Skipper Bernhard sei nur immer das Gemurmel gekommen, ja, ja, die Versicherung regelt dann das schon und er habe derzeit auch Probleme mit der Elektrik, darum kein Licht!? Im Nachhinein bin ich nun überrascht, dass mir die beiden beim morgigen Kurz-Besuch an der Freevol von diesem Crash nichts erzählten! Also wirklich, sowas hätte ich jetzt von der Freevol-Crew Bernhard&Regine so nicht erwartet. Ich kläre dann Lorenzo&Rosella noch über den Einbruch in die Freevol auf Bora Bora auf sowie auch über die gesundheitlichen Probleme von Bernhard. Lorenzo&Rosella waren zwischenzeitlich an diesen Nachmittag bereits beim Port Captain in Papeete zu Besuch und hatten ein entsprechende Protokoll aufgenommen. Nach Einschätzung von Lorenzo werde die Reparatur auf etwa 2‘000USD zu stehen kommen. Und nach einem weiteren Besuch bei der Freevol habe dann Regine ihnen gegenüber erklärt, dass ihre Versicherung informiert sei und in den kommenden Tagen bei ihnen ein Boots-Fachmann vorbeikomme um eine Expertise für eine Reparatur auszuarbeiten. Für Lorenzo&Rosella kommt dieser Crash wirklich in einem einfach blöden Moment, wollten doch die beiden in zwei Tagen weiter gegen Westen ziehen! Ich erwähne dann noch, dass ich anlässlich meines in den nächsten Tagen eingeplanten Besuches auf der Jacaranda diese Sache noch mit Chuck besprechen werde. Vielleicht hat er noch einen guten Input wie bei dieser Sache weiter vorgegangen werden könnte. Verständlich, dass nun zwischen den beide Boots-Crews Eiszeit herrscht! So tuckere ich anschliessend zurück zur KYORY und schreibe an meinen noch offenen Blog-Reiseberichten weiter. Am Folgetag erledigte ich nachmittags im nahen Carrefour einen kleinen Einkauf und fuhr bei der Rückfahrt zur KYORY, bei schöner und ruhiger See Ausnahmsweise durch das gegenüber dem Mooringfeld liegende Ankerfeld von etwa 40 Booten. Vielleicht war es der 6. Sinn, der mich in diese Richtung lenkte, denn auf einmal sah ich, dass die Ana Isabell von unseren portugiesischen Bekannten Raphael&Helena auf Slip gegangen war. Umgehend düste ich auf das von der Crew verlassene Boot zu und stellte fest, dass sie vermutlich langsam und ohne Schaden anzurichten, sich am Heck, zwischen dem am David hängenden Dingi und der Badeplattform des vorderen Bootes fest hing. Sofort machte ich meine Dingi-Festmacherleine um den hinteren Poller der Ana Isabell fest und wollte sie schon sukzessive von diesem Boot wegziehen. Da düste noch ein weiteres Dingi um zu helfen auf mich zu. So zogen wir dann zu zweit die Ana Isabell Meter um Meter weg vom anderen Boot weg, auf eine einigermassen sichere Distanz zum vorderen Boot. Ich fuhr dann mit meinen Einkäufen zurück auf die KYORY und schaute dann hie und da mit dem Fernglas zur Ana Isabell hinüber. Nach etwa einer Stunde sah ich, dass sie sich deren Crew wieder auf Deck bewegte. So tuckerte ich mit dem Dingi kurz hinüber um sie entsprechend zu informiere. Die beiden zeigten sich nicht gross Überrascht von diesem Slip-Ausflug ihrer Ana Isabell sondern meinten nur locker: „Ja, dann werden wir uns, wenn auch schwierig bei diesem übervollen Ankerfeld, noch heute Abend oder auch erst morgen früh einen anderen Ankerplatz suchen!?“ Aber, hey Leute, da macht ihr es euch doch wirklich zu einfach. Denn ihr Boot würde bei aufkommendem Wind und Swell sicher wieder auf Slip gehen und könnte, doch erst recht in diesem überfüllten Ankerfeld, einige Boote beschädigen, was Kosten von zig Tausend USD nach sich ziehen könnte. Von den Nerven und Umtrieben für die anderen Boots-Eigner gar nicht zu denken. Ich bitte sie dann einfach nochmals innigst, die Ana Isabell doch gleich um zu parkieren. - Was sie dann auch, kurz nachdem ich wieder zur KYORY zurück fuhr mit dem Anker auf-Manöver einleiteten!

Am 7. Juli hatte ich ja noch auf 14:00 den weiteren Besuch bei Dr. Lerosier in Papeete einzuhalten! Denn versprochen ist versprochen! Ich verzichte aber hier auf den detaillierte Ablauf dieses Folge-Tests und halte nur noch fest, dass ich: 1. Kein von ihm vorgeschlagenes Muskeltrainings für mein rechtes Augen bei ihm mitmachen werde. 2. Verzichte ich auf einen Feedback an den mich an ihn vermittelten Dr. Fallevoz. Was soll ich als Zufalls-Besucher bei Dr. Lerosier schlafende Hühner aufwecken! Somit ist dieses Thema abgeschlossen!
 
Da freue ich mich schon eher auf den auf 16:00 mit der Jacaranda vereinbarten Besuch in der nahen City Marina. Ausnahmsweise kann ich durch das offenen Gittertor eintreten und erblicke am ersten Schwimmsteg zum meiner Überraschung noch auf die SHE SAN der Schweizer Reto&Angela. Auch von diesen beiden hatten sich Sandra und ich damals in Taiohae verabschiedet. Sie werden nun bereits am kommenden Tag, nach Installation von zwei neuen Solarpanels, weiter gegen Westen segeln. So schlendere ich auf die Jacaranda zu, die welch Zufall gleich gegenüber der Maya festgemacht hat. Ein herzliches Willkommen und ich treffe nun zum ersten Mal auf Corinne Mateata, die für uns die Tickets für die Abende vom 13. - 15. Juli am „Heiva i Tahiti“  Sing- und Tanz Festival organisierte. Bei diesem seit 1881 alljährlich in der etwas südlicheren Ecke der Esplanade von Papeete, dieses Jahr vom 6. - 23. Juli, durchgeführten Wettbewerb, werden unter Aufsicht von Juroren am Schluss die besten Sing- und Tanzgruppen ausgezeichnet. Diese im Paofai Parc, im sogenannten Heiva Village schön eingebettete Festival-Arena ist Schauplatz dieser Wettbewerbe. Corinne konnte für uns fünf, Chuck&Linda und deren Freunde Beryl&Dan, verbringen hier einige Ferientage in Tahiti sowie mir, für jeden Abend sehr gute Plätze auf der gedeckten Haupttribühne organisieren. Corinne ist eine gute Bekannte von Chuck&Linda und hat den Doktor in polynesischer Sprache und Kultur abgeschlossen. Sie kann natürlich eine Unmenge mündlich überlieferter Geschichten, die erst viel später schriftlich festgehalten wurden, aus längst vergangenen Zeiten dieser Kultur erzählen oder weiss auf jede unserer Fragen eine kompetente Antwort. Ergänzend freuen wir uns jetzt schon auf den mit ihr auf kommenden Dienstag noch organisierten Tagesausflug der uns rund um die Insel Tahiti und deren Anhängsel Tahiti iti führen wird! Dabei werden wir unter ihrer Führung, mit natürlich vielen eingelegten Stopps bei Gedenkstätten und kleinen Naturwundern, sicher einen interessanten Tag erleben. Vor dem Verlassen der Jacaranda, wobei mir noch Corinne einen anschliessenden Lift zurück in die Marina Taina gibt, die nur etwa 200m unterhalb ihres Hauses liegt, bespreche ich mit Chuck noch den Freevol-Crash vom 3. Juli. Nach seiner Meinung sollte Lorenzo noch zusätzlich, wenn nicht schon passiert, auch seine Versicherung über diesen Crash informieren. Denn es könnte sich dann vielleicht ergeben, dass sich die beiden Versicherungen absprechen und einen solchen Kasko-Fall unbürokratisch untereinander bereinigen. Ich werde dies morgen dann Lorenzo&Rosella so noch mitteilen. Auch er ist übrigens gleicher Meinung wie ich, dass Bernhard&Regine ihre Langfahrt wegen den doch ernsthaften gesundheitlichen Probleme von Bernhard so langsam beenden sollten! Auch habe er bereits dieses nicht so einfach anzusprechende Thema mit den beiden in dieser Richtung besprochen. So fahren dann gegen 18:00 Corinne und ich in ihrem Auto die wenigen Kilometer zurück gegen Süden und fährt mich noch auf dem Marina-Areal bis knapp vor den Dingi-Pier neben dem Restaurant Pink Coconut.

Ja und dann hielt mich über das Weekend vom 8. - 10. Julie hinaus eine wirklich hartnäckige Erkältung mit begleitendem Fieber und fest verstopfter Nase in der Koje fest! Nun, das alte Seemannslied „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern!“ stimmt dann also doch nicht ganz! Aber immerhin kann ich auch dieses Mal von unserer bestens ausgerüsteten Apotheke profitieren, wobei auch das Emser Salz für Nasenspülungen nicht fehlte! Ich konnte dann das Fieber sehr schnell runter drücken und wurde zum Glück auch von keinem Schüttelfrost erwischt. Trotzdem legte ich mich in diesen Nächten mal wieder unter eine zusätzliche Seidendecke und trank viel Tee. Denn während solchen Krankheitstagen signalisiert mir mein Körper nicht nur eine grosse Abneigung gegen Kaffee sondern erst recht auch gegen Alkohol! Und man glaubt es fast nicht, nur schon wenn ich im KYORY-Kühlschrank eine Hinano-Bierbüchse erblicke, reagiere ich mit einem gedachten „Wäck, nei au, wi’e chamer nome so öppis grusigs öberhaupt trinke!?“ - Schmunzel, schmunzel!
Ich überlegte mir dann noch, wie ich wohl zu dieser Erkältung kam! Nach meiner Meinung haben zwei Sachen dazu geführt: 1.Verbrachte ich während den vergangenen Tage einige Stunden beim Schreiben von Blogtexten auf dem Boot. Dabei sass ich jeweils nur mit der Badehose bekleidet im Salon oder im Cockpit, wenn auch bei 30° am Schatten herrschte stets etwas Durchzug! Und 2. Habe ich mich vermutlich bei den vielen Busfahrten nach Papeete hinein von einem hier derzeit rum ziehenden Virus angesteckt. Denn jetzt erinnere ich mich auch wieder an das stete niesen und husten vieler der einheimischen Bus-Passagiere! Okay, ich kann es ja eh nicht ändern und verhalte mich, wie eigentlich immer in solchen Situationen, als soweit vorbildlicher Patient! Denn ich will ja so schnell wie möglich wieder mobil sein! Und Sandra würde sicher wieder bemerken:  „Jo, jo, min Papi esch halt scho es heike’ls Pflänzli!“ - Ha, ha!

Bevor mich diese Krankheitstage überraschten, hatte ich noch mit Vatea von der der Yamaha-Werkstatt vereinbart, dass ich frühmorgens vom Montag, 10. Juli meinen Outboarder zur Reparatur vorbeibringen könne. So lasse ich also bereits gegen 06:30 das Dingi ins Wasser um die KAMA anzusteuern, da ich mit Andreas vor seiner Abreise vereinbarte, dass er mir während diesen Reparaturtagen seinen kleinen Reserve-Outboarder überlässt. So holte ich diesen Morgen den Tuck-Tuck, auch ein 2Takter, von der KAMA-Reling und nach der Rückfahrt zur KYORY tauschte ich die beiden Outboarder aus. Dieser Mini-Yamaha hat übrigens nur einen kleinen Benzintank fest im Motordeckel eingebaut und besitzt auch keinen Rückwärtsgang. Um rückwärts zu fahren, muss jeweils das Motörchen einfach um 180° gedreht werden! Andreas meinte noch vor seiner Abreise, dass sich das derzeit noch im Tank befindliche Benzin, das ich dann beim nachfüllen nicht 1:00 sondern nur etwa 1:50 mit Öl mischen soll, sicher für drei weitere Fahrten vom Boot zur Marina-Pier und auch zurück reichen sollte. - Schau me mol!
Und schon schleiche ich mich mit Unterstützung dieses 2.2Kw-Motörchens und natürlich ohne ins surfen zu kommen - „ein ha, ha an Andreas“ -  zur Pier rüber, wo mich bereits der vorher von mir organsierte Taxi, diesmal von Lianas Vater Roberto gesteuert, vor dem Pink Coconut erwartet. Und knapp nach 08:00 erreichen wir die Yamaha-Werkstatt in Papeete, die übrigens gleich neben der Liegenschaft von Nautisport domiziliert ist. Vatea geht davon aus, dass sich die gesamte Reparatur mit meinem zusätzlich gewünschten Service auf etwa um die 150USD belaufen werde. Da ich dies einen sehr fairen Preis halte gebe ich ihm gleich das Okay für die Reparatur. Sobald die Arbeiten in etwa zwei Tagen abgeschlossen sind, wird er mich per SMS entsprechen informieren. So, nun begebe ich mich gleich ins Gebäude nebenan und suche Jonas von Nautisport auf. Nach telefonischer Rücksprache mit Aldo von der Plastimo-Servicestelle kann er mir mitteilen, dass Aldo mein Liferaft am 13. Juli hier bei Nautisport vorbeibringen werde. Somit kann ich hier also mein Liferaft ab dem 14. Juli, gegen Bezahlung der Faktura über 1‘114USD, abholen. Das ist natürlich für mich ideal, dann so könnte ich am 14. Juli nicht nur das Liferaft sondern bei Yamaha auch gleich meinen Outboarder in ein Taxi laden, um diese zurück in die Marina Taina zu transportieren! Anschliessend schaue ich auf dem Weg in die City noch bei Enipac vorbei, die mich einmal mehr ohne News zu meinem Anlasser-Relay auf später vertrösten. Unweit davon suche ich noch das Haushaltwarengeschäft Sin Tun Hing auf, um mir ein Stainless-Steel Vorhängeschloss zu besorgen. Denn mit einem solchen Schloss sichere ich jeweils meinen Outboarder am Dingi-Heckspiegel oder an der Reling. Und da mir jeweils die Stahlschlösser in dieser salzhaltigen Umgebung schnell wegrosten, muss es eben ein teureres Stainless Steel-Schloss sein! Aber unter den sicher hier 20 verschiedenen Schloss-Sorten, die durchwegs zu gross sind, kann mein Wunsch nicht erfüllt werden. Denn aufgrund der Löcher an der Outboarder-Halterung sind der Durchmesser und die Distanz des Schloss-Bügels vorgegeben. So geht es langsam auf Mittag zu und ich begebe mich in die City und suche heute das 3Brasseurs auf und logge mich, nachdem ich ein Panini mit Salat bestellt habe, gleich ins Internet ein. So halten uns übrigens Sandra und ich, nach Möglichkeit auch während ihrem Heimaturlaub, über Mails auf dem Laufenden was so alles passiert und wie der Stand unserer Pendenzen ist. Auch diesen Nachmittag rinnt mir die Zeit wieder nur so durch die Finger und um 17:00 fahre ich mit dem Bus zurück in die Marina. Und gleich mache ich mich wieder auf die Schleichfahrt zurück zur KYORY!

Am heutigen Dienstag, 11. Juli unternehme ich mit Linda und Beryl&Dan, unter der Führung von Corinne, den vereinbarten Tagesausflug. Dies unter dem Motto „Tahiti, seine Geschichte und tropischen Schätze“! Dieser Ausflug führt uns auf der über 120km langen Küstenstrasse rund um die Insel Tahiti. Dabei dient übrigens zur Orientierung, dies auf allen grösseren Inseln Französisch Polynesiens, ein gewöhnungsbedürftiges System der Kilometerzählung! Dieses Zählsystem beginnt in Papeete und läuft im Uhrzeigersinn aufsteigend um die Nordhälfte der Insel bis zu Taravao auf der Ostseite. Und von da führt dieses Km-Zählsystem mit abfallenden Zahlen auf der Insel-Südseite wieder zurück in die Hauptstadt. So verweist dann der Kilometerstein (points kilometre) PK60 bei Taravao auf die Entfernung von 60km nach Papeete hin. Also ein solches mich wirklich zum Schmunzeln anregendes Km-Zählsystem habe ich bei alle meinen Reisen auf diesem Planeten wirklich noch nie angetroffen!
So pickt mich Corinne um 07:30 an der Marina-Bushaltestelle auf und zusammen fahren wir erstmal nach Papeete hinein. Dort steigt gegenüber der City Marina noch Linda zu und wir fahren quer durch die Stadt um ihre in einer Pension untergebrachten Bekannten Beryl&Dan abzuholen. Bald geht es los und als erstes besuchen wir in Arue die turmartige Grabstätte von Pomare V., dem letzten König Tahitis. Das Gefäss auf dem Grabdenkmal stellt eine griechische Urne dar, die von den Tahitianern jedoch in Anspielung auf Pomares übermässigen Alkoholkonsum zumeist als Schnapsflasche identifiziert wird. Weiter fahren wir noch in Arue am herrlichen Anwesen von James Norman Hall vorbei. Dieser amerikanische Abenteurer wurde vor allem durch seinen Roman „Meuterei auf der Bounty“ bekannt. Die Anhöhe bei Tahara’a gewährt uns dann einen herrlichen Blick auf die Bucht von Matavai und erblicken im Hintergrund noch die von Wolken umrandete Nachbarinsel Moorea.
Corinne fährt mit uns wieder hinunter zur Küste zum Pointe Vénus und schon stehen wir vor einem der wichtigsten Wahrzeichen von Tahiti. Es ist der pittoreske, 25m hohe Leuchtturm, der im Jahre 1868 von Thomas Stevenson, Vater des Schatzinsel-Autors Robert Louis Stevenson erbaut wurde und auch heute noch in Betrieb ist. Ein schwarzer Sandstrand säumt hier die Baie de Matavai, die als Ankerplatz wiederholt in die Geschichte Tahitis eingegangen ist. So ankerte hier am 13.4.1769 erstmals, der von mir am meisten verehrte Seefahrer und Entdecker, Captain James Cook als 41jähriger mit seiner Endevaour und gab dieser Landzunge ihren heutigen Namen. Hier sollten er und die mitreisenden Wissenschaftler den Durchgang der Venus vor der Sonnenscheibe beobachten. Anhand der gewonnen Messdaten erhoffte man sich, den Abstand der Erde zur Sonne bestimmen zu können. Doch leider konnte dann, dieses am Himmel selten eintretende Schauspiel mit der zur Verfügung stehenden Ausrüstung nicht beobachtet und auch nicht vermessen werden. Dreimal noch sollte der grosse Entdecker später hierher zurückkehren. Wobei ihn auf seiner dritten Fahrt 1776 - 1780 auf der Resolution ein junger Offizier begleitete, der später noch sehr berühmt werden sollte - es war Wiliam Bligh! Und dieser Wiliam Bligh landete dann am 27.10.1788 als Captain mit seiner Bounty in dieser Bucht, wo es dann ja am 18.4.1789 zu der uns allen bekannten Meuterei kam. Captain Bligh wurde damals mit weiteren 18 im getreuen Seeleuten, vom 2. Offizier Fletscher Christian vor der Insel Tofua/Tonga in einer offenen Barkasse ausgesetzt. Dabei gelang dem genialen Navigator Bligh nach über sechs Woche und 3.618sm (6.701km), mit Durchquerung der Torres Stree, mit allen 18 Männer lebend, natürlich nicht alle in bester Verfassung, in Timor an Land zu gehen. Auch war dann im 1935 die Baia de Matavai von Tahiti, Drehort für den Film „Meuterei auf der Bounty“ mit den damaligen unvergesslichen Leinwandstars Charles Laughton als Wiliam Bligh und Clark Gable als Fletscher Christian. Eine weitere Filmcrew drehte dann im 1962, die uns sicher bekanntere Version dieser Meutere, mit dem auch unvergessenen Marlon Brando in der Hauptrolle. Und damit die Matavai-Bucht dem Hollywood-Klischee einer tropischen Insel entsprach wurde damals weisser Sand aus Amerika heran transportiert! Hier noch eine Lovestory, die während diesen Dreharbeiten den Anfang nahm. Marlon Brando hatte sich nämlich damals in die umwerfend bezaubernde Tarita Teriipaia verliebt, der weiblichen Hauptdarstellerin und auch seiner späteren Frau. Aber Brando verliebte sich auch noch in das etwa 40km von Tahiti entfernte flache Atoll Tetiaroa, wo übrigens Tarita geboren wurde. Dieses von einem Korallenriff umgebene Atoll ist ein Traum in Weiss und Türkis bis Saphirblau mit einer kristallklaren Lagune in ihrer Mitte! Im Jahre 1966 kaufte Brando dieses aus einem Ring von 13 Inselchen und vielen Sandbänken bestehende Atoll von der kanadischen Besitzerfamilie. Zwischenzeitlich wurde nach dem Tod von Marlon Brando auf der Hauptinsel ein Luxusresort mit 30 Bungalows erstellt, natürlich lautend auf den Namen „The Brando“! Um aber das Öko-System dieses Atolls weitgehend zu schützen, wurden noch den Vorgaben von Brando entsprechend, die übrigen Inselchen sowie die Lagune vollständig zu einem Naturreservat gemacht! Da freue ich mich schon heute, dieses Atoll auch bald mal anzulaufen!
Gegen 11:00 verlassen wir diesen wirklich geschichtsträchtigen Ort um den Pointe Vénus und suchen auf der Fahrt der Nordseite der Insel entlang bei Tiarei zwei der der vielen schönen Wasserfälle auf. Dabei komme ich mit einem jungen spanischen Touristen-Paar aus Barcelona ins Gespräch. Reiseinfos werden ausgetauscht und als die sympathische und aufgestellte Laura von meiner Langfahrt hört, möchte sie einfach alles wissen und würde am liebsten gleich - und das erst noch ernst gemeint -  für einige Monate auf der KYORY anheuern. An dieser Stelle so mal nebenbei, auch wenn schon einige ähnliche über die vergangenen zwei Jahre an mich heran getragenen Wünsche meinem Altersego gut getan haben, ich würde aber nie zu dritt oder auch zu viert auf der KYORY weiter segeln. Für zwei, die wie Sandra und ich uns auf der KYORY wohl fühlen, ist nach unserer Meinung die KYORY ideal um auch trotz beschränkter Wohnfläche eine gewisse Lebensqualität aufrecht zu erhalten. So herzen sich Laura und ich wenigstens mit einem Lächeln beim Verlassen des Wasserfalls und wünschen uns gegenseitig weiterhin viele verrückte Abenteuer auf See und an Land! Und schon fährt uns Corinne weiter um die Ostseite der Insel herum, wo die Küstenstrasse an gepflegten Gärten voller exotischer Blumenpracht uns nach Taravao führt. Hier schalten wir in einem Carrefour-Restaurant eine kleine Lunch-Pause ein und Essen ein paar Pizza Slices. Dabei eröffnet uns Corinne, dass sie am Ende dieser Tagestour uns alle noch zu einem Apéro rich zu sich nach Hause, oberhalb der Marina Taina, einlädt. Da bedanken wir uns natürlich ganz herzlich und freuen uns bereits auf den Abend.
Gegen 14:00 überqueren wir die Landzunge zwischen Tahiti nui und der kleineren Insel Tahiti iti und fahren noch bis zum tahitischen Surf-Mekka Teahupo’o hinunter. Hier finden alljährlich im August unter Anteilnahme der weltbesten Surfer Internationale Wettbewerbe statt. Das wäre natürlich für meinen Surf-Fan Sandra ein weiteres Highlight gewesen. Denn vom 11. -  23.7.2017, aber in diesen Wochen befindet sie sich ja noch in der Schweiz, findet hier die nächste Surf-Competition statt. Dabei auch wieder der letztjährige, doch schon "ältere" Sieger Kelly Slater! Hier erzählen die Leute noch, dass er im Vorjahr noch ein kleines Techtelmechtel mit einem Hai gehabt hätte! - Sandra wüsste da vielleicht mehr!?

Nach unserer Rückfahrt bis Taravao nehmen wir die restlichen Kilometer der Südwestküste von Tahiti nui bis nach Papeete unter die Räder. Als Linda am Strassenrand einen Varo-Verkäufer erblickt halten wir kurz an und sie kauft 20USD drei noch lebende sich in einem Plastiksack befindlichen Meeresbewohner, die aus der Shrimp-Familie stammen. Dies soll dann Morgen ein Festschmaus für die Jacaranda-Crew werden!
Auf der Weiterfahrt legt Corinne bei  Paea einer 20km vor Papeete liegenden Tankstelle noch einen Tankstopp ein. Ich suchte währenddessen kurz den kleinen Tankstellen-Shop auf um eine Flasche Mineralwasser zu kaufen. Als ich anschliessend wieder in unser Auto steigen wollte, traute ich meinen Augen nicht!? Da gleich nebenan will doch gerade Tahia, unsere unvergessliche Roulotte-Besitzerin vom Atuona-Pier, in ihr schwarzes Auto steigen. Oder täusche ich mich etwa? Also gehe ich zurück und siehe da, sie hatte das gleiche déjà-vu-Erlebnis und mit einem Lachen fallen wir uns in die Arme! Und dann hat dieses unverhoffte Wiedersehen noch ein kleines Dessert parat, denn hinten im Auto strahlte mich ein bisschen Verlegen Vincents&Marias (Shipyard-Inhaber von Atuona) Tochter Kimi an! Verrückte kleine Welt! Muss ich dann dieser Tage gleich mal ein Mail mit Foti an Maria übermitteln!

Und gegen 18.30, nachdem Corinne unterwegs noch einige kleine Einkäufe für den Apéro tätigte, erreichten wir das schön gelegene Anwesen von Corinnes Familie. Gerne hätte uns Corinne mit dem hier sicher herrlichen Sonnenuntergang über Moorea noch eine spezielle Freude bereitet, aber leider ist dieses Schauspiel bei so später Stunde für heute Abend schon vorbei. Wir wurden dann von Corinne und ihrer Nichte Tiene mit vorzüglichen kalten Plättlis und später noch mit von Tienes selbstgebackenen Kuchen bewirtet. Tiene arbeitet übrigens als Agentin in den beiden Marinas und bietet dabei ihre Hilfe und Unterstützung bei jedwelchen Fragen oder Problemen den Seglern an. Nach diesem wirklich gelungen Abend fuhr Corinne gegen 22:00 mit mir, Linda und dem noch später dazu gestossenen Chuck in Richtung Papeete. Aber bevor sie unten an der Küste auf die Autostrasse einschwenkte lud sie mich noch bei der Marina-Bushaltestelle aus. Wir vereinbarten noch, dass sie mich hier am 13. Juli, anlässlich meinem ersten Heiva Festival-Abend, um etwa 17:30 aufpicken werde und ich mit ihr dann zum Festivalgelände in Papeete mitfahren kann. Mit zum Voraus bestem Dank für diesen Lift in zwei Tagen verabschiede ich mich und schleiche bald mit dem Dingi auf die KYORY zu. Aber auf halber Strecke stottert auf einmal mein Ersatz-Aussenborder und stellt gleich ganz ab!? Claro, die Fehlerquelle ist schnell gefunden - es befindet sich kein „Most“ mehr im Tank! Ach, bin ich ein Löli, warum habe ich nicht vor der Wegfahrt, da ich mich mit diesem kleinen Tankvolumen eh nicht auskenne, nicht nachgetankt! Okay, dann stecke ich halt meine zwei Paddel ein und versuche, bei immerhin ruhiger See, auf die KYORY hin zu paddeln. Aber ich halte in diesem Blog einmal mehr fest, „es esch gopfredstotz nonemol wörkli ned eifach“, dabei erst noch dem Rücken in Fahrtrichtung, auf einigermassen gerader Linie mit einem solchen Dingi vorwärts zu paddeln. Nach wenigen Metern gebe ich es auf und à la Indianer-Technik gehe ich im Bug in die Knie und komme so, abwechselnd mit nur einem Paddel auf beiden Seiten in die See stechend, doch recht gut vorwärts! Und ja, ich bin noch vor dem Sonnenaufgang auf der KYORY angekommen und kroch bereits um 22:45 übermüdet in meine Koje! Ähm, erwähnen muss ich noch den Verlust einer meiner heute getragenen Lacroix-Uhren, die vermutlich während meiner heroischen und kräfteraubenden Paddel-Aktion ins Wasser flog! - Scheisse, aber trotz allem ein schmunzel, schmunzel! Aber die Freude des heutigen Tages überwiegt natürlich, denn für mich ging wieder einmal mehr bei herrlichem Sonnenschein ein unvergesslicher Tag in Gesellschaft von lieben Bekannten auf Tahiti zu Ende!

Am folgenden Tag des 12. Juli erwache ich so richtig gerädert kurz nach 06:00 und fühle mich einfach immer noch nicht ganz Okay! Wieder plagt mich Kopfweh und innert wenigen Minuten verbrauche ich ein Päckli Papiernastüchli für meine dick laufende Nase! Nun, wovon Kopfweh? Habe ich doch gestern tagsüber und auch abends bei Corinne keinen Alkohol getrunken. Aber den Tag hindurch war es im Auto natürlich hie und da zügig und beim nächtlichen paddeln kam ich ja noch ins Schwitzen. Also einem etwaigen Krankheits-Rückfall halte ich gleich mal mit entsprechenden Medis dagegen. Wenn ich auch diesen morgen nicht grossen Appetit verspüre, bereite ich mir anschliessend ein kleines Frühstück vor. So jetzt aber, nun ist Schluss mit der Jammerei und ich fahre gleich zum Marina-Pier hinüber. Dort hole in meinen 35Ltr.- und drei 5Ltr.-Kanistern Trinkwasser und werde anschliessend bei der Tankstelle noch je zwei 20Ltr.-Kanister mit Diesel und Gasoline befüllen. Aber als ich beim Tankwart meine leeren Diesel-Kanister auf den Anlegesteg stelle, weist er mich darauf hin, dass ich mittels dem zollbefreiten Papier, den Diesel bei ihm nur direkt in den Bootstank und in auf dem Deck stehende Kanister einfüllen kann. Also wirklich, dies ist eine blöde Vorschrift, dann muss ich halt beim späteren Verlassen der Mooring zum Tanken mit der KYORY hier vorbei fahren. Als ich wieder bei der KYORY ankomme, erblicke ich neben mir ein weiteres Schweizer Boot, das an einer Mooring festgemacht hat. Ich mach gleich noch einen Schwenker zu diesem 38ft-GFK-Bootes und treffe auf einen jungen flotte Burschen, der gerade im Cockpit eine Leine bündelt. Nach wenigen Worten kommt noch ein zweiter junger Mann dazu. Ihre Geschichte in Kurzform: Beide ca. 30jährige sportliche und sehr sympathische jungen Männer kommen aus Neuenburg und sind ein Brüderpaar. Beide sprechen übrigens sehr gut Mundart, da sie in Luzern ein Gymi-Austauschschuljahr besucht hatten. Und beide schmunzeln bei der Erwähnung von Luzern, denn es sei für sie beide ein unvergesslich Rüüdig verrocktes Jahr gewesen. Inzwischen haben sie ihre Studienjahre in Bereichen der Natur-Wissenschaften erfolgreich abgeschlossen. Beide haben auf dem Neuenburger See unter väterlicher Anleitung schon in Kinderjahren Segeln gelernt, wobei ihr Vater ein bekannter Schweizer Profisegler war. Die beiden sind bereits seit fünf Jahren, wobei noch zwei Jahre lang ihr dritter jüngerer Bruder mit an Bord war, auf Langfahrt und haben unter anderem erfolgreich die NW-Passage abgesegelt! Wow, ich gratuliere den beiden zu diesem Erfolg! In etwa einem guten wollen sie ihr Langfahrten-Abenteuer abschliessen, da sie doch langsam wieder Geld verdienen sollten. Und das wenn möglich nicht zu knapp, denn sie möchten in ein paar Jahren zu einer weiteren Langfahrt, dann in Richtung Antarktis, aufbrechen! Aber heute Nachmittag holen sie hier auf dem Airport noch einen Schweizer Seglerfreund ab, mit dem sie hier, zusammen mit einem Führer, eine 2tägige Bergtour in das über 2‘000m hohe Gebirge von Tahiti unternehmen werden. Und nach Rückkehr von dieser Bergtour wollen sie gleich, in Begleitung ihres Freundes, weiter nach Westen segeln. Natürlich wünsche ich diesen weiteren Schweizer Abenteurern noch eine erlebnisreiche Langfahrt mit "Mast- Schotbruch!"   

So, aber nun steuere ich wieder auf die Marina-Pier zu und sitze bald im Bus der mich nach Papeete rein bringt. Gegen 14:00 erreiche ich die nahe BBL und klinke mich ins heute nicht gerade umwerfend laufende Internet ein. Bald switche ich mich wieder aus und gegen 15:30 bespreche ich meinen Auftrag für neue gemeinsame Visitenkärtli von Sandra und mir mit dem Empfangsfräulein bei der FastPrint. Von meinem mitgebrachten USB-Stick überträgt sie gleich die entsprechenden Texte und das rückseitige Ryoan chi-Bild auf ihren Laptop. Nach etwa zwei Tagen sollte per E-Mail das „Gut zum Druck“ bei mit eintreffen und etwa am 17.Juli könnte ich die Kärtchen hier abholen. Das ging ja fix und so habe ich jetzt auch keinen Stress, um auf 16:00 die gleich nebenan befindliche Zahnarztpraxis von Dr. Brison, für meine Zahnreinigung, aufzusuchen. Empfangen werde von seiner ca.50jährigen Assistentin und nach einem kurzen Wortwechsel meinte sie lachend, also in „Schwiizerdütsch“ kann ich mich leider nicht mit ihnen unterhalten. Als Kind habe sie nämlich von ihrer aus Bern stammenden Grossmutter wohl noch das einte oder andere lustige Wort mitbekommen, aber nun leider fast alles vergessen! Dann treffe ich auf Dr. Brison einen 60jährigen ruhigen Franzosen aus Paris, der bereits seit 30 Jahren hier in Papeete seine eigene Praxis besitzt. Gekonnt führt er die Zahnreinigung durch, aber natürlich nicht so schmerzvoll wie ich das noch von meiner Schweizer Dentalhygienikerin her gewohnt war. Aber diese Erfahrung machte ich ja schon bei meinen Zahnreinigungen in Grenada und Cartagena! Abschliessend hält Dr. Brison noch fest, dass er selten jemand in meinem Alter vor sich habe, der noch so gut gepflegte Zähne vorweisen könne! Ja, dessen bin ich mir bewusst und gerne bedanke ich mich bei ihm für dieses Kompliment! Aus diesem Grunde möchte er mir aber dann erst recht noch die Empfehlung abgeben, doch unbedingt den einten angebrochen vorderen Keramik-Schneidezahn mit einer Füllung zu versehen, bevor da mal ein grösseres Problem daraus entstehe. Und genau das wollte ich nämlich noch von ihm hören und so vereinbarten wir einen zweiten Termin auf den kommenden Montag, um diesen Keramikzahn, mit Kosten von 100USD, wieder wie neu aussehen zu lassen! Zu Hause würden bei dieser Behandlung über vermutlich zwei Sitzungen sicher Kosten von gegen 500USD anfallen! Gleich anschliessend fahre ich mit dem Bus wieder zur Marina Taina zurück und spüre nun bereits Vorfreude auf die kommenden drei Abende mit den Besuchen des Heiva-Festivals.

Am Donnerstag, 13. Juli suche ich vormittags unter anderem für ergänzende Einkäufe den nahen Carrefour auf und befülle am Marina-Pier die Wasserkanister. Die restlichen Stunden verbringe ich an Bord und lasse dabei unter anderem über vier Stunden den Honda-Geni zum Nachladen der Batterien laufen. Gleichzeitig lade ich auch die Akkus verschiedener elektronischer Geräte auf. Und während ich dazwischen im Laptop an den Blog-Texten weiter schreibe lasse ich auch dessen Akku aufladen.
Um 16:00 bereite ich mir ein frühes Abendessen mit Hörnli an einer Bolognese-Sauce, versetzt mich Champignons zu. Denn ich muss mich doch stärken für einen langen Abend am Heiva-Festival! Und da wir ja einen „Folklore“ Anlass aufsuchen ziehe ich zu den blauen Jeans passend mein blaues Sennechotteli an! Dass ich dann auch noch, seit Jahren wieder das erste Mal, mit ein paar richtigen Sonntagsschuhen an den Füssen los zog, entpuppte sich dann im Nachhinein als nicht so glorreiche Idee. Denn bald realisierte ich, dass ich oberhalb der Ferse an diesen blöden Schuhen meine Füsse wund rieb! Und das waren dann keine Wunden, die aufgrund meiner guten Pflege bereits nach drei Tagen verschwanden. Im Gegenteil, es brauchte zwei Wochen bis ich diese hartnäckigen Blessuren los war. Das heisst, dass ich während Tagen meine blöden Flipflops tragen musste und ein Sprung in die salzige See kam während des Heilungsprozesses auch nicht in Frage!
Am Spätnachmittag tuckerte ich um 17:00 hinüber zur Marina-Pier um an der Bus-Haltestelle auf meinen Lift mit Corinne zu warten. Bald schwenkt sie in in die Haltestelle ein und zusammen fahren wir los nach Papeete hinein. Während diesen Fahrminuten klärt sie mich noch näher über die abendlichen Heiva-Veranstaltungen auf. Jeden Abend treten vor etwa 2.500 Zuschauern und den strengen Augen und dem Gehör der Juroren bis zum Final 12 Tanz- und 17 Gesangs-Gruppen auf, unter denen dann am Schluss das Preisgeld von 100.000USD aufgeteilt wird. Von den Juroren werden die Tanzgruppen, immer in Begleitung eigener Musiker, wie folgt bewertet: Die Choreographie und die Harmonie der Musiker mit den jeweils gegen 200 Tänzerinnen und Tänzern zusammen. Auch hat die Juri die Aufgabe, diese als Amateure oder Profis auftretenden Formation entsprechend differenziert zu bewerten. Einzeln beurteilt werden die Solo-Auftritte unter musikalischer Begleitung von je einer Tänzerin und eines Tänzers aus der Gruppe, die Musiker die auch alleine ein Stück vortragen müssen sowie die immer traumhaften Kostüme. Und bei den Gesangsgruppen erfolgt die Bewertung wie folgt: Auch hier geht es um die Bewertung des Gesamteindruckes von Harmonie und Choreographie, dieser jeweils aus gegen 100 Sängerinnen und Sängern bestehenden Gesangsgruppen. Bei einem gemeinsamen Vortrag werden von den Juroren auch hier die beste Sängerin und der beste Sänger bewertet. Das heisst am Schluss des Festivals werden von den Tanzgruppen - unterteilt in Profis und Amateure - die beste Gruppe, die besten Solotänzer bei den Frauen und  Männern, die besten Musiker und die schönsten Kostüme prämiert! Und bei den Gesangsgruppen die beste Gruppe, die besten Lyrics, die besten Solostimmen bei Frauen und Männern sowie auch die schönsten Kostüme. Diese motivierten und immer lächelnden Tanz- wie auch Gesangs-Gruppen, haben auf ihren Inseln über Monate für diese Auftritte unter begleitenden Schmerzen hart trainiert und dabei sicher einige Tränen vergossen sowie vielleicht gar Blut geschwitzt! Und die meisten dieser Künstler kommen dann doch Jahr für Jahr immer wieder mit grosser Motivation zurück, um für sie unvergessene Momente auf dieser legendären Bühne zu erleben! Dabei zaubern sie alle, vor einer grossen und begeisternden Zuschauermenge, alte polynesische Geschichten und Legenden auf die Bühne oder erzählen auch nur von täglichen Erlebnissen aus ihrem einfachen aber glücklichen Leben auf ihren Inseln! Die Organisatoren wollen mit diesem Heiva-Festival vor allem bei den Tahitianern erreichen, dass diese Geschichten um Tradition und das hier einfache Leben in Harmonie mit der Natur auch bei zukünftigen Generationen nicht verloren geht! Als Heivas werden übrigens in der polynesischen Sprache ihre wilden, stampfenden und mit lautem Gebrüll  begleitenden Kriegstänze bezeichnet! Alle Aufführungen werden vom TV Tahiti aufgenommen und zeitverschoben in voller Länge an den Folgeabenden in die Wohnzimmer der Tahitianer übertragen. Das finde ich, bei den doch hohen Ticket-Preisen von 30USD pro Abend, wirklich eine gute Lösung um auch die Mehrheit der doch nicht so gut situierten Tahitianer an diesen grossen Geschichten über ihre einmalige Kultur teilhaben zu lassen!

Im Weiteren finden während diesen Tagen des "Heiva i Tahiti" auch auf anderen Plätzen in der Stadt diverse das Festival begleitende Veranstaltungen und Wettbewerbe statt. So zB die Va’a (Auslegerboote) Rennen mit über 1.000 sportbegeisterten Rudern und Seglern beiderlei Geschlechts. Junioren unter 18 Jahren und Senioren messen sich bei Rennen in der Lagune, bei Offshore Rennen vor dem Aussenriff oder bei High Sea races nach Moorea rüber und zurück nach Tahiti. Wobei die Ruderer, in ihren bis zu 200kg schweren Booten, Strecken von 2.600m bis zu 24km (!) paddelnd zurückzulegen haben! Dabei mit diesen kleinen Auslegerbooten auf offener See zwischen Tahiti und Moorea, mit stetigem Swell und starker Strömung, viel wechselnden Winden die beste Route zu finden - also wir Segler ziehen den Hut vor diesen einfach verrückten seefahrenden Polynesiern!
Aber was hielt schon James Cook, als er im Jahre 1778 Hawaii entdeckte in seinem Logbuch fest: Seit sechs Wochen sind wir nach unserem Anker auf von Bora Bora unterwegs und haben mehr als 2.700sm hinter uns gebracht, ohne dabei eine Menschenseele zu sehen. Und nun paddeln auf einmal Kanus auf uns zu um uns zu begrüssen. Und das faszinierende dabei ist, dass diese Inselbewohner doch dem gleichen Volk angehören, wie auf den von uns vorher schon besuchten Inseln in dieser unendlichen Weite des Pazifischen Meeres. Sein Leutnant war gar der Meinung, dass diese Männer in diesen Kanus - von hellbrauner Hautfarbe, tätowiert und muskulös - am meisten den Maori ähnelten, die aber über 5.000sm südlicher lebten! Cook studierte seine Karten und meinte: „Wie wollen wir uns erklären, dass diese eine Nation sich selbst soweit über diesen immensen Ozean ausgedehnt haben kann?“ Und nach nun weiteren 239 vergangenen Jahren versuchen Historiker und Ethnologen noch heute, Cooks Frage zu beantworten! Auch wenn viele Wissenschaftler zwischenzeitlich die Ansicht vertreten, dass Bewohner von Tahiti zwischen 100 und 300 nach Christus in Auslegerkanus in See stachen und mit Hilfe der Sterne navigierend, zu jenen Inseln gelangten, die wir heute als Hawaii-Inseln kennen.

Nun wieder zurück zu den das Heiva-Festival begleitenden Attraktionen: Da gibt es auch noch Disziplinen wie Schwingen, Steine heben in verschieden Gewichtsklassen, Speerwerfen, Kokosnüsse pflücken und gar Früchtewagen-Rennen. Apropos Schwingen und Steine heben, da bitte ich doch die Schweizer Historiker mal zu überprüfen, wie wir Schweizer zum Schwing- und Älplerfest kamen!? - Schmunzel, schmunzel! Als weiterer Höhepunkt dieser das Festival begleitenden Attraktionen erfolgt zu guter Letzt noch das Fire walk, eine erstaunliche polynesische Tradition. Denn bei dieser authentischen Zeremonie geht ein Priester Barfuss voran über bis 2.000° Celsius heisse Steine, die aus dem im Norden von Tahiti gelegen Papeno’o vally stammen! Übrigens sind Freiwillige eingeladen doch dem Priester zu folgen! - Ähm, nein, ich nicht, da ich gerade anderweitig beschäftigt war! Ha, ha!
       
Bereits ist es an diesem 13.Juli 18:00 vorbei und Corinne und ich halten um das nahe Festgelände Ausschau nach einem freien Parkplatz, wobei uns innert wenigen Augenblicken das Glück hold ist. Bald treffen wir am Haupteingang auf Chuck&Linda sowie ihren beiden Bekannten. Für diese drei kommenden Abende haben wir immer Tickets mit Sitzplätzen nebeneinander auf der gedeckten Haupttribüne. Gegen 18:30 begeben wir uns langsam zu den Sitzplätzen und erwarten heute beim ersten von fünf Auftritten eine der drei Gesangsgruppen.
Stellvertretend für das ganze Heiva-Festival halte ich hier im Detail nur die ersten beiden Aufführungen dieses Abends, einer Gesangs- und einer Tanz-Gruppe, fest und verzichte auf Kommentare der weiteren Präsentationen an von heute sowie den zwei noch folgenden Abenden! Denn es wäre sicher für meine Blog-Leserinnen und Leser nicht gerade spannend, allzu viele dieser dann ähnlich von mir festgehaltenen Um
Im weiteren muss ich mir noch Gedanken machen wie ich zu Fotos von diesen Festival-Abenden komme, da es strikte verboten ist während den Aufführungen Bild- oder Tonaufnahmen zu machen. Wenn man erwischt wird, wird man auch umgehend aus der Arena raus geschmissen. Wir werden daran erinnert, dass die hier anwesenden Profi-Fotografen nur gegen Bezahlung hier Fotos machen dürfen. Okay, dieses Problemchen werde ich in diesen Tagen wohl auch noch lösen! 
 
So, nun ist 18:45 vorbei und unter grossem Applaus erscheint die erste von drei auftretenden Gesangs-Gruppen dieses heutigen Abends auf der Bühne. Wie alle späteren auftretenden Gesangstruppen setzen sie sich in einem Halbkreis um ihren Chief und präsentieren, unter stetigem wippen des Oberkörpers, ihre singend erzählten Geschichten. Dabei werden durch alle Gruppen alle möglichen Höhen und Tiefen ihrer Stimmmöglichkeiten eingesetzt. Für viele von uns Zuschauern, die sich in der polynesischen Sprachvielfalt nicht auskennen, ist es natürlich schlichtweg unmöglich den Inhalt dieser vielfach monoton klingenden Geschichten zu verstehen! Dabei werden wohl die Lyrics, da sie von den Juroren bewertet werden müssen, auf zwei Leinwände links und rechts der Bühne projiziert, aber die können natürlich nur die Polynesier lesen. Natürlich wäre es zu viel verlangt, wenn für uns auswärtigen Zuschauer diese Texte vielleicht noch in English zur Verfügung stehen würden. Ein wenig Abwechslung bringen dann diese Gesangsgruppen, wenn sie gegen Ende ihrer jeweils gut 30minütigen Vorführung wieder stehend, zusammen mit ihren Solo-Sängern eine meistens komödiantische Geschichte besingen. Aber trotzdem ist es halt so, da sich diese Gesangs-Vorführungen auch an den zwei folgenden Abenden in etwa gleich anfühlen, dass wir Ausser-Polynesier uns vor allem auf die Aufführungen der Tanzgruppen freuen. Aber begleitend können wir an deren freudigen Reaktionen feststellen, dass auch die polynesischen Zuschauer etwa gleich wie wir fühlen!
Ja und dann erschien unter lautem Gekreische die erste Tanzgruppe auf der grossen Bühne, um ihr jeweils eine Stunde dauernde Performance zu präsentieren! Und für eine solche nun folgende Tanzshow braucht es eine im Ausmass grosse Bühne, denn ich zählte um die 160 Mitwirkenden! Wobei erhöht, hinter dieser erwähnten grossen Bühne für die Aufführungen, noch eine weitere Bühne für die die Tänzer begleitende Musikgruppe platziert ist. Meistens noch ergänzt mit etwa sechs Sängerinnen und Sängern. Und diese kunstvoll arrangierte Zusatzbühne ist einfach eine Augenweide, denn auf sechs Leinwänden werden immer wieder farbenprächtige Bilder von Tikis oder sonstige polynesische Skulpturen oder Hieroglyphen eingeblendet. Wow, und jetzt geht hier die Post ab, was nur schon diese sechs Musiker drauf haben, Trommeln und nochmals Trommeln verschiedenster Bauarten, Rasseln, Flöten und Ukulelen. Das fährt auch bei mir so ein, dass ich jedes Mal Hühnerhaut kriege! Diese Musiker können die Tänzer in richtige Ekstase bringen und auf einmal tönt es wieder wie Musik aus den Anden oder es sogar weicher Pop raus zu hören. Aber dann geht das Trommel-Inferno wieder los und es folgt unter lautem Gebrüll ein weiterer Kriegstanz. Und was dann die grosse Tanzgruppe dann da auf der Bühne abliefert ist wirklich mehrheitlich einfach Phänomenal! Diese grandiose Choreographie, begleitend mit den in unglaublichster Koordination schwierig auszuführenden Tanzfiguren und den wirklich traumhaften farbigen Kostümen! Neben den beeindruckenden Künstlern auf der Bühne möchte ich hier an dieser Stelle auch an grosses Kompliment an die jeweils verantwortlichen Choreographen und Kostümentwerfer machen! Denn es ist einfach eine richtige Orgie für Augen und Ohren diesen unvergleichlichen Darbietungen beiwohnen zu dürfen! Öfters stehe auch ich mit andern spontan auf und pfeife was das Zeug hält! - Also auch mit 70zig pfeife ich noch lange nicht aus dem letzten Loch! Schmunzel, schmunzel!
Apropos schreien und pfeifen! Natürlich sitzen unter den Zuschauern auch viele Familienmitglieder der auftretenden Künstler und gar sind vereinzelte Fangruppen irgendwo auf der Tribüne auszumachen. Und wenn man wie wir das Glück haben, solche Fans in unmittelbarer Nähe in Aktion zu sehen, da ist es manchmal wirklich schwierig zu entscheiden, ob man seine Aufmerksamkeit nun den Künstlern auf der Bühne widmet oder hier oben auf Tribüne diese eingefleischten Fans bewundert! Da werden immer wieder Namen von Tänzerinnen oder Tänzern in Richtung Bühne geschrien und bei besonders gelungenen Tanzfiguren - besonders wenn die Tänzerinnen mit unglaublicher Performance ihre Hüften und Po wirbeln lassen - werden auch Freudentränen vergossen! Gegen Ende des Main Acts dieser Gruppe treten dann noch die Solotänzerin und der Solotänzer auf sowie die Musiker kommen mit ihren Instrumenten auf die Bühne und erhalten nun auch bei ihrem Soloauftritt gebührende Beachtung! Aber nach gut einer Stunde ist das Spektakel dieser Tanzgruppe vorbei und es folgen heute noch zwei Gesangs-Gruppen und zum Schluss eine Tanzgruppe. Und um 22:45 ist für uns der erste unvergessliche Heiva-Festival-Abend vorbei und aufgrund der vorgerückten Stunde verabschieden wir uns hier gleich voneinander und treffen uns auch die nächsten zwei Abende jeweils um 18:30 vor dem Haupteingang. Und wie vereinbart gewährt mir Corinne, wie auch morgen nochmal, wieder einen Lift zurück zur Marina Taina. Um 23:00 liege ich in der Koje und träume diese Nacht vermutlich von ihre Hüften schwingenden Tahitianerinnen!

Am 14. Juli habe ich auf 09:30 das Liana-Taxi organisiert um in der Stadt meinen Outboarder und das Liferaft abzuholen. Es ist wieder Roberto der heute mit mir diese Taxifahrt nach Papeete und zurück durchführt. Pünktlich treffe ich ihn vor dem Pink Coconut und wir erreichen, um diese Tageszeit ohne Rush hour-Probleme bei der Stadt-Durchfahrt, das angrenzende Industriegebiet. Als erstes geht’s zur Yamaha-Werkstatt und ich begleiche im Office die Rechnung über 175USD und bitte den Werkstatt-Chef meinen Outboarder doch nochmals auf den Prüfstand zu setzen. Dies aus Erfahrung, da bei meinem letzten Service auf Union Island ich bei der Outboarder-Montage am Dingi feststellen musste, dass die Wasserkühlung  nicht funktionierte. Also gehe ich gleich hinüber in die Testlaufecke, denn ich will einfach sehen und hören wie schnell er anläuft und ob mit auslaufendem Wasser die Kühlung funktioniert. Beides verläuft zu meiner Zufriedenheit und auch die neu eingesetzten Bowdenzüge funktionieren richtig, wenn auch ein bisschen streng. Ich lasse den Outboarder das im Vergaser noch befindliche Benzin verbrennen um ihn gleich liegend in das Taxi zu verfrachten. Dann suche ich im Gebäude nebenan Nautisport auf und Jonas holt mein Liferaft nach vorne und nach Begleichung auch dieser Rechnung über die vorinformierten 1‘114USD ist auch noch das Liferaft schnell im Taxi verstaut. Ich bitte Roberto noch bei der Enipac vorbei zu fahren, damit ich bei dieser Starter-Reparatur endlich eine Entscheidung fällen kann. Ja und die fälle ich dann auch gleich! Denn der erstmals anwesende Chef, ein Asiate, entschuldigt sich immerhin erstmal, weil diese ganzen Abklärungen wegen meiner Starter-Reparatur gegen vier Wochen gedauert haben. Dann zeigt er mir mit finsterem Gesicht und zwei Proforma-Rechnungen auf wie sich die Sache nun präsentiert: 1. Die Reparatur würde sich leider, aufgrund der sehr teuren Beschaffung des Ersatz-Relais aus Frankreich, auf 1‘140USD belaufen! 2. Würde er mir aber eher empfehlen doch gleich einen neuen bei Sopol am Lager liegenden Starter zu kaufen. Dieser würde 1‘400USD (!) kosten, also nur etwas weniger mehr als die Reparatur, da ihm Bruno von der Sopom einen Rabatt von 20% gewähre! So, so, mein lieber „kleiner Mafioso“ denke ich, jetzt kläre ich dich mal auf was hier Sache ist! Mit ruhiger Stimme und gar einem Lächeln auf meinen Lippen erwidere ich ihm folgendes: 1. Ein solches Ersatz-Relais könne auch aus Europa eingeflogen nicht mehr als vielleicht 150USD kosten und somit würde sich diese Reparatur maximal auf 300USD (nicht 1‘140USD) belaufen. 2. Und was diesen neuen Starter von Sopom betrifft, den hat mir Bruno bereits, unter Nachlass der Tax, zu 935USD (nicht 1‘400USD) zum Kauf angeboten! Übrigens gehe ich mal davon aus, dass ein solcher neuer Starter in der Schweiz ca. 600USD kosten würde. Ich werde dieses Problem jetzt mal mit Sandra, die sich ja zum Glück noch einige Wochen in der Schweiz aufhält, weiter verfolgen. Mein neuer „Freund“ spricht nun nur noch von Missverständnissen, aber ich bitte ihn dann einfach meinen hier in Einzelteilen vor uns auf der Werkbank liegenden Starter wieder zusammenzubauen, da ich ihn in den kommenden Tagen abholen werde! Während er sich ein weiteres Mal entschuldigt, verabschiede ich mich von ihm und er verspricht mir, dass der Starter bereits morgen abholbereit sei! Okay, auch mit solchen Situationen muss man sich auf Langfahrt halt hie und da mal rumschlagen!
So, Roberto hat geduldig in seinem Taxi gewartet und so fahren wir nun wieder zurück in die Marina Taina. Bei der Ankunft vor dem Pink Coconut muss ich ihm für diese etwas über zwei Stunden andauernden Taxifahrt nur 40USD bezahlen. Ich lade dann noch den Outboarder und das Liferaft aus, die ich mit einem der vielen hier stehenden Carrefour-Einkaufswägeli zu meinem an der Pier liegenden Dingi fahre. Auch das Umladen ins Dingi ging problemlos und schon schleiche ich mit meiner schweren Fracht auf die KYORY zu. Dort angekommen entferne ich gleich als erstes den Ersatz-Outboarder von Andreas und fixiere ihn an meiner Reling und montiere meinen mitgebrachten Outboarder am Dingi. Dann ziehe ich das Dingi auf der KYORY-STB-Seite nach vorne und kurble das vorher mit einer Leine umwickelte Liferaft mit dem Parasailor-Fall nach oben zu heben um es dann über die Reling auf Deck zu ziehen. Das ging ja auch alleine fix und umgehende befestige ich das Liferaft wieder an seinem Stammplatz vor dem Mast. So, nun bereite ich mir zum z’Mittag einen Mix salad mit Käse- und Salami-Stückchen zu. Zum Essen setze ich mich ins Cockpit und geniesse dabei einen weiteren schönen fast wolkenfreien Tag auf Tahiti. Gegen 15:00 will ich es wissen und verbinde den Benzintank mit dem Outboarder, um ihn gleich mal einem „Belastungs-Test“ zu unterziehen. Es braucht dann aber unter mehrmaliger zu Hilfenahme des Chokes einige Startversuche bis er rund läuft. Ich lasse ihn dann ein bisschen warm laufen und schon bald düse ich wieder mit dem Dingi surfend über die Wellen! Da scheint soweit doch alles iO zu sein ich befestige das Dingi nach diesem erfolgreichen Testlauf am KYORY-Heck. Anschliessend gönne ich mir noch eine wohlverdiente Dusche und beschäftige mich noch eine gute Stunde am Laptop mit den Blog-Texten. Nachdem ich mich umgezogen habe fahre mit dem Dingi zur Marina-Pier rüber, wo mich um 17:50 freundlicherweise Corinne an der Busstation wieder aufpickt. Auf dieser Fahrt nach Papeete hinein, gibt sie mir noch einiges über die unzähligen Dialekte der tahitianischen Sprache weiter. Dabei hält sie fest, dass durch die Missionierung über rund hundert Inseln in Französisch Polynesien das Tahitianisch wohl weit verbreitet wurde. Aber doch hätten die Tuamotus, Marquesas, Gambier- und Austral Islands jeweils ihre eigenen Sprachen mehrheitlich beibehalten. Nachfolgend halte ich hier mal eine kleine Auswahl von wichtigen Wörtern Grussformeln auf Tahitianisch, übrigens mit Aussprache wie im Deutschen, fest:
Guten Tag  /  ia orana
Auf Wiedersehen  /  nana parahi; nana
Ja  /  e; oia
Nein  /  aita   
Vielen Dank  /  mauruuru roa
Frau  /  vahine
Mann  /  tane
Europäer  /  opa‘a
Wickelrock  /  pareu

Gegen 18:20 erreichen wir wieder das Festival-Gelände und diesen Abend benötigen wir ein bisschen mehr Zeit bei der Suche nach einem freien Parkplatz. Aber nach wenigen Minuten haben wir das gesuchte gefunden und wir begeben uns zum Festival-Haupteingang, wo bereits Chuck&Linda mit ihren Bekannten auf uns warten. Und wie Vorgangs in meinen Erlebnissen von gestern des 13. Juli erwähnt, halte ich hier keine Umschreibungen der Festival-Abende mehr fest. Dafür kann oder muss ich an dieser Stelle folgendes schon noch festhalten: Seit wir mit der KYORY in Französisch Polynesien unterwegs sind ist mir schon mal hie und da eine hübsche Polynesierin aufgefallen. Aber was wir Männer nun hier, vor allem während den drei "Heiva i Tahiti"-Abenden auf dem Festival-Gelände, so an wirklich exotischen Schönheiten, inmitten dieser Welt voll leuchtender Farben, bewundern durften, brachte das Blut scho öppe emol in Wallig! Dabei ist sicher Tahiti mit seinem dazu idealen ethnischen Durcheinander von Polynesieren, Europäern, Chinesen und Japanern ein idealer Nährboden für solch umwerfend schöne Menschen beiderlei Geschlechts! Ja, auch ihr lieben Frauen, ab nach Tahiti oder sonst auf eine dieser Südseeinseln! Denn nirgendwo anders werdet ihr auf solch gut aussehende, von Natur aus unbehaarte, glänzend hellbraune muskulöse Männer treffen, die euch stets mit ihren blendend weissen Zähnen anlächeln werden! Okay, die Puritaner und oder strenggläubigen, erzkonservativen Katholikon sollten vielleicht doch besser zu Hause bleiben! - Schmunzel, schmunzel! 

Nach den heutigen Heiva-Aufführungen darf ich nochmals mit Corinne um 22:15 zurück in die Marina Taina fahren. Während dieser Rückfahrt bedanke ich mich ganz herzlich bei Corinne für all diese in den vergangenen zwei Abenden von ihr erhaltenen sehr spannenden und hilfreichen Heiva-Informationen. Aber auch für die vielen weiteren mir erzählten Geschichten über diese Inseln und deren einfach liebenswerten Bewohner! Zum Dank für ihre Liebenswertigkeit schenke ich ihr ein Schweizer Victorinox-Militärmesser, wobei sie mit leuchtenden Augen ihre Freude zum Ausdruck bringt!

Und ich besteige dann nach unserer Ankunft in der Marina gleich mein Dingi und tuckere weg vom Pier. Dies aber nur etwa 100m und dann gibt mein doch heute Nachmittag noch erfolgreich getesteter Outboarder den Geist auf - und stille herrscht da draussen auf dem Wasser. Aber verflixt nochmal, was ist denn jetzt wieder los? Ich kontrolliere die Benzinleitung vom Tank zum Motor, kontrolliere ob die Zündkerzen-Deckel gut sitzen, probiere es mehrmals mit und ohne Choke, aber ich kann das Starterkabel so oft ziehen wie ich will - er macht keinen Wank! Aber scheisse nochmal, heute will ich nicht nochmal zur KYORY zurück paddeln! Auch muss ich nebenbei, trotz meinem Positions-Lämpli auf der Stirne, gut Ausguck halten, denn ich liege hier in der Schiffs-Fahrrinne von und nach Papeete. Aber da es schon 23:00 vorbei ist, sind zum Glück nur noch vereinzelte Boote unterwegs. Aber an was kann denn mein Yamaha sonst noch kränkeln, ist er vielleicht abgesoffen. Also starte ich einen weiteren Reanimations-Versuch und unterbinde die Benzinleitung vom Tank zum Motor. Anschliessend soll durch wieder mehrmaliges ziehen des Starterkabels der Zylinderkopf sowie die Zündkerzen ein wenig ausgetrocknet werden. Aber auch dieser Versuch bringt den Outboarder nicht zur Auferstehung! Okay, jetzt mache ich das Gegenteil und unternehme die folgenden Startversuche nur noch mit stets voll gezogenem Choke. Und ich verstehe die Welt nicht mehr, denn nach wenigen Zügen brummelt mein Oldy, wenn auch noch ein bisschen hüstelnd, wieder vor sich hin! So nehme ich wieder Fahrt auf und komme ohne Vollgas zu geben der KYORY immer näher und liege, nachdem ich das Dingi vorher noch an die Reling rauf gezogen habe, dann doch noch vor Mitternacht in meiner Koje! Über das Problem mit dem Outboarder studiere ich zu dieser später Stunde nicht mehr lange nach. Sollte ich aber Morgen den Fehler nicht finden, vermutlich ist der Vergaser das Problem, kann die Yamaha-Werkstatt den Outboarder hier abholen.

Bereits ist Samstag, 15. Juli und ich sitze kurz vor 07:00 schon im Dingi, denn das Problem mit dem Outboarder lässt mir einfach keine Ruhe! Vorher habe ich übrigens noch den Outboarder-10Ltr.-Tank mit etwa drei Litern reinem Benzin ganz aufgefüllt, womit jetzt im Tank nur noch ein Benzin/Öl-Gemisch von etwa 1:70 vorherrscht. Auch habe ich die eigentlich schon freie Benzinleitung nochmals durchgeblasen. So starte ich wieder mit gezogenem Choke den Outboarder und beim zweiten Startversuch brummelt er immerhin schon vor sich hin! Ich drehe dann mit immer noch gezogenem Choke und nicht voll aufgedrehtem Gashebel vorsichtig eine erste Runde um die KYORY. Das geht anfangs soweit gut aber auf einmal fängt er zu stottern an. Sofort drücke ich den Choke rein und drehe das Gas auf und siehe da, der Motor läuft wieder rund wie immer und mit full power komme ich auch wieder ins surfen! Ich fahre nun noch ein wenig weiter, wenn auch immer noch in unmittelbarer Nähe zur KYORY, die Fahrrinne rauf und runter. Und wirklich, der Outboarder läuft wieder, wie ich es von ihm gewohnt bin! Ja gut, dann zeige ich schon mal verhaltene Freude und tuckere zur KYORY zurück.

Nun bereit ich mir mein verdientes z’Morge zu und überlege mir dann beim Essen wie ich heute Nacht, nach dem Besuch des dritten Heiva-Festival-Abends, ein anderes grosses anstehendes Problem lösen will!? Denn ich habe sehr hohes Fieber! Ja, den wieder einmal hat mich das Tennis-Fieber um unseren Roger Federer erwischt! Und nun will ich, wie schon bei den im Januar dieses Jahres mit Sandra nachts in Taiohae mitverfolgten Australien Open-Final, auch den diese Nacht stattfindenden Wimbledon-Final, zwischen Miran Cilic und Roger Federer, unbedingt am TV sehen. Dabei muss ich diesen Vormittag eh schon vor 12:00 in die Stadt aufbrechen, da ja hier an einem Samstag nach High noon keine Busse mehr verkehren. Somit habe ich dann in Papeete genügend Zeit um zu sondieren, wo ich dann nach meinem letzten Heiva-Abend spät nachts um 03:00, über zwei oder gar vier bis fünf Stunden, diesen die Massen bewegenden Tennis-Match mitverfolgen könnte! Sicher werde ich im 3Brasseurs und in der BBLounge entsprechende Möglichkeiten abchecken. Um 09:00 tuckere ich mit dem Dingi, angetrieben von einem vorbildlich laufenden Outboarder, zur Marina-Pier um im Marina-Office noch meine am 12. Juli abgelaufene Miete für die Mooring zu verlängern und anschliessend im Carrefour einiges an Esswaren einzukaufen. Um 10:30 bin ich wieder zurück und lasse die eben eingekauften Poulet-Sticks im Ofen brutzeln! Und bevor ich mich dann zum Essen ins Cockpit setze genehmige ich mir vor dem umziehen noch eine Dusche. Mittels einem heute guten „Time Management“ bin ich um 11:30 bereits wieder mit dem Dingi einmal mehr zur Marina Pier unterwegs. Und nach wenigen Minuten Wartezeit fährt der Bus in die Marina-Haltestelle ein und auf geht’s nach Papeete. Sicher Verständlich, dass ich nach meiner Ankunft in der City, mit 1. Priorität die Abklärungen bezüglich Mitverfolgung dieses nächtlichen Tennis-Spektakels an einem TV-Bildschirm einleitete! Das 3Brasseurs mit Gartenwirtschaft und schliessbarem Innenraum wir leider schon um 22:00 abgeschlossen. Dann suche ich die Bora Bora Lounge auf, wo ich ja vor drei Wochen meinen Geburi gefeiert hatte, und frage den inzwischen näher kennenden Inhaber Stephane, ob er eine Möglichkeit sähe, dass ich bei ihm diesen Match zu so später Stunde irgendwo anzuschauen könnte! Er überlegt kurz und meint dann: „Mein Gartenwirtschaft-Restaurant im Parterre schliesse ich nach 03:00, wobei es ab 24:00 nichts mehr zu Essen gibt und den kleinen Disco-Club im ersten Stock schliesse ich um 04:00. Anschliessend sitzen jeweils die Angestellten noch eine Weile im Garten-Restaurant miteinander zusammen! Und da dich ja mein Team kennt, instruiere ich sie, dass sie für dich im Restaurant einen Grossbildschirm laufen lassen bis der Match vorbei ist. Sollte der Match aber bis gegen 07:00 oder gar noch länger andauern, könne mir dann sein Security aufzeigen wo ich den TV und die Beleuchtung ausschalte könne!“ Wow, danke lieber Stephane, die kommende Nacht ist gerettet und ich kann vorher meinen heutigen dritten und letzten Heiva-Abend so richtig geniessen! - Vermutlich haben meine Blog-Leserinnen und Leser aufgrund meinen Fragen zu den mir hier unbekannten nächtlichen Schliesszeiten der Restaurant mitbekommen, dass ich doch kein Nachtstreuner mehr bin! Schmunzel, schmunzel!
So schlendere ich nach einem Hamburger-Lunch noch eine Weile durch die Stadt, lege dazwischen kleinere Pausen auf einer Bank an der Seepromenade eine. Und während meine Augen über das blaue Waser hinüber nach Moorea schweifen, dabei ein- und auslaufende Segelboote mitverfolgend, werde ich mir wieder einmal mehr bewusst welch Rüüdig verrocktes Leben ich in meinem „jugendlichen“ Alter hier im Südpazifik noch erleben darf!
So begebe ich mich also an diesen Samstagabend, 15.Juli gegen 18:30 ein letztes Mal zu unseren Sitzplätzen auf der Heiva-Tribüne. Chuck hat nämlich vorher mittels SMS informiert, dass sie vier etwas später auf dem Festgelände eintreffen werden. Na ja, vielleicht hängt es damit zusammen, weil die heutigen Vorführungen mit zwei Gesangs-Gruppen beginnen!? Gegen 19:00 trudeln dann auch Chuck&Linda mit ihren zwei Bekannten auf der Tribüne ein und wir saugen nochmals dieses unvergleichliche Festival Ambiente mit ihren zwei noch folgenden spektakulären Tanzgruppen sowie weiteren zwei Gesangsgruppen in uns auf! So geht für uns fünf dieses Heiva i Tahiti 2017 diesen Abend um 23:30 zu Ende! Auf dem Festival- Gelände kommt es nun noch zur grossen Verabschiedung, da Chuck&Linda morgen früh mit ihren zwei Gästen, Beryl&Dan, auf der Jacaranda als erstes das gegenüberliegende Moorea ansteuern werden um anschliessend noch etwas gegen Westen zu segeln. Beryl&Dan werden dabei von Moorea aus mit der Fähre wieder zurück nach Papeete fahren, um dann von dort aus zurück in die USA zu fliegen. Dagegen hat die Jacaranda-Crew eingeplant, so anfangs September wieder hier in Papeete einzutreffen. Also werden dann Sandra und ich irgendwann im September hier in Papeete nochmals mit unseren lieben US-Freunden David&Kim von der Maluhia sowie der Jacaranda von Chuck&Linda ein sicher grosses Wiedersehen feiern!

Aber nun zieht es mich „automatisch“ bereits jetzt kurz nach Mitternacht eindeutig in Richtung der Bora Bora Lounge! - Schmunzel, schmunzel! Ja, ich gebe es zu, auf solche Finalspiele mit unserem Tennis-Künstler Roger Federer, wobei Wimbledon ja das grösste und wichtigste Grand Slam-Tennisturnier des Jahres ist, kann ich mich noch freuen wie ein kleiner Junge! Und hoffe dabei, dass mir das Kind im Manne auch über die nächsten Jahre nie verloren geht! Bald treffe ich im um diese Zeit natürlich fast vollen mit fröhlichen und aufgestellten Gästen besetzte BBL ein und setze mich an ein Tischchen vor einem der drei hier aufgehängten TV-Gossbildschirme. Während Ich gleich meinen Laptop auspacke kommt bereits Tiare mit einem einem Lächeln auf mich zu und signalisiert mir, dass ihr Papa Stephane bereits von meinem nächtlichen hier verfolgenden Tennis-Match erzählt habe. Auch sie freue sich für mich und so ordere doch mal eine Stange Bier um meinen Durst zu löschen! Apropos Bier, es stehen hier in den Garten-Restaurants den Gästen folgende Bestell-Möglichkeiten offen: Eine kleine Stange, wie ich sie immer bestelle, ein ½-Ltr- oder 1ltr.-Humpen oder gar ein 1.5Ltr.- oder 3Ltr.-Kübel voll mit Bier! Jo mei, das Oktoberfest München lässt grüssen! Und wirklich, ich treffe hier hie und da auf Südsee-Touristen aus Deutschland! Ich habe zum Glück mit dem Laptop eine gute Internet-Verbindung und neben dem beantworten von ein paar Mails, lese mal als erstes die diversen Vorschau-Kommentare zu diesem Tennis-Match durch und höre mir im Livestream die diversen Interviews an. Dabei muss ich infolge des verständlichen Samstagabend-Kneipen-Lärmpegels, wobei im hinteren Teil des Restaurants sich noch eine von den Gästen viel benützte Karaoke-Anlage befindet, dem Laptop mit meinen Lautsprecher-Headset verbinden. So vergeht die Zeit im Fluge und Tiare bringt mir noch trotz geschlossener Küche ein schön heisses Panini mit einem zusätzlichen Bier vorbei. Eine Stunde vor Match-Beginn erfolgen in der Direktübertragung  die ersten Livebilder mit den bekannten verschiedenen Interviews von Kommentatoren mit ehemaligen Tennis-Grössen. Dann ist es soweit, um 03:00 beginnt dieses für Roger Federer, aufgrund der Statistiken, dieses geschichtsträchtige Endspiel, das er mit teils traumhaften Turnier-Auftritten ohne Satzverlust erreicht hat! Denn wenn er diesen Match für sich entscheiden kann, wäre er der erste Tennisspieler überhaupt der 8x das Wimbledon-Finale hätte für sich entscheiden können! Begleitend würde er auch seinen sagenhaften Rekord mit dann bereits 19 Siegen an einem Grand Slam-Finale weiter ausbauen können! Wenn ich so im Restaurant mich rumschaue stelle ich fest, dass ich der einzige bin, der sich hier für diesen Tennis-Match interessiert. Aber das wird in der Schweiz und anderswo wohl um einiges anders aussehen und so erwarte ich es betzeli kribbelig das erste Aufschlagspiel dieses Matches zwischen Miran Cilic und Roger Federer! Und wie länger das Spiel dauert, nimmt auch meine Anspannung und Nervosität ab. Denn es zeichnet sich mit Fortdauer des Spiels immer mehr ab, dass der wieder blendend aufgelegte Tennis-Künstler den Sieg nicht mehr aus den Händen geben wird. Aber nichts schmälert Federers Leistung, auch wenn sein gegenüber Cilic wegen einer offenen Fussblase und sicher auch überstrapazierten Nerven während dem Spiel in Tränen ausbricht. Und dann der erlösende Augenblick um bereits gegen 05:00 Tahitischer Zeit, Roger Federer hat es in seinem unglaublichen Comeback-Jahr geschafft zum 8ten Male den Wimbledon-Topf zu gewinnen! Das beeindruckende an diesem sicher grössten Tennis-Spieler aller Zeiten ist immer seine von der ganzen Tennis-Welt bewunderte Eleganz wie er sich bei diesem Spiel auf dem Platz bewegt. Dies verbunden mit seiner Art auch die unmöglichsten Bälle mittels nur von ihm gezeigten unmöglichen Schlägen über oder gar neben dem Netz ins gegnerische Feld zurück zu schlagen! Und zu guter Letzt strahlt dieser Tennis-Künstler eine einzigartige Persönlichkeit mit unvergleichlichem Charisma aus, wie sie noch bei keiner anderen grossen Sportler so gesehen habe!- Also einmal mehr, Danke Roger für diese uns in Erinnerung bleibenden Tennis-Stunden vom Wimbledon-Turnier 2017!
So schlendere ich verständlicherweise mehr als nur Happy zum nahen Taxistand, der mich für 30USD zurück in die Marina führt. Und als bereits die ersten Sonnenstrahlen im Osten erscheinen liege ich kurz nach 06:00 (!) in meiner Koje der KYORY und versuche etwas zu schlafen. Immerhin gelingt mir das bis gegen 10:00 und noch müde und ein bisschen gerädert, vom langen Sitzen der letzten Nacht, stehe ich auf. Ich komme nur langsam in Schwung und geniesse bei wieder herrlichem Südsee-Wetter, aber mit noch kleineren Augen als sonst schon, mein z’Morge im Cockpit! Aber dieser beschauliche Vormittag währt nur von kurzer Dauer, denn unverhofft fährt ein Mann mit einem Dingi von hinten auf die KYORY zu. Ich reibe meine noch verschlafenen Augen und stelle verwundernd fest, dass es Fred von der Tiki ist! Wir haben uns noch am 3.Mai auf der Shipyard von Atuona von Ihm und seiner Michelle verabschiedet, als wir anschliessend die Tuamotos ansteuerten. Auch hatte er damals noch die zwei alten von mir nicht mehr gebrauchten auf 12.5V geladenen Bosch-Batterien von je 180Ah übernommen. Leider musste er mir jetzt mitteilen, dass es nicht möglich gewesen sei, diese Batterien wieder zufriedenstellend zu reaktivieren. Er habe zwischenzeitlich neue Gel-Batterien gekauft und möchte nun diese alten Bosch hier entwerten. Ich fahre dann mit ihm zur auch an einer Mooring befestigten Tiki und zusammen bringen wir diese alten Batterien zur Marina-Entsorgungsstelle. Beim anschliessenden small talk auf der Tiki erzählen sie mir noch, dass sie Morgen für drei Monate zurück in ihr Haus nach Chile fliegen werden. Ich werde während meinen Tagen die ich noch hier vor der Marina Taina verbringe auch ein Auge auf ihre Tiki haben. Und wenn ich jeweils die KAMA aufsuche werde ich jeweils auch bei der Tiki vorbeifahren um vor allem die Mooring-Befestigung zu checken.
Anschliessend suche ich noch die Italiener Lorenzo&Rosella auf, die morgen Vormittag hier Anker auf Gehen um vor der Fahrt nach Moorea und dann weiter gegen Westen noch eine Nacht in der City Marina von Papeete verbringen wollen. Da ich morgen Montag eh auch wieder in Papeete aufhalten werde, vereinbaren wir, dass ich gegen Mittag bei ihnen vorbeischau um mich von ihnen beiden zu verabschieden. Ergänzend halten sie noch fest, dass einer durch die Versicherung der Freevol signalisierten Zahlung des blöden Schadenfalles nichts mehr im Wege stehen sollte. Da bin ich aber froh für die beiden!
Den weiteren Sonntag-Nachmittag und Abend verbringe ich infolge anhaltend federer‘scher Müdigkeit bei süssem Nichtstun! - Schmunzel, schmunzel! 

Am Montag, 17. Juli befinde ich mich gegen 11:00 bereits wieder bestens ausgeruht in Papeete. Dort logge ich mich im 3B ins nicht gerade berauschend laufende Internet ein. Natürlich muss ich als erstes die Presse-Kommentare und eines oder auch zwei YouTube-Videos über Roger Federers grossen Wimbledon-Sieg gucken. Als ich dann, während den hier auf den stets laufenden  Grossbildschirmen anhaltend eingespielte TV-Wiederholungen mit Sequenzen dieses Spiels, eine deutsche Stimme von einem der gegenüberliegenden Tische mit der Bemerkung höre: „Jetzt übertreiben sie es aber langsam mit diesem Federer!“, kann ich dies so nicht in der Luft stehen lassen und überlege ich mir kurz eine Antwort. Da er vermutlich nicht weiss, dass sich mit mir ein Schweizer im Restaurant aufhält, antworte ich frei von der Leber weg: „ Jo weist, als Schweizer verstehe ich natürlich schon, dass du ein bisschen Eifersüchtig auf uns bist. Aber ihr hattet doch vor hundert Jahren, ach wie hiess er schon, ah ja, jetzt erinnere ich mich wieder - im Insolvenz-Bobele auch mal einen grossen Tennisstar - auf den ihr heute nicht mehr so stolz seid!“ Da meint der Deutsche Touri mit einem Lachen, „Da muess i dir recht gebe, denn vor Federers Leistungen ziehe auch ich den Hut! Und der Boris ist ja eh meistens bei euch in der Schweiz - also behaltet ihn doch gleich!“ So trübt auch weiterhin nichts unser gutnachbarliches Zusammenleben - und wir prosteten uns unter einem lauten lachen noch kurz zu!                                 
Um 14:00 suche ich FastPrint auf um meine neuen Visitenkärtli abzuholen. Alles iO und so ziehe ich ein Gebäude weiter und setzte mich in den Wartsaal des Zahnarztes Dr. Brison. Heute soll ja einer meiner leider angerissenen Keramik-Schneidezähne „repariert“ werden. So setze ich mich um 14:30 auf seinen Behandlungsstuhl und lasse ihn beim schleifen, füllen und polieren seine Arbeit machen. Nach Beendigung seiner dann wirklich ausgezeichneten Arbeit hält Dr. Brison, den Kopf schüttelnd mit einem  Schmunzeln noch fest, dass er sich nicht erinnern könne, wann bei ihm, wie vorhin mit mir geschehen, einer seiner Patienten während der Behandlung ein Nickerchen eingeschaltet habe! Ja, ist mir wirklich passiert, mir der normalerweise nicht mal tagsüber in der Koje, egal wie müde ich bin, für einige Minuten Schlaf findet! Nach Begleichung der Kosten von nur 100USD in seine Hand verlasse ich die Praxis und schlendere zur City Marina hinunter. Als erstes möchte ich meine Italiener Lorenzo&Rosella aufsuchen, aber ich sehe ihr Boot nirgends und auch übers Handy kann ich sie nicht erreichen. Ich verabschiede mich dann mittels einer SMS von den beiden und wünsche ihnen alles Gute für die weitere Langfahrt. So betrete ich noch einen Bäcker-/Konfiserie-Laden und poste was Süsses zum Essen und Trinken und suche, wie vorher vereinbart, die Maya-Crew auf. Nach einem herzlichen Hallo offeriert mir Asma zum mitgebrachten Gebäck noch einen, respektive dann zwei, einfach ausgezeichnete dunkle Espressos aus ihrem original Nespresso-Automaten! Diesen ersten Espresso serviert mir dann Adam in einem neuen schmucken Hinano-Tässchen mit der Hinano-Tahitianerin drauf. Dann witzeln wir wieder mal über dieses einfach erfolgreiche Hinano-Logo und ich animiere dann den 7jährigen Adam mit einem Lachen, doch für mich diese Frau im Internet zu suchen! Da schaut mich Adam kurz an und erwidert ungewollt oder schlagfertig zu mir: „Jo, aber Franz, wänn du di’e Frau dänn au hürote tuesch, ond dänn au Chend öber chonsch, müend di’e dänn aber scho es betzli Älter of d’Wält cho - sosch häsch jo dänn nömme lang öppis devo!“ Da vielen natürlich wir älteren Semester auf der Maya, ob seiner cleveren Antwort in grosses Gelächter aus! Und ja, dann ist es soweit, auch von der Maya-Crew muss ich mich heute verabschieden, denn sie verlassen Morgen Papeete um über die Cook Islands und Tonga spätestens im November New Zealand zu erreichen. Dann wollen sie während der hier herrschenden Cyclon season New Zealand bereisen um dann so ab Mai 2018 mit der Maya New Caledonia und später Vanuatu anzusteuern. Und da Sandra und ich mit der KYORY ab Mitte April 2018 von den Gambiers aus in Richtung Westen aufbrechen, werden wir uns erst so von Ende Juli bis Ende September 2018 New Caledonia und Vanuatu aufhalten. Somit werden wir vermutlich in diesem auch traumhaften Fahrtengebiet nicht aufeinander treffen! So verlasse ich ein bisschen traurig diese neu gewonnen Freunde der aufgestellten Maya-Crew! Auch zu eurem weiteren Langfahrten-Abenteuer wünschen Sandra und ich euch viel Glück mit neuen unvergesslichen Erlebnissen und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! So schlendere ich zurück in die nahe City und fahre mit dem Bus zurück in die Marina Taina. Um 18:30 ziehe ich bereits das Dingi an der KYORY-Reling hoch und gönne mir ohne was zu essen, hatte ich doch auf der Maya genügend Süsses verdrückt, einen besinnlichen Abend bei Kerzenschein und meinem e-book im Cockpit! Okay, ein Hinano war noch dabei! - Schmunzel, schmunzel! 

Nichts Neues vom 18. Juli, denn auch an diesem Tag durchstreife ich ein weiteres Mal Papeete. Als erstes suche ich heute in eine Apotheke auf um für mich Magnesium-Tabletten und etwas Heftpflaster zu besorgen. Dann stehe ich auf eine Waage, hier ja stetig bekleidet mit Shorts und T-Shirt, und stelle mit Freude fest, dass mit 82kg in etwa mein Kampfgewicht  angezeigt wird. Damit kann ich auch Christine zu Hause beruhigen, die beim Anblick der einten oder andern Foto von mir schon dachte, ich sei mach Biafra ausgewandert! Auch wenn dies von mir ein blöder Vergleich ist, trotzdem ein: Schmunzel, schmunzel! Nein, wirklich, ich kann euch beruhigen, denn ich war immer schon ein Spräntzel und bin und fühle mich gesund und munter!
Dann habe ich mir Gedanken gemacht bezüglich „Wie komme ich an schöne Fotos vom Heiva-Festival?“ Meine Idee ist nun einen Profi-Fotografen, der am Heiva i Tahiti Fotos machte, zu kontaktieren. Aus diesem Grunde besuche ich die mir bekannte Empfangsdesk von FastPrint auf, um eventuell so an einen Fotografen bei einer lokalen Zeitungsredaktion zu kommen. Nach kurzer Rücksprache mit einer Kollegin überrecht sie mir auf einem Kärtchen den Namen mit zwei Tel.-Nummern eines am Heiva-Festival akkreditierten Fotografen mit dem Namen Stéphane Mailion! Das ist natürlich Super und ich werde ihn dann später gleich mal kontaktieren. Als nächstes hole ich bei Enipac noch meinen Anlasser mit dem kaputten Relais ab. Dabei macht mich der Mechaniker noch darauf aufmerksam, dass ich bei Bestellung eines neuen Relais auch noch zwei neue Dichtungen mit bestellen sollte. Gegen Mittag suche ich zum Essen die BBLounge auf und bedanke mich bei Stephane nochmals ganz herzlich für seine kollegiale Hilfe, dass ich hier letzte Samstagnacht den Federer-Match schauen durfte. Auch er strahlt über sein Gesicht an diese Erinnerung und als noch seine Tochter Tiare dazu kommt knipse ich von den beiden gleich noch ein Erinnerungsfoti! Bevor ich mich ins Internet einloggte kontaktierte ich per Handy noch den Fotografen Stéphane Mailion. Mit etwas Glück hatte ihn wirklich gleich am Phone und konnte ihm, aufgrund der auch ihm bekannten Bild/Ton-Vorschriften am Heiva-Festival, meine Wünsche bezüglich einigen Schnappschüsse von den Tanz-Aufführungen der vergangenen Abende kundtun. Er meinte dann, nachdem ich ihm was über meine Langfahrt und meinem Blog erzählen musste, dass er mir gerne mit einigen Bildern aushelfen würde, ich ihm aber doch vorher noch meine Blog- und Mail-Adresse per SMS übermitteln solle. Er rief mich dann eine halbe Stunde später wieder an und erklärte sich bereit mir unentgeltlich einige Heiva-Bilder an meine Mail-Adresse zu übermitteln. Nun lasse ich mich mal überraschen was er mir so alles zuschickt! Anschliessend logge ich mich noch ins Internet ein, musste mich dann aber leider mit einem hausgemachten BBL-Problem herumschlagen! Stephane hat sich nämlich folgenden zusätzlichen Werbegag für das BBL ausgedacht: So alle 30Min. werden aus dünnen Röhrchen, die innen an der Decke im ganzen Restaurant herum führen, durch kleine Ventile stossweise kühle und über-feuchte Wolken ausgeblasen. Dieser Gag, mit seinen infolge hoher Feuchtigkeit fast undurchsichtigen Wolken, kommt bei den Gästen natürlich mehrheitlich gut an. Aber nicht bei allen, denn wenn wie bei mir diese feuchten Wolken in die Nähe meines Laptops kommen kann ich ihn nur so schnell wie möglich abdecken. Ansonsten diese hochgradige  Feuchtigkeit in all seine Ritzen, vor allem in die kleinen USB-Steckeröffnungen, rein fliesst - und dann steigt der Laptop aus! Ich habe dann mit Tiare darüber gesprochen und sie wird dieses Problem an ihren Papa, der inzwischen das Restaurant verlassen hat, weiterleiten. Übrigens haben wir das gleiche Problem bei hoher Luftfeuchtigkeit auch auf unseren Booten, nur ist dieses Problem dann noch um einiges schlimmer, da es sich um salzhaltige Luft handelt. Und die wird dann ein vor allem nicht gut geschützter Laptop mit seinen vielen Öffnungen nicht lange überleben! So suche ich verständlicherjeweils zum erledigen meiner diversen Laptop-Jobs nun mehrheitlich das 3Brasseurs auf, wobei ich mich stets in meiner "Sitzecke" aufhalte!                 

In den vergangenen Tagen habe ich mich in einer konzentrierten Aktion, dies während einem grossen Teil der Tage und Abende, meinen drei noch offenen Blog-Reiseberichten der letzten zwei Monaten gewidmet.
An dieser Stelle erlaube ich mir mal wieder mittels einigen Punkten etwas ausführlicher festzuhalten, was es für mich - und für meine nun auch schon seit bald zwei Jahren auf der KYORY mit reisenden Sandra - bedeutet, unsere erlebten kleinen Abenteuer, Freuden, aber auch Enttäuschungen, vermischt mit persönlichen Empfindungen, nieder zu schreiben.
1. Ich liebe es zwar zu schreiben, nur muss ich immer den richtigen Zeitpunkt dazu abwarten, um dann mit einem entsprechenden Motivationsschub auch gleich dran zu gehen! Aber nun hielten wir uns in den vergangenen zwei Monaten im vermutlich schönsten Fahrtengebiet unseres Blue Planet auf. Dabei drangen eine Unmenge von Erlebnissen und Eindrücken auch in mein Gehirn ein und mussten erstmal verarbeitet werden. Nicht alle können das gleich schnell und bei mir geht es dann eine Weile, bis ich den Schalter wieder umlegen kann, um mich dann wieder Mal an den Laptop zu setzen und einfach so drauf los zu schreiben! Aber eins möchte ich hier noch klar und unumstösslich festhalten, auch wenn es mir beim Schreiben läuft, glaubt mir: Es ist in jedem Fall harte, harte Knochenarbeit!
2. Auch wenn ich eine einfache Ausdrucksweise mit einfachem Schreibstiel habe, lese und überarbeite ich meine entworfenen Texte ein zweites, ein drittes Mal und immer ändere oder passe ich dabei was an. Oder setze zusätzlich eine mir gerade wieder eingefallene Geschichte ein. Aber auf einen Profi-Lektor verzichte ich auch weiterhin! - Schmunzel, schmunzel! 
3. Da auch ich gewissen Stimmungsschwankungen unterworfen bin, versuche ich trotzdem immer mit einem gewissen „Schalk hinter den Ohren“ zu schreiben. Ich gehe dann einfach davon aus, dass dies auch für meine Leserinnen und Leser so mehr Spass macht. Und dass bei solch einem sportlichen und manchmal auch nervenaufreibenden Seglerleben gewisse Kraftausdrücke fallen ist nicht zu umgehen. Oder vielleicht doch, denn von Sandra höre ich solche harte Worte nie!? Aber trotzdem, ich finde es wichtig, dass ich dann diese so halt mal gefallenen und nicht gerade lieblichen Ausdrücke so festhalte und nicht etwa darauf verzichte!
4. Und wenn ich mich wieder mal in einem Abschnitt mit all zu viel technischem Zeugs verbissen habe, kann ich verstehen, dass dann einige Leserinnen und Leser diese Textblöcke überspringen. Aber da auch einige Seglerkolleginnen und Kollegen meinen Blog durchstöbern, ist es natürlich gerade für diese Lesergruppe interessant solche Probleme und den daraus entstandenen Lösungsansätze 1:1 mitverfolgen zu können. Ich gebe mir einfach Mühe, darauf zu achten, dass ich diesbezüglich ein gewisses Gleichgewicht in meinen Texten erreichen kann. Dies in der Hoffnung, dass dabei nicht gleich beide Interessengruppen aufhören weiter in meinem Blog zu lesen!
5. Aber eins ist natürlich klar, auch dieser Blog lebt nicht von den lebendig beschrieben Geschichten sondern vor allem von den begleitend eingesetzten Fotoserien. Denn neben dem Schreiben ist diese Foto-Bearbeitung für mich immer noch, vor allem wenn ich wie jetzt meine Tochter Sandra nicht auf dem Boot habe, ein wenig Zauberei. Denn es ist einfach verrückt, wenn ich nur schon daran denke, was in den letzten Jahren durch das Jimdo-Blog-Team für uns Benutzer so alles verändert und vor allem auch verbessert wurde. Aber da ich jeweils meine Probleme bei Veränderungen in dieser Zauberkiste namens Laptop habe, ist für mich diese Übertragung der Fotis vom Picasa in meinen Jimdo-Blog immer noch jedes Mal eine nervige Angelegenheit. Und den langwierigen Prozess der Bilderauswahl spreche ich hier gar nicht an! Und anschliessend nehme ich mir ja dann begleitend die Mühe, diese Bilder auch noch mit kleinen informativen Texten zu ergänzen. Dabei schneide ich mir vermutlich ins eigene Fleische, denn ich verleite vielleicht einen faulen Leser dazu, auf das zusätzliche Lesen meiner meist doch spannenden Geschichten zu verzichten.
6. Und abschliessend halte ich nochmals den folgenden bereits in einem anderen Zusammenhang andernorts in diesem Blog-Bericht erfassten Text fest: Ich möchte einmal mehr festhalten, dass dieser KYORY-Blog nicht nur den Verlauf und die Beschreibung meiner Erlebnisse dieser Langfahrt beinhaltet, sondern ich darin auch immer wieder meine persönlichen Empfindungen und Erfahrungen festhalte. Damit ist dieser KYORY-Blog für mich zusätzlich etwas mehr, als nur ein detailliertes Logbuch. Dadurch besteht für mich auch nicht mehr die Notwendigkeit, wie noch vor Jahren eingeplant, später mal ein ergänzendes Reisebuch über dieses Langfahrt-Abenteuers zu schreiben!

So, mit diesem Exodus eines Schreiberlings bin ich fast am Ende eines weiteren KYORY-Blog-Reiseberichtes angelangt. Dabei hoffe ich, dass ich all meinen Leserinnen und Lesern ein bisschen was von der grossen Freiheit und Faszination eines solch einzigartigen Reiseerlebnisses auf einer Segelyacht, direkt in die gute Stube bei ihnen Hause in der Schweiz oder sonst wohin beamen kann! Dabei ist es für uns Langfahrtensegler einfach was einzigartiges, eine wirkliche Grenzerfahrung, alleine oder zu zweit auf hoher See, tausende von Kilometern vom Festland entfernt, sich mit dem Wind, den Wellen, den Strömungen, dem Regen und der Technik eines kleinen Segelbootes auseinanderzusetzen - und dies in Symbiose mit einer zu jeder Tag- und Nachtzeit einzigartigen Natur! Langfahrtensegeln ist für mich noch das letzte grosse Abenteuer, das wir Menschen auf diesem Planeten noch erleben können!

Nun soll aber ein Zitat von meinem Vorbild in meinen Jugendjahren, es ist John F. Kennedy, für heute diesen KYORY-Reisebericht abschliessen. Dieser mich unvergessliche und grossartige US-Präsidenten, dem leider nur ein allzu kurzes Leben beschieden war, ist am Meer aufgewachsen und hat dadurch viel Freizeit bei segeln auf See verbracht. Das spiegelt sich auch in seinem nachfolgenden, einem seiner vielen Zitate, wieder:

„Denn ursprünglich entstammen wir alle dem Meer - und es ist eine Tatsache, dass der Salzgehalt des Blutes, welches durch unsere Adern fliesst, exakt dem des Meeres entspricht.
Dieses Salz in unserem Blut, in unserem Schweiss, in unseren Tränen - so sind wir seit jeher dem Meer verbunden, und wenn wir zu ihm zurückkehren, sei es, um es mit unseren Schiffen zu befahren, oder uns einfach nur von seiner unendlichen Weite faszinieren zu lassen, so kehren wir zu unserem Ursprung zurück!“