Am 18. Mai 2018 geht es nach fast 5monatiger in den Gambiers verbrachten Cyclon Season Anker auf um vorerst das Amanu Atoll/Tuamotus anzusteuern.

Ja, und diesen Freitag, 18. Mai 2018 geht es also wieder auf grosse Fahrt zur ersten Etappe auf dem Weg zurück gegen NW. Als erstes Ziel wollen wir das Amanu Atoll im Tuamotus Archipel anlaufen. Kurz vor 0900 legten noch unsere Freunde Atak&Ilona, von ihrer etwas auf Mangareva abgelegenen Güggeli/Früchten-Farm, mit ihrem Motorboot bei uns an. Dabei überraschten uns die beiden mit drei Säcken voll mit diversen Früchten und zwei Bananenstauden. Auch legte uns Atak zum Abschied noch je eine Muschel/Perlen-Kette um den Hals! - Enfach verrückt! Dieses unglaublich liebe und gastfreundliche Volk der Polynesier werden wir wirklich nie vergessen können!
Bevor wir aber Anker auf gingen, suchten wir nochmals das Jojo auf um ein bei einem letzten Internet-Aufruf das Wetter zu checken, wobei aber seit gestern keine nennenswerten Veränderungen eingetreten sind. Umgehend gingen wir noch beim Bäcker vorbei und packten drei frische Baguettes ein. Und schon waren wir wieder unterwegs zur KYORY, wo wir ohne uns gross zu stressen die restlichen Arbeiten vor dem Anker auf in Angriff nahmen. So parkierten ua wir das Dingi auf dem Vordeck, verschraubten den Outboarder am Heckkorb und setzten bereits den Spibaum, da wir nach dem Verlassen der Gambiers sicher gleich Butterfly segeln können.

Und um 1620 des 18.5.2018 war es also soweit, wir gingen problemlos Anker auf und ich steuerte die KYORY auf den Schifffahrtskanal zu. Unter Winke-Winke und etwas Huperei von befreundeten Booten leite ich die KYORY durch den Kanal auf den W-Pass zu. Gegen 1800 passieren wir die Ausfahrt bei 15Kn Wind mit etwa 1.5m Swell und setzen gleich mal die Genua mittels Spibaum auf BB und das Gross auf STB! So kommen wir unter Butterfly und Bäru-Unterstützung mit um die 4Kn auf einem Kurs von 305° ohne begleitendes Motorengeräusch schon ordentlich voran. Gemäss Weatherforecast erwarten wir vorerst Wind aus SE, bevor er dann am zweiten Tag auf E umschwenken sollte. Dies würde uns dann auch das bequemere Halbwind- oder Raumschotsegeln gestatten. Aber vorerst geht es soweit ruhig und ohne Squalls in die erste Nacht hinein. Und verflixt nochmals, ich glaub es nicht, bereits nach 2200 erwischt mich leider wieder die Seekrankheit, aber immerhin eine schwächere als auch schon! Was solls, also beiss ich - als doch schon „grosser“ Seefahrer auf die Zähne! - Ha, ha! Immerhin blieb wenigstens Sandra verschont davon. Auch wenn dann der Wind in den neuen Tag vom 19. Mai hinein auf 5Kn zurück ging, kamen wir weiterhin dank etwas Strömung unter Butterfly stets einige Seemeilen vorwärts. Zu diesem Zeitpunkt stellten wir auch unsere Borduhren wieder um eine Stunde zurück. Und wie immer, wenn wir bei längeren Etappen auf See unterwegs sind, geben wir jeweils morgens und abends dem jeweiligen Net-Controller der PolyMagNet-Runde unsere Schiffs-Position mit weiteren aktuellen Angaben bekannt. Auch haben wir in diesen Tagen auch immer wieder mit unserem Schweizer Segler-Freund Jürg, der derzeit mit seiner Melanie noch etwa 1.300sm - auf der für uns Segler mit 4.000sm auf dem Blue Planet längstmöglichen Passage - von Panama in die Marquesas vor sich hat! Übrigens segelt dabei der Einhandsegler Jürg die gleiche Route, wie auch ich sie im Juli 2015 in 40 Tagen Solo absolviert hatte, wobei er per heute schon 21 Tage alleine auf dem Pazifik unterwegs ist. - Super Jürg und wir wünschen dir viel Glück mit weiterhin immer so 20Kn Passatwind!

Wir kommen mit der KYORY weiterhin gut durch den Vormittag des 19. Mai und in den Nachmittag hinein. Gegen Abend dreht dann der Wind sukzessive von SE aus E und wir wechseln um 1715 von der Butterfly-Besegelung, den Spibaum platzieren wir wieder am Mast, auf Halbwind um. Dabei rollen wir die Genua auf 100% aus und das Gross bleibt im 3. Reff. Mit erfreulichem 5Kn kommen wir auf dem Kurs von 300° weiterhin gut vorwärts. Ach ist das befriedigend, können wir doch wieder Mal einige Hundert Seemeilen am Stück segeln und dabei auf diesem Kurs erst noch Fadengrad auf das Amanu Atoll zuhalten. Dabei haben wir zwei während diesen Tagen und Abenden auf See genügend Freizeit in unseren Kindle’s zu lesen oder Musik zu hören!
So geht es für Sandra und mich bei 12Kn Wind weiterhin entspannt bei Halbwind  in die Nacht vom 20. Mai hinein. Aber ein Wehrmutstropfen bleibt vorerst bestehen, denn ich „hänge“ mit meiner Seekrankheit immer noch es betzeli sürmelig im Cockpit rum! Aber auch diese unter guten Segelbedingungen verbrachte Nacht ging mal vorbei und am frühen Morgen zupften wir dann wieder hie und da an den Schoten um die Besegelung auf Raumschot umzustellen. Bei ansonsten weiterhin herrlichem Segelwetter befreite uns ein durchziehender Squall verdankenswerter Weise unser von der See bespritztes Deck vom Salz! Anschliessend wurden wir wir dann den ganzen Tag hindurch bis in den Abend hinein mit einem herrlich blauen Himmel mit wenig Passatbewölkung verwöhnt. Darauf bahnt sich eine kristallklare Nacht an und wir kommen auf einem Kurs von 305° weiterhin mit stets etwa 5Kn Speed gut vorwärts. Gegen 2100 streifen uns  kurz hintereinander zwei leichte Squalls und gleich darauf zieht sich der E-Wind etwas zurück und aus S steigt der Swell auf um die 3m an! Dies bedingt, dass wir die Bäru-Windfahne anpassen um nun mit noch etwa 3Kn auf einem Kurs von 325° weiter zu segeln. So geht es durch die weitere Nacht des 21. Mai und morgens um 0800 zieht der Wind wieder an und wir durchpflügen die See mit wieder gegen 5Kn. Es ist für Sandra und mich ein wirklich geruhsames Segeln, ohne begleitende Motorengräusche, nur mittels der Bäru-Windsteueranlage. Einzig der etwas drehende Wind versetzt uns es betzeli vom Kurs weg gegen NW, aber wir können die KYORY trotzdem schön auf +/- 300°auf Amanu zulaufen lassen. Die einzige Scheisse ist für mich dabei, dass ich die Seekrankheit einfach nicht los werde, aber immerhin muss ich wenigstens nicht kotzen. Aber nach drei sürmligen Tagen auf See hoffe ich nun doch endlich auch dies überstanden zu haben! Immerhin kommen wir ohne nennenswerte Vorkommnisse problemlos durch den weiteren Tag und in die Nacht hinein. So geht es weiter durch den begleitenden auf etwa 2.5m zurück gegangenen Swell in den frühen Morgen des 22. Mai hinein. Gegen Mittag kann ich dann gegenüber Sandra endlich wieder vermelden: Der Skipper hat sein Leiden hinter sich und ist soweit wieder (Top)-Fit! - Schmunzel, schmunzel! So macht es doch mit der KYORY erst recht Freude, bei sich nicht gross verändernden Wetterbedingungen, weiter durch den Tag zu segeln! Aufgrund unserer Routenplanung sollten wir nun morgen Mittag bei Slacktide den Pass von Amanu passieren können. Und bald schon ziehen wir auf die Nacht vom 23. Mai zu und aufgrund des auf unter 10Kn zurück drehenden Windes, entscheiden wir uns um 0500 die Genua einzurollen und den Grossbaum mittschiffs zu stellen. Also starten wir wieder unsere Maschine und fahren die restlichen 25sm bis zur Pass-Einfahrt mit etwa 5.5Kn Speed unter Motor. Gegen 1030 nähern wir uns dem Pass und lassen auch noch das Gross in den Lazyjack runter rauschen. Mit einer übervorsichtig im Bugkorb als Ausguck stehenden Sandra steuere ich die KYORY mit 4Kn in den wirklich schmalen Pass von nur 25m Breite und 9m Tiefe - aber mit beidseitig einsehbaren Riffkanten - und queren die nahe Quaimauer mit der kleinen Kirche des Dörfchens Hititake! Aber wir meistern diese Pass-Durchfahrt soweit gut und schon drehen wir kurz vor dem Passende nach STB in die Lagune ein. Dabei fahren wir am kleinen Dörfchen vorbei um nach etwa einer weiteren Seemeile in Richtung NW den von uns ausgewählten Ankerplatz anzulaufen. Dabei beobachten wir, dass in dem nur etwa knapp 2m tiefen kleinen Hafenbecken je zwei Katamarane und Monohulls vor Anker und an der Hafenmole liegen. Zügig umfahren ein vor uns liegendes grossflächiges Riff und nach dem Erreichen des Ankerplatzes  hält unser Anker nach einem zweiten Versuch und am 23. Mai um 1115 auf einer Tiefe von 23m und wir stecken gleich mal 65m Kette! Yuppi, wir liegen nun hier zusammen mit einem in der Nähe in einer Untiefe auch vor Anker rollenden Katamaran im eindrücklichen Amanu Atoll!  Gleich hinter uns trennt ein Riff, mit einigen Korallenstücken davor, unseren Ankerplatz vor einem unfahrbaren seichten Pass-Durchgang. So klatschen wir uns mit einem Lächeln im Gesicht einmal mehr ab und freuen uns diese erste Etappe von den Gambiers in Richtung Fakarava Atoll in gut vier Tagen unter Segel geschafft zu haben! Und um 1230 belohnen wir uns mit einem währschaften z’Mittag mit Pasta Bolognese und Saucissons. Anschliessend lassen wir unser Dingi ins Wasser und Sandra erkundet gleich mal die nahen Riffs und ihre Bewohner!

In der Nacht zum 24.Mai drückt etwas zusätzlicher Swell von über 1m in unseren etwas abseits im NW der Amanu-Lagune liegenden Ankerplatz rein. Aufgrund der dadurch verminderten Sicht in die Tiefe verzichten wir auf heutige Schnorchel-ausflüge und ziehen einen Faulenzer-Tag ein. Aber am Tag drauf beruhigt sich die See wieder und es herrschen herrliche Schnorchelbedingungen. Vorerst erkunden wir zusammen das hinter uns liegende Riff und während dem ich etwas später mit dem Dingi zur KYORY zurück kehre, schwimmt Sandra zu einem weiteren Riff und bringt ein paar gut gelungene Unterwasser-Fotis mit „nachhause“. Nach dem z’Mittag tuckern wir um 1300 mit dem Dingi bei weiterhin ruhiger See ins Dörfchen Hititake hinauf. Nach der nur 2m tiefen Einfahrt in das kleine Hafenbecken legen wir zwischen dem kleinen Katamaran von Aline und ihrem Freund Adrien auf seiner Monohull noch einen kurzen Schwatz ein. Adrien betreibt hier, als übrigens einer der ersten und besten französischen Kiter, eine kleine Kite-Schule und hat unter anderem auch der L’Avenir-Crew von Bernhard&Annemarie sowie ihrem Sohn Jan erfolgreich das Kiten beigebracht! Wir befestigen dann unser Dingi im Beckenende dieses kleinen Hafens an der kleinen Mauer und schlendern durch das Dörfchen und suchen erstmal die schmale und dadurch auch eindrückliche Pass-Durchfahrt auf. Gut sieht man von hier aus auf beiden Pass-Seiten die sich in und über dem Wasser befindlichen Bommies und Riffs. Also diesen Pass befahre ich wirklich nur bei Slacktide! Vor dem Pier befinden sich das Schulhaus, die Marie, die Post (hat jeweils nur am Montag und Freitag von 0730-0930 offen) sowie zwei kleine Kirchlein. Wir passieren dabei auch auf diesem Atoll einige der einfach gebauten Hütten die zwischen dem einten und anderen schmucken Häuschen liegen. Aber wir stossen auch auf Grundmausern schon längst verfallener Wohnstätten. Nachdem wir noch in einem der zwei kleinen Magasins was zu trinken eingekauft hatten bestiegen wir kurz nach 1600 wieder unser Dingi und tuckerten wieder langsam zur hinter dem grossen Riff liegenden KYORY zurück. Und begleitend zu einem Sundowner beglückte uns um 1800 auch noch ein herrlicher Sonnenuntergang den Wechsel in die anstehende Nacht hinein!
Und auch der folgende Morgen startete mit einem ebenso eindrücklichen Sonnenaufgang. Nach unserem z’Morge gehen wir es locker an und gegen Mittag steige ich wieder mal für eine Kontrolle in den Mast-Top. Dabei knipse ich natürlich auch einige interessante Fotos unserer Ankerplatz-Umgebung. Wir finden es immer wieder spannend und auch informativ unsere weitere Umgebung aus der Vogelperspektive zu betrachten. Am 27. Mai zieht Sandra frühzeitig alleine zu einer Schnorchel-Tour los. Auch wenn ich am Laptop beim Entwerfen weiterer Blog-Texte bin, halte ich immer wieder ein offenes Auge auf die schnorchelnde Sandra! Auch nach dem Lunch zieht es Sandra nochmals zurück ins Wasser, denn wir haben eingeplant morgen auf dem sich in der Lagunen-Mitte befindlichen Riff Etoile vor Anker zu gehen. In der Nacht auf den 28. Mai kam wieder stärkerer Swell auf und ich musste gar den entzwei gerissenen Kautschuk-Ruckdämpfer an der Kettenkralle austauschen. Da der Weather-forecast aber uns nun zwei soweit schöne und nicht so windige Tage prognostiziert gehen wir ab 0900 step-by-step Anker auf, wobei wir während über einer Stunde vorbildlich die Ankerkette putzten. Um 1015 war es dann soweit, die Kette war im Ankerkasten verstaut und unter Motor tuckern wir dann in knapp zwei Stunden zum kleinen Dreizack-Riff Etoile, das sich in der Mitte der Atoll Lagune befindet. So gehen wir dort um 1230 auf einer kleinen etwa vier Meter tief liegenden Sandbank mit 25m Kette, bei 17°48.65’S und 140°46.80‘W, vor Anker. Sandra stieg dann gleich in unser diesmal nachgeschlepptes Dingi und checkte die nähere Umgebung unseres Ankerplatzes mittels unseres Hand-Tiefenmessers. Sie hatte dabei keine Anzeige unter vier Metern und so zog ich den Anker noch unter Rückwärtsfahrt etwas mehr in den Sand rein. Einfach traumhaft so in der Mitte dieses Atolls auf einer Sandbank zu ankern. Da steig ich gleich wieder den Mast rauf um bei herrlicher Aussicht ein paar eindrückliche Fotis zu knipsen. Anschliessend gibt es einen kleinen Lunch und bald geht Sandra, bewaffnet mit unser kleinen Canon-Kamera, auf Schnorcheltour. Dabei schnorchelt sie zuerst am etwa 8m tiefen Innerriff vorbei und etwas später begibt sie sich ans etwa 60m Tiefe Aussenriff vom einem der Etoile-Dreizacken. Während ich in dieser Zeit kleiner Arbeiten auf Deck nachgehe gucke ich immer wieder mit einem Auge auf die gut vorwärts kommende Sandra, die aber nur im Badeanzug und einem T-Shirt unterwegs ist. Dies auch im Unwissen von uns beiden, was da draussen so alles rum schwimmt! So entscheide ich mich - unter Berücksichtigung des Sunset um 1800 - Sandra etwas nach 1600 mit dem Dingi abzuholen. Da sie nach meiner Einschätzung sicher noch mindestens zwei Stunden benötigt hätte, um noch den ganzen Dreizack - wobei ich sie auch nicht mehr im Auge gehabt hätte - bis zurück zur KYORY zu schaffen. Auch wenn dann Sandra etwas unzufrieden mit meiner frühzeitigen „Rettungsaktion“ war, erzählte sie mir unter grosser Begeisterung von der sich hier draussen tummelnden Unterwasserwelt. Und nach der Rückkehr auf die KYORY übertrugen wir dann gleich ihre gemachten Fotis auf den Laptop und wirklich, es hatte viele super gelungene Aufnahmen vor allem vom Aussenriff dabei. Schmunzelnd erzählte mir Sandra, dass sie der auf den Fotis immer wieder auftauchende Zebrafisch während der ganzen Schnorcheltour begleitet habe! Nun können wir noch feststellen, dass bei eintretender Lowtide hier nur ein paar wenige Riff-Korallen um etwa 50 cm aus der See gucken! Da wir bereits morgen Früh hier losfahren wollen, um dann gegen 0900 bei Slacktide das Amanu Atoll in Richtung Fakarava zu verlassen, haben wir noch einige Vorbereitungsarbeiten zu erledigen. So fixieren wir den Spibaum auf der BB-Seite um Morgen bei ange-sagten achterlichen Winden unsere Butterfly-Besegelung zu setzen. Dann latschen wir unser Dingi auf dem Vordeck fest und der Outboarder findet seinen gewohnten Platz an der Heckreling. Und bei eintretender Dämmerung bewundern wir während unserem z’Nacht vom Cockpit aus einen eindrücklichen Mond-aufgang und dann gleich einen noch kitschigeren Sonnenuntergang. So verbleiben wir bei diesem „Rosamunde Pilcher-Feeling“ noch bis 2100 im Cockpit und geniessen vor dem aufsuchen unserer Kabinen noch ein Gläschen Rum! Wir sind einfach happy, dieses unvergleichliche Riff Etoile aufgesucht zu haben und ziehen uns bei weiterhin ruhiger See alsbald in die Kojen zurück.


Am 29.5.2018 rufe ich bereits um 0530 Sandra - mit ihren standardmässig frühmorgendlichen kleinen Augen - zum Frühstück in den Salon. Nach den anschliessenden Klar-Schiff-Jobs entfernen wir gegen 0730 die Kettenkralle und gehen gleich problemlos Anker auf. Langsam verlassen wir, unter Motor fahrend,  dieses kleine Einod und nach etwas über einer Stunde drehen wir bei Hititake auf den Pass zu. Da wir bereits um 0830, eine halbe Stunde vor Slacktide, vor dem Pass eintreffen, entscheiden wir uns bei soweit noch ruhigem Wasser gleich den Pass zu durchfahren. Sandra steht beim Bugkorb und ich steuere die KYORY in den Pass hinein. Kaum sind wir richtig in der Pass-Einfahrt angekommen, zieht uns die bereits einsetzende Outgoing-Strömung mit etwas über 2Kn durch den Pass. Wir fahren nun mit teilweise gegen 10Kn Speed durch den gurgelnden Pass und ich muss zweimal aufpassen, dass es die KYORY nicht quer stellt. Aber alles geht gut und nach 12 Minuten fahren wir durch die letzten Pass-Wirbel in die offene See hinaus.
Und nun würden wir gerne, dem Weatherforecast entsprechend, unsere Butterfly-Besegelung setzen. Aber nichts da, statt den versprochenen 10-12Kn Wind säuselt nur ein laues Lüftchen! Okay, da ist nichts zu machen und wir fahren vorerst bei einem Swell von 0.5m aus S mit 5Kn unter Motor auf einem Kurs von 280° gegen NW auf Fakarava zu. So geht es weiter unter ansteigendem Swell von etwa 1m in den Tag hinein. Gegen Abend kommt dann etwa 7Kn leichter Wind aus SE auf. Wir setzen unsere Segel mal auf Raumschot und so geht es immerhin mit 2-8Kn Speed einem wieder schönen Sunset entgegen! Bei soweit doch ruhiger See sind wir auch so zufrieden - denn wir haben ja alle Zeit der Welt!

Unter diesen Bedingungen schleichen wir uns auch durch die Nacht des 30. Mai und haben noch 210sm bis zum Fakarava-Südpass vor uns. Auch wenn uns dann gegen 0600 auch ein herrlicher Sunrise geboten wird, tümpeln wir wieder in einer Flaute uns es bleibt uns nichts anderes übrig als die Genua einzurollen sowie das Gross Mittschiffs zu setzen. So fahren wir mit etwas uns wohlge-sonnener Strömung von etwa 1Kn durch den weiteren Morgen. Gegen 0900 machen wir auf STB, etwa 3sm entfernt, einen Segler aus der auch in Richtung NW unterwegs ist. Nach Kontaktaufnahme über das VHF entpuppt es sich um die im kleinen Hafen von Amanu gelegene Yacht Marsouin, eine Benneteau Oceanis44, vom ca. 65jährigen sympathischen Einhandsegler Guy aus Marseille. Er freut sich über unseren Anruf und erzählt uns, dass er ins etwas nördlicher von Fakarava gelegene Apataki Atoll unterwegs ist. Im Vergleich zu uns entscheidet er dann, bei etwa 3Kn Wind, zum Gross sein Spinacker-Leichtwindsegel zu setzen. Auch wenn er unter dieser flatternden Besegelung nur langsam voran kommt, entschwindet er doch sukzessive unserem Blickfeld. Solche Momente erinnern natürlich die KYORY-Crew immer wieder an den in der Hundekoje verstauten 125qm-Parasailor! Dieses geniale Leichtwindsegel wäre eben unter solchen Bedingungen ideal, müsste dann aber spätestens bei 17Kn wieder eingezogen werden. Aber noch haben wir zuviel Respekt vor dem händeln dieses grossen Vorsegels und auch die aktuelle Situation auf dem Vordeck mit dem dort, auf längeren Etappen, platzierten Hartschalen-Dingi ist eben auch nicht ideal. Leider können wir das Dingi nicht an unserem Heck-David aufhängen, da dort die Windfahne ihren gewichtigen Dienst tut und auch auf dem Salondach haben wir für das Dingi infolge spezieller Traveller-Leinenführung keinen freien Platz.

Aber an diesem 30. Mai kann auch unser Schweizer Seglerkollege Jürg, mit dem wir in den vergangenen Tagen immer wieder Kontakt über SSB-KW-Funk hatten, zusammen mit seiner Melanie seinen grossen Tag feiern! Denn nach seiner über 35 Tage und Nächte dauernden 4.000sm langen Pazifik-Solo-Passage von Panama in die Marquesas, ging er heute überglücklich in der kleinen Bucht von Atuona/Hiva Oa vor Anker! Nun hat also auch Jürg, wie ich im 2013, als Einhandsegler diese längste auf dem Blue Planet mögliche Segelpassage geschafft! Dazu grossen Respekt unsererseits und herzliche Gratulation!

Gegen 1400 kommen etwa 10Kn Wind auf uns wir rollen die Genua auf STB auf 120% aus und können endlich unseren Diesel abstellen. Und aufgrund von wieder eintretender Flaute bei weiterhin ruhiger See, entscheiden wir uns gegen 1800 die Genua einzurollen, um uns über die kommenden Stunden, ohne Motorengeräusche, einfach mal treiben zu lassen. Diesen Entscheid, uns ohne Segel und Motor-Unterstützung einfach so mal treiben zu lassen, fällten wir seit unserer gemeinsamen Langfahrt zum ersten Mal! So ging es nun mit sage und schreibe mikrigen 1.5Kn Speed vorwärts, aber immerhin treibt uns die vorherr-schende Strömung auf unserem Kurs von derzeit 265° ziemlich genau auf Fakarava zu. Unter dem Wachdienst von Sandra geht es in die zweite Nachthälfte hinein bis am frühen Morgen des 31. Mai um 0530, bei Swell von 1m aus SSE, erfreulicher Wind über 12Kn aus SE aufkommt. Umgehend ruft sie mich an Deck und wir setzen unsere Butterfly-Besegelung und segeln, abwechselnd auch unter Raumschot, ohne Motorunterstützung weiter auf das noch 75sm entfernte Fakarava zu. Mit so max. 4Kn geht es unter diesen Bedingungen den Tag hindurch und in die Nacht des 1. Juni hinein. Aber ab 0200 haben wir wieder Flaute und ich rolle die Genua ein und lasse die KYORY einfach treiben, wobei wir aber leicht gegen NW an Tahane vorbei driften. Von 0700 bis 1100 muss ich den Motor laufen lassen um unsere Batterien nachzuladen, wobei ja va unsere Kühlbox einigen Strom zieht. So lassen wir uns bei Flaute mit etwa 1.5Kn durch den weiteren Tag hindurch treiben und dies erst noch bei absolut ruhiger See und wolkenlosem Himmel.
Und dann wird uns gegen 1200 noch ein unvergesslichen Erlebnis geboten! Ich wollte in diesen Minuten noch etwas Abkühlung in der See finden und stand noch auf der Badeplattform. Aber dann traute ich meinen Augen nicht und sah neben der KYORY auf STB eine grosse Flosse aus dem Wasser auftauchen. Ach du liebe Scheisse, da verging mir natürlich die Lust auf Abkühlung und ich rief schnell nach Sandra. Ich zeigte ins Wasser auf den vermeintlichen grossen Hai! Aber Sandra erfasste gleich, dass es sich dabei nicht um einen Hai sondern um einen grossen Manta handelte. Ja, und dieser Manta war um einiges breiter als die KYORY, also hatte er sicher eine Spannweite von 5m! Er kam dann ganz nahe an die Badeplattform ran und es war einfach ein grosses Geschenk mal einen solchen Riesen-Manta in seiner natürlichen Umgebung zu sehen. Graziös schwamm er dann während etwa 5 Minuten stets hinter der Badeplattform hin und her. Wohl fand ich den Mut mich auf die Plattform zu setzen und mit den Füssen im Wasser zu paddeln, aber nun noch ins Wasser zu steigen, wenn auch nur über die Badeplattform, getraute ich mich dann wirklich nicht. Natürlich reichte mir dann Sandra noch schnell unsere Kamera, aber meine verständliche Nervosität liess keine gelungenen Aufnahmen zu und bald zog der Manta seine Bahnen wieder draussen auf weiten offenen See. Schade, hoffentlich ein andermal! Bald sassen wir beim z’Mittag zusammen im Cockpit und waren verständlicherweise immer noch vom Zusammentreffen mit dem Manta beeindruckt.
So zogen wir weiterhin den restlichen Nachmittag durch dieses Flautengebiet und sind derzeit noch etwa 50sm vom Fakarava-Südpass entfernt, den wir morgen um 1200 bei Slacktide durchfahren möchten. Und schon bald ging es bei anhaltender Flaute langsam mit 0.5m Swell aus S weiter durch die Nacht und in den neuen Tag des 2. Juni hinein in Richtung Fakarava. Morgens um 0600 starten wir wieder unseren Diesel um die restlichen 20sm bis zum Südpass unter 5Kn Speed auch wirklich bis 1200 zu erreichen. Ab 1000 bereiten wir das Dingi und die Mooring-Leinen vor, um dann vielleicht an einer Mooring festzumachen oder ansonsten vor Anker zu gehen. - Schau me mol!